27.08.2008 - 19:00 Uhr

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Kein Gangster, kein Killer, kein Dieb, sondern "Popstars"-Juror: 10 Fakten über Sido

Text: julia-finger - Bild: dpa

Ab morgen sitzt Rapper Sido bei "Popstars" im Casting-Gericht und bewertet die Stimmen der Kandidatinnen. "Sido, der Depp", denkst du. "Sido ist lustig", sagen wir.

Gut gesungen hat das braunhaarige Mädel mit dem Heidi-Klum-Pony nicht. Doch um der misslungenen Aktion noch einen Sinn zu geben, fasst sie sich mutig ein Herz und teilt ihre Gefühle mit der ganzen Welt – heißt in diesem Fall: mit der Pro 7-Zuschauerschaft: "Sido, du bist mein größter Fan." Oha! Ein Deutschlehrer würde ein dickes, rotes I hinter den Satz schreiben – falscher Inhalt. Doch die Braunhaarige ist nicht in der Schule, sondern beim Popstars-Casting. Und ihr Deutschlehrer heißt hier Sido. Er korrigiert: "Ich bin dein größter Fan? Oder bist du eher mein größter Fan?!" Cut. Dieser Teaser läuft seit einigen Tagen in jedem Werbeblock auf Pro 7. Er wirbt für die neue Popstars-Staffel, dieses Jahr unter dem Motto "Just 4 Girls", und seit ein paar Wochen weiß man, wer in der Jury sitzt: Choreograph Detlef D! Soost – Freunde von Mario Barths Verständnis von Witz kennen ihn auch als "den dicken Tänzer aus Berlin" – und das mallorcinische Three-Hit-Wonder Loona, die uns vor vielen Sommern den Song "Bailando" schenkte. Dieter Falk, Nina Hagen und Marusha sind nicht mehr dabei. Doch Pro 7 hat jemanden gefunden, der genug Kompetenz besitzt, die drei Juroren zu ersetzen: Sido, der einstige Straßenjunge vom Block. Und zur Erweiterung des gefährlichen Halbwissens: Zehn Insider-Fakten über den Berliner Rapper. 1. Sido heißt bürgerlich Paul Würdig. Am Anfang seiner Karriere behauptete der Rapper, er hieße Sigmund Gold, kurz Siggi. Mittlerweile verwendet er diesen Namen, wie bei Rappern üblich, nur als Pseudonym. Sein Künstlername Sido stand zunächst für "Scheiße in dein Ohr". Sidos Rapperdasein begann in der Kellerkneipe "Royal Bunker", die später Namensgeber war für das heutige Musiklabel. Hier freestylte die noch junge Berliner Rapszene Ende der 90er während Open-Mic-Sessions. Wenn Sido kein Wort einfiel, rappte er einfach "Scheiße in dein Ohr" und füllte damit die Lücke zum nächsten Reim. Inzwischen steht Sido allerdings für "superintelligentes Drogenopfer". Deswegen schreibt man Sido eigentlich klein. Der Rapper dazu: "'Scheiße in dein Ohr' fand ich irgendwann ein bisschen behindert und habe mir etwas Neues überlegt. Und da hat einfach nichts besser gepasst als 'superintelligentes Drogenopfer'." Übrigens: In der Kneipe "Royal Bunker" begannen auch die schillernden Karrieren von Kool Savas, Taktloss und Sidos bestem Freund B-Tight.
Sido, Loona und der dicke Tänzer aus Berlin, äh, Detlef D! Soost
2. Sidos Mutter ist Inderin, sein Vater Deutscher. Der 28-Jährige wuchs zusammen mit seiner jüngeren Schwester bei der alleinerziehenden Mutter im Märkischen Viertel auf, von Sido liebevoll MV genannt, einer Hochhaussiedlung im Berliner Bezirk Reinickendorf. Seinen Vater hat er nur zweimal gesehen. "Mein Block", eine Hommage an den Plattenbau, beförderte Sido 2004 wie ein Hochhauslift von ganz unten nach oben auf Platz 13 der deutschen Charts. Das dazugehörige Album "Maske" – einige Wochen später von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert – schaffte es sogar bis auf Platz 3 und "ging Gold". Yo! 3. Der Berliner ging auf die Bettina-von-Arnim-Oberschule. Nach der neunten Klasse verließ er mit der Durchschnittnote 4,7 die Gesamtschule und begann danach eine Lehre als – ja, tatsächlich! – Kindergärtner, schmiss die Ausbildung allerdings. Weil er keinen Job und deswegen auch keine Kohle hatte, zog er mit seinem besten Freund Bobby zusammen, der sich heute B-Tight nennt und auch hauptberuflich rappt. Die Beiden wohnten in einem Loch im Wedding, in dem es immer kalt und der Kühlschrank andauernd leer war. Und was machst du, wenn du keine Ausbildung, kein Geld, kein cooles Leben hast? Genau, du rappst drüber. 4. Sido steht bei Aggro Berlin unter Vertrag. Das Label wurde 2001 von drei Freunden gegründet, um mit Hip Hop Geld zu verdienen. Specter ist ein bekannter Sprüher, nun Labelchef und für das Artwork und die Corporate Identity der Plattenfirma verantwortlich. Spaiche ist Breakdancer und Halil ein türkischer Geschäftsmann, dessen Berliner Hip-Hop-Store "Downstairs" anfangs maßgeblich am Erfolg des Independent-Labels beteiligt war. Neben Sido sind bei dem Label auch die Rapper B-Tight, Fler und Tony D gesignt, wie auch Deutschlands "erste reale Gangsta-Rapperin" Kitty Kat, von der aber niemand weiß, wie sie aussieht. Bis 2004 war auch Bushido ein Aggro-Schützling, allerdings verstritt er sich mit Chefs und Labelkollegen. 5. Aggro Berlin beansprucht für sich die Bezeichnung "Deutschlands einziges Independent-Label", da es nicht an eine große Plattenfirma wie Sony BMG oder EMI gebunden ist, aber in der Sparte Deutschrap ähnlich viel oder teilweise sogar mehr Erfolg hat. Im November 2007 ging Aggro allerdings einen Vertriebs-Deal mit Universal Music ein. Laut einer Pressemitteilung handelt es sich um eine "gleichberechtigte Zusammenarbeit, wobei Aggro Berlin in seiner Eigenständigkeit als Label und seinen kreativen Entscheidungen auch weiterhin unabhängig bleibt." Rapper Bushido war übrigens richtig, richtig wütend über das Geschäft zwischen Aggro und Universal. Er hatte kurz vorher Universal Music im Streit verlassen und ist nun bei SONY unter Vertrag. Da er mit Aggro Berlin einen langjährigen Beef pflegt, empfand er den Vertragsschluss zwischen seinen Ex-Plattenfirmen als Beleidigung. Armer Anis. Auf der nächsten Seite lernst du Doreen, Sarah und Carmen kennen.
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