04.08.2008 - 19:00 Uhr

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Lärm wie eine kleine Baustelle

Text: christian-helten - Fotos: Holly Pickett

Ärger in München: An der Schwanthaler Höhe kämpfen Skateboarder für ihren „Spot“ – und gegen eine Unterschriftenaktion der Anwohner

Die gute Stimmung jedenfalls und das Klima gegenseitiger Akzeptanz haben einen Knacks bekommen. Beide Seiten sind sensibilisiert: die Anwohner für Anwesenheit von Skatern nach Ende der erlaubten Fahrzeiten, die Skater für die intensivierte Überprüfung und Kontrolle. „Wir achten ja extra darauf, dass nach 20 Uhr niemand mehr fährt und klären auch Leute, die zum ersten Mal hier fahren, über die Nutzungszeiten auf. Aber manche Anwohner rufen eben gleich die Anlagenaufsicht an, wenn sich zwei Minuten nach Acht noch eine Rolle dreht oder wir nur noch herumsitzen“, sagt Robinson Kuhlmann, einer von Münchens prominentesten Skatern und Initiator der Rettungsaktion im Internet. Die rief er auch deshalb ins Leben, weil der Spot Dreh- und Angelpunkt der Münchner Skateboardszene ist. „Er ist zentral gelegen und echt super zu fahren. Hier trifft man sich, und namhafte Fahrer aus aller Welt schauen auf ihren Reisen hier vorbei. Der Spot ist skateboardtauglich und trotzdem eine als normale Parkanlage nutzbare städtische Fläche. Das ist deutschlandweit einzigartig.“ Die Stadt hat in den vergangenen Jahren zwar weitere Anlagen gebaut, beispielsweise den Keyhole-Skatepark, der in Deutschland als einer der besten seiner Art gilt. Allerdings liegt er am äußeren Rand des Hasenbergls und damit wie die meisten anderen Spots alles andere als zentral. Die einzige einer Großstadt wie München angemessene Skatehalle wurde 2005 geschlossen, weil die Stadt die monatlichen 5 000 Euro Unterhalt nicht aufbringen konnte und sich keine Sponsoren fanden. „Es gibt zwar viele Halfpipes und Bowls, aber 80 Prozent der Skater wollen nunmal Street fahren“, sagt Robinson. In dieser Hinsicht sei der Spot am Georg-Freundorfer-Platz unersetzlich. Alternative Altglascontainer Wie unmittelbar die Gefahr nun wirklich ist, lässt sich schwer abschätzen. Den Bezirksausschuss hat die Unterschriftenliste der Anwohner noch nicht erreicht, sagt der Vorsitzende Ludwig Wörner (SPD). Wie die Chancen eines solchen Antrags stehen, kann er momentan nicht vorhersagen. Aber, gibt er zu bedenken, die Bürger seien damals ja in die Planung des Platzes miteinbezogen worden und hätten den Skateplatz mehrheitlich befürwortet. Die Alternative wäre eine Reihe von Altglascontainern gewesen. „Die können sie natürlich gerne haben“, sagt Wörner mit leicht ironischem Unterton. „Containerstellplätze suchen wir immer.“ Auch sind nicht alle Anwohner gegen die Skater. Ein älterer Herr aus der angrenzenden Geroltstraße findet es „toll, wenn da a biss’l was los ist“, und der Bolzplatz am anderen Parkende sei ja eh genauso laut. Außerdem hätten die Skater von der gegen sie gerichteten Unterschriftenaktion vielleicht gar nicht erfahren, wenn sie nicht ein sympathisierender Anwohner darauf aufmerksam gemacht hätte. Stefan Lehnert, ein weiterer alter Hase der Münchner Szene, glaubt, dass viele die Skater eigentlich ganz gerne sehen: „Die Gegend hier ist ja nicht gerade für ihre soziale Hochlage bekannt, und so manch einer erinnert sich noch an die Junkies, die es hier früher gab.“ Seiner Auffassung nach sind die Skater eher ein Garant für Ordnung als ein Unruheherd. Ihr Spot ist ihnen lieb und teuer, und sie würden sich hüten, ihn durch regelwidriges Verhalten weiter aufs Spiel zu setzen. Vielleicht, hoffen Robinson und Stefan, ist dann der Ärger schon wieder vorbei, bevor er richtig losgeht.
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christian-helten

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