25.08.2008 - 19:00 Uhr

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Was muss ich wissen über das Alter, Herr Petszokat?

Text: sascha-chaimowicz - Foto: Manfred Baumann

Der Sex, die Haare, die Schüchternheit – alles anders. Oli P. ist jetzt 30 und erzählt, was die vergangenen zehn Jahre aus ihm gemacht haben

jetzt.de: Oliver, ich bin geschockt: Du bist erst 30 Jahre alt! Fühlst du dich, bei all dem, was du schon gemacht hast, nicht eher wie 45? Oliver Petszokat: Es ist schon komisch. Manchmal treffe ich Kollegen, die ähnlich lange im selben Beruf sind wie ich. Nur sind diese Kollegen oft 15 Jahre älter als ich. Ich habe eben mit dem 18. Lebensjahr angefangen. Wenn ich mir heute vor Augen halte, was alles in der Zeit abgegangen ist, von Gute Zeiten, schlechte Zeiten über ein bisschen Kino und Theater, dann der Gedanke ,hach, ich moderier’ mal’ bis hin zu meiner Musikmacherei, frage ich mich schon, wie das alles in die Zeit reinpasst. Ganz nebenbei bin ich mit 20 Familienvater geworden. Aber wenn ich mir ein paar von meinen Kumpels anschaue, die so alt sind wie ich jetzt, bin ich ganz froh, wie es gelaufen ist. Viele von denen studieren immer noch. Gerade mein frühes Vaterwerden hat meinem Leben viel Sinn gegeben. Ansonsten hätte ich meinen Job gemacht, sehr gut verdient und wäre auf Parties gegangen, um dort dann sehr viel zu trinken. Das kann nicht der Lebensinhalt sein. jetzt.de: Wir wollen mit dir über den 30. Geburtstag reden und das, was sich damit ändert. Vor kurzem, am 10. August, bist du selbst 30 geworden. Wer hat dir gratuliert? Oliver: Da habe ich mich echt gewundert. Das waren echt auch Leute aus der Schulzeit, mit denen ich seit damals nicht mehr im Kontakt stand. Dazu kamen noch Produktionsfirmen, Eltern von Klassenkameraden meines Sohns, Familie und sogar mein Patenonkel hat sich mal wieder gemeldet. jetzt.de: Und trotz der vielen Leute hast du keine Verpflichtung gespürt, zu feiern? Oliver: Vor allem meine Freunde haben probiert, mich zu überreden: Kochen und danach besaufen, besaufen und dann kochen. Doch ich hatte eine geile Ausrede, und zwar die Arbeit: Ich musste am nächsten Tag früh raus. Aber nicht falsch verstehen, es lag nicht an der Zahl 30, dass ich keine Lust zu feiern hatte. jetzt.de: Betrinkt man sich mit 30 noch so wie früher? Oliver: Meine Freunde machen das schon noch so, ja. Ich selbst habe zuletzt am 7. Februar ganz viel getrunken. Und dann noch einmal im März und auf einem Abschlussfest für eine Pro7-Sendung hatte ich je ein Radler. Das wars für dieses Jahr. Ich habe da im Moment keinen Bock drauf und das geht schon seit zwei oder drei Jahren so. Selbst an Karneval fällt es mir schwer, viel zu trinken. jetzt.de: Warum fällt es dir schwer? Oliver: Da ist einmal dieses Öffentlichkeitsding. Ich habe keine Lust, von einem BILD-Leserreporter besoffen fotografiert zu werden. Und wie eingeschränkt ist es, sich nur daheim oder bei Freunden betrinken zu können? Und es hat auch mit Verantwortung zu tun, gerade vor Sohnemann.
Oliver P. jetzt.de: Schaust du mit 30 schon kritisch auf deine Vergangenheit zurück? Oliver: So schlecht ist es bei mir ja nicht gelaufen. Aber es gibt Sachen, bei denen ich mich frage, was mich damals geritten hat. Das ist nicht nur auf Berufliches bezogen, ich erinnere mich auch an schwachsinnige Besäufnisse mit anschließender Kotzerei. Oder an nutzlose Prügeleien, auf die ich auch hätte verzichten können. jetzt.de: Fühlst du dich mit 30 attraktiver als mit 20? Oliver: Also von 20 bis jetzt ist es rein kilogrammtechnisch schon ein Unterschied. Ich müsste mal wieder joggen gehen. Aber ich habe jeden Tag irgendeine neue Ausrede; die letzten zehn Jahre habe ich es nicht geschafft, mich zum Sommer hin in Form zu bringen. Im Sommer laufe ich mit Plauze herum, im Winter geht’s. Dazu sind mir meine Haare ausgegangen. Deswegen habe ich jetzt auch eine schicke Drei-Millimeter-Frisur. Bekannte sagen, ich sähe jetzt viel besser und männlicher aus – mit zwanzig sah ich sowieso eher aus wie elf. Aber es ist schon ein anderes Körpergefühl mit 30. Je länger man in seinem Körper wohnt, desto gelassener wird man darin.
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