09.09.2008 - 19:00 Uhr

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Das Gulli-Buch: Zehn Jahre aus dem Untergrund des Internet

Text: dirk-vongehlen

Unter dem Logo, einem sich drehenden Gulli-Deckel, steht der Slogan: "Underground piratainment since 1998". Gulli.com versteht sich als Zugang zum Netz-Untergrund. Seit zehn Jahren ist die Site Informationsportal, Forum und Community für alle, die sich über den Untergrund des Internet informieren will. Richard Joos ist dort als Nutzer korrupt unterwegs. Gemeinsam mit Randolf Jorberg und Axel Gönnemann hat er jetzt ein Buch über Gulli und den Netzuntergrund geschrieben. Wir sprachen mit ihm über "gulli wars(TM)", die Community und Lösungen für das Problem von Urheberrechtsverletzungen im Internet.

Was ist Gulli? Am besten definiert man das wohl so: Gulli.com ist der Einstieg in den Netzuntergrund. Also die erste Anlaufstelle für die Leute, die sich jenseits des offiziellen Internets für die Entwicklung des Web interessieren. Und im Laufe der letzten Jahre ist gulli.com zu einer der größten Communitys in Deutschland geworden, mit zuletzt über 700.000 registrierten Nutzern.
Ihr habt dafür nie Werbung gemacht. Wie ist das ganze entstanden? Das ist die Geschichte, die wir auch im Buch beschreiben: Anfangs war das eine Cracks- und Serials-Seite, also ein Angebot, in dem man Hinweise auf gecrackte Software und Seriennummern bekommen hat. Im Jahr 2002 haben wir das ganze übernommen und den illegalen Kram weggenommen. Wir wollten stattdessen einen Einstieg liefern, Informationen und Suchmöglichkeiten bieten. Und von da an ist es vor allem als Community gewachsen und ab 2005 dann auch als Newsportal. Jetzt habt ihr Gulli an einen neuen Betreiber abgegeben und ein Buch über Gulli geschrieben. Wer soll das lesen? Wir wollen einerseits die Leute erreichen, die sich für die Netzuntergrund-Szene interessieren. Andererseits könnte das Buch auch lesenwert sein für Leute, die sich für Communities im Netz interessieren - Mitglieder, Betreiber oder auch einen Kulturwissenschaftler, der eine Fallstudie aus der Praxis sucht.. Du bist seit 2000 als korrupt auf dem Gulli-Board aktiv. Welche Schlüsse ziehst Du aus dieser Zeit? Es ist irgendwann schon deprimierend, wenn man feststellt, dass man machen kann was man will, sich aber am Ende doch auf der Stelle bewegt. Letztens sollten wir eine Stellungnahme abgeben zum Thema Strafverschärfung wegen Internet-Urheberrechtsverstößen und ob das was bringt. Das ist unglaublich frustrierend, dass man immer noch auf dieser Ebene diskutiert wird. Wie meinst du das? Na, diese ganze Debatte läuft schon so lange. Man weiß einfach, dass die höheren Strafen und höhere Geldstrafen oder Schadensersatz-Summen am Ende nichts bringen. Trotzdem geht die Entwicklung in diese Richtung. Auch deshalb weil es eine ganze Menge an Akteuren gibt, die auf diesem juristischen Gebiet ihr Auskommen gefunden haben. Es gibt mehr Kanzleien, die da verklagen, es gibt mehr Unternehmen, die Überwachungsmaßnahmen im Netz durchführen und die brauchen dann auch mehr Opfer, damit sich die Arbeit irgendwie finanziert. Die Akteure versuchen das Problem von Urheberrechtsverletzungen im Netz so einer Lösung anzunähern. Glaubst du, dass das gelingt? Nicht wirklich. Es hat schon vor vier Jahren immer geheißen, das ganze sei ein temporäres Problem, das man löst, wenn man es juristisch bekämpft. Es scheint aber ein bestehendes Problem zu bleiben. Auf der nächsten Seite: Richard spricht über mögliche Lösungs-Ansätze, über Wechselfestplatten und wertige Originale.
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