01.09.2008 - 19:00 Uhr

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Buchnotiz. Die schönsten Mädchen der Welt

Text: max-scharnigg

Kleine Lesenotizen zu den Büchern auf unseren Nachttischen. Denn die nächste Buchmesse kommt bestimmt.

Max Wiener – Die schönsten Mädchen der Welt

In seinem Debütroman erzählt der Autor Max Wiener (Jahrgang 1966) die Kindheit und Jugend eines Ich-Erzähler im deutschen Westen der siebziger Jahre. Eine ziemlich populäre Thematik auf dem deutschen Büchermarkt - Frank Goosen, Rocko Schamoni, Florian Illies und noch etliche mehr haben ihre Versionen davon längst abgeliefert. Diese Pubertäts-Erinnerungsromane bedienen sich dabei meist eines ähnlichen Stils, in dem erste Liebe, musikalische Erweckungen und sonstige Vorfälle der Adoleszenz süffig und leicht beschrieben werden und auf den „Kenn ich“-Effekt beim Lesers abzielen. Herr Wiener macht da keine Ausnahme: die Nöte eines Heranwachsenden beim Versuch, Onaniererfahrung und eine misstrauische Mutter zu vereinen, beschreibt er sehr anschaulich und mit hübschen Detailanekdoten. So geht das Buch die ersten 100 Seiten mit Verstecken für Pornohefte, ersten Mädchenkontakten, Schulerlebnissen und Jungsfreundschaften nett und einigermaßen klischeefrei durch harmloses Gelände. Dann aber bekommt die ohnehin nicht gerade tänzerische Geschichte einen Klumpfuss und will nicht mehr recht vom Fleck. Karlo, der Ich-Erzähler verheddert sich in Frömmigkeit und christlichen Jugendgruppen, denen er schließlich entsagt, um unter der Anleitung eines dominanten Freundes an politischer und intellektueller Radikalität zu schnuppern, die aber immer nur eine pubertäre und wenig fundierte Attitüde ist. Dabei bleibt das Bild des Protagonisten fahrig und oberflächlich, wie alle Figuren in der Geschichte seltsam steif animiert wirken. Die Stimmung verschlechtert sich jedenfalls gleichzeitig bei Held und Leser im Zuge einer Aufreihung belangloser Ereignisse. Am Ende der Geschichte macht Karlo sich von den dunkeln Einflüsterungen der vermeintlichen Freunde frei, was aber den unguten Knoten seiner Verwirrung nicht löst, sondern offenbar eine Art psychosomatischer Störung hervorruft. Gewiss ist das aber nicht, denn mit dem vagen Gefühl, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, endet das Buch. Der Leser ist mäßig betroffen. Irgendwie stimmt bei der Geschichte die Taktung nicht, fast über die Hälfte kreist sie launig um trickreiche Selbstbefriedigung, mäandert dann vage an ein Gesellschaftsbild der BRD heran, um schließlich doch die Frage der richtigen Freundschaft und der sozialen Einordnung hinterrücks zum Hauptthema zu machen. Nicht ganz rund. „Die schönsten Mädchen der Welt“ von Max Wiener ist im Rotbuch Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro.


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AllesOderNichts
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Mag ich Mag ich nicht

1

01.09.2008 - 19:25 Uhr
AllesOderNichts

Besprechungen mittelmäßiger Bücher, die nicht zwangsläufig besprochen werden müssen, finde ich... naja.

smkolbe
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Mag ich Mag ich nicht

1

01.09.2008 - 19:55 Uhr
smkolbe

Das ist ja das Schöne an Literatur: Man kann darüber geteilter Meinung sein.

In der Vanity Fair gab es vor zwei Wochen ein sehr interessantes Interview mit Noah Gordon, der davon erzählte, wie schwer es war, als sich seine Bücher jahrelang nicht verkauften. Und dann auf einmal kam der Durchbruch.

riesenherz
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Mag ich Mag ich nicht

1

01.09.2008 - 20:07 Uhr
riesenherz

Ich glaube ja, daß das Wichtigste, was jene 70er Jahre den Jugendlichen und jungen Erwachsenen mitgeben konnten, war jenes stimmige Gefühl, daß mensch selbst es in der Hand hat, sein Leben und die Welt verändern zu können. Mit diesem Aufbruchgefühl war sogar die Suche nach dem Archimedischen Punkt keine Unmöglichkeit mehr, so schien es.
Das daraus erwachsende Selbstbewußtsein würde ich manchmal auch den heutigen Jugendlichen wünschen.
Und da geht es um weit mehr als um Selbstbefriedigung, eher um eine öffnende Perspektive, ein Zugang zur Welt, den jeder mal sehen sollte.

Bauchentscheider
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Mag ich Mag ich nicht

1

01.09.2008 - 21:38 Uhr
Bauchentscheider

Aber das Cover ist geil!

lichter
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Mag ich Mag ich nicht

1

02.09.2008 - 00:17 Uhr
lichter

jaja, schöne neue cover. klingt aber ä bissl angestrengt. mhm.
meine cvjm traumata werden auch noch den weg in die annalen der unwichtigen bücher finde, mich dünkt es wird immer leichter

ruebezahl
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Mag ich Mag ich nicht

1

02.09.2008 - 18:42 Uhr
ruebezahl

vollkommen ueberfluessiger quark.
was halt so gedruckt wird.

Lesende
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Mag ich Mag ich nicht

1

06.09.2008 - 10:00 Uhr
Lesende

Nun ein Verriss oder ein Lob wären sicher effizienter gewesen, aber allem Anschein nach war es das dem Rezensierenden nicht wert.
Ich habe das Buch ebenfalls gelesen und war begeistert davon. Mag sein dass es ein bisschen viel der frühkindlichen Wixerei ist, doch das tut dem ganzen keinen Abbruch.
Max Wiener hat meiner Meinung nach ein sehr großes Potential Fuß im Literaturgeschäft zu fassen und wenn nicht mit diesem Werk, dann hoffentlich mit dem nächsten!

tinocerutti
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Mag ich Mag ich nicht

1

22.10.2008 - 23:41 Uhr
tinocerutti

Mahlzeit die Herren Gelehrten.

Mich erinnern einige Sprüche der Möchtegern-Kritiker an Bruno aus dem Buch von Herrn Wiener. Intellektuell ist man nicht, wenn man es von sich behauptet. Kritisieren kann ich nur, wenn ich es besser könnte. Ich fand das Buch sehr amüsant, witzig und sehr bildlich beschriebene Situationen, wobei mich am meisten die Wortgewandheit fasziniert hat. Es war ein Genuß das Buch zu lesen. Ich kann mich nur "Lesende"r anschließen. Es ist großes Potential vorhanden und das war garantiert nicht das letzte Buch von Max Wiener (hoffentlich!) .

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Mag ich Mag ich nicht

1

22.10.2008 - 23:42 Uhr
tinocerutti

Mahlzeit die Herren Gelehrten.

Mich erinnern einige Sprüche der Möchtegern-Kritiker an Bruno aus dem Buch von Herrn Wiener. Intellektuell ist man nicht, wenn man es von sich behauptet. Kritisieren kann ich nur, wenn ich es besser könnte. Ich fand das Buch sehr amüsant, witzig und sehr bildlich beschriebene Situationen, wobei mich am meisten die Wortgewandheit fasziniert hat. Es war ein Genuß das Buch zu lesen. Ich kann mich nur "Lesende"r anschließen. Es ist großes Potential vorhanden und das war garantiert nicht das letzte Buch von Max Wiener (hoffentlich!) .


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max-scharnigg

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.

Das Problem ist der Konsens.