Wie mich die Uni enttäuscht hat. Zum Beispiel Dr. Streite
So Sachen wie Internet und neue Technik gibt es an der Uni schon auch, aber so richtig interessant finden viele Dozenten und Bibliothekare das nicht. Weil: Was das Studieren komfortabler macht, kann doch nicht gut sein. Oder?
Ich hatte mal einen Dozenten, nennen wir ihn Dr. Streite. Dr. Streite stand kurz vor seiner Pensionierung, verfügte über keinen Internetanschluss und wünschte sich am Ende des Semester von den Studenten maschinengeschriebene Hausarbeiten. Wenn man in seiner Gegenwart versehentlich Wörter wie "Internet" oder "Google" erwähnte, erlitt Dr. Streite einen Tobsuchtsanfall und man musste sich die nächsten zwanzig Minuten seine Tiraden gegen alles Neue anhören und das Geschimpfe über die dumme Jugend, die das gute Alte verschmäht. Seit ich Dr. Streite kenne, hasse ich tatsächlich alles Alte. Dr. Streite war ein schrulliger Opa und Kulturkritiker. Wenn man ihm nicht gerade zuhören musste, hätte er einem eigentlich genauso gut sympathisch sein können. Gar nicht sympathisch ist mir das Uni-System, mit dem man sich online für Veranstaltungen anmelden muss. Es ist ungefähr so benutzerfreundlich wie ein nasses Stück Holz. Wenn man irgendwo draufklickt, weiß man nie, was passiert, jedenfalls nicht das, was man wollte. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich zu den Veranstaltungen im letzten Semester wirklich angemeldet war oder ich mich nur in irgendeiner kryptischen Vorreservierungsphase verheddert hatte. Man hat ein wenig den Eindruck, Dr. Streite habe das System entwickelt, um allen die Nutzlosigkeit des Internets vor Augen zu führen. Noch unsympathischer ist der Geruch an Universitäten. Es stinkt überall nach Kopiererstaub. Bevor ich mich an der Uni eingeschrieben hatte, wusste ich gar nicht, dass es überhaupt noch Kopierer gibt. Wozu auch? Man hatte doch jetzt STRG+C. Trotz STRG+C verbringe ich mittlerweile große Teile meiner Lebenszeit in der Schlange vor den Kopierern, umgeben von einer Wolke aus Feinstaubpartikeln. Vorher musste ich natürlich in Bibliotheken mit vollkommen absurden Öffnungszeiten ("Montags und Donnerstags 7.00 bis 9.30 Uhr") zwanzig Minuten nach dem Ordner suchen, aus dem ich kopieren wollte. Die Dozenten, die eingescannte Texte einfach ins Netz stellen oder JSTOR nutzen, kann ich an einer Hand abzählen.
- Wie die Universität mich enttäuscht hat. Aber meine Mutter nicht 29.08.2008
- Wie die Universität mich enttäuscht hat. Zum Beispiel Anna, Lena und Sarah 15.08.2008
- Wie die Universität mich enttäuscht hat. Zum Beispiel Theresa 08.08.2008
- Wie die Universität mich enttäuscht hat. Zum Beispiel Professor Hochmuth 01.08.2008
- Wie die Universität mich enttäuscht hat. Zum Beispiel Nina 25.07.2008
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afrirali sagte:
an welcher uni bist / warst du eigentlich? die unis, die ich kenne, sind sehr weit vorne mit dabei, was technik angeht.
Das habe ich mich gerade auch gefragt ... Die Uni- und Hochschulbibliotheken in meiner Umgebung sind alle technisch prima ausgestattet und haben kompetente Mitarbeiter, die einem weiterhelfen können. Das gilt übrigens auch für die Stadtbibliotheken. Und das beste ist, man kann alle diese Bibliotheken, egal ob Uni oder Stadt, auch als externer voll nutzen.
03.09.2011 - 15:03 Uhr
JoergAuch
chippyq sagte:
ist vielleicht auch eine frage von natur- vs. geisteswissenschaften.
Nö, jedenfalls nicht, was die Ausstattung angeht. Da sind in der Unibibliothek alle Disziplinen vertreten.
03.09.2011 - 15:04 Uhr
JoergAuch
strikingback sagte:
Fight Copyright.
Und wovon leben dann die Autoren?
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24.08.2008 - 17:00 Uhr
kharmapolizei
ja, das problem mit dem internet ist natürlich, dass man unsinn wie diesen ertragen muss. wobei, vielleicht schreibst du auch keinen unsinn, sondern kriegst deine gedanke nicht geordnet aufgeschrieben. das ist schwer zu beurteilen.
zum text: da steckt viel wahrheit drin, vieles davon kommt mir als sozialwissenschaftler bekannt vor. das gegenteil hab ich aber auch schon oft genug erlebt, insofern bin ich grundsätzlich optimistisch.
nur einen powerpointkurs könnte so ziemlich jeder dozent mal vertragen. wohlgemerkt nicht für die bedienung der software, sondern eher zum aufbau von folien. die frage: "wie muss eine pp-präsentation gestaltet sein, damit sie auch irgendwem das kleinste bisschen bringt?' haben sich gefühlte 97% der uni-dozenten offenbar noch nicht gestellt.