Lärm wie eine kleine Baustelle
Ärger in München: An der Schwanthaler Höhe kämpfen Skateboarder für ihren „Spot“ – und gegen eine Unterschriftenaktion der Anwohner
„Jetzt geht der Ärger los“ – so beginnt die einleitende Erklärung auf der neuen Internetseite Save-the-spot.de. Ihr Ziel: Die Rettung einiger Quadratmeter geteerter Fläche mit einem Dutzend Betonbänke auf dem Georg-Freundorfer-Platz im Münchner Stadtteil Schwanthalerhöhe.Zwischen 12 und 15 Uhr und abends nach 20 Uhr wirkt der besagte Teil des Areals unscheinbar und trist. Grau ist die vorherrschende Farbe, es gibt wenig, an dem das Auge sich verfängt außer an den Kanten und Ecken der Betonbänke. Die anderen Parkdrittel mit ihren Rasenflächen, Bäumen und dem stets von Kindern beturnten Abenteuerspielplatz sind wesentlich lebendiger. Ab 15 Uhr aber verändert sich etwas auf der betonierten Seite. Binnen kurzer Zeit sind circa zehn Skater da und bearbeiten die Bänke mit ihren Tricks, nahezu im Sekundentakt und von allen Seiten. Was eben noch toter Beton zu sein schien, wird lebendig.

Manchem Anwohner wäre der tote Beton dennoch lieber. Ein Skateboard, das nach einem missglückten Trick zu Boden knallt, verursacht Lärm. Zehn oder 20 Skater auf einmal klingen schon wie eine kleine Baustelle. Deshalb regten Anwohner vor einigen Wochen eine Unterschriftenaktion an, um das Skateboardfahren an den Bänken des Georg-Freundorfer-Platzes ein für alle Mal zu unterbinden. Street-Skaten aber lebt zu einem großen Teil von seinem urbanen Charakter. Städtische Architektur und Sport stehen in einer Wechselbeziehung, im Idealfall inspirieren sie einander und hauchen sich neues Leben ein. Nur teilt diese Sichtweise nicht jeder. Die Achsen und Bretter hinterlassen ihre Spuren an Stufen und Kanten, von der Lärmbelästigung ganz zu schweigen. Unerwünscht zu sein, ist für Skater daher kein unbekanntes Gefühl. München wäre voll von Spots mit guten Bedingungen, wären da nicht die Wachmänner, die nach kurzer Zeit auftauchen und die Session auf dem oft privaten Gelände beenden. „Der Spot“, wie der Georg-Freundorfer-Platz von den Skatern schlicht genannt wird, ist aber ganz offizielles Rollbrett-Territorium. Der Untergrund ist eben, die Kanten extra mit Metall beschlagen, um das „Grinden“ zu vereinfachen. Der Spot ist Teil des Gesamtkonzepts einer Parkanlage, die wie eine Wohnung in mehrere Funktionsbereiche unterteilt ist. Es gibt viel Grün, einen Bolz- und einen Abenteuerspielplatz, eine Bahn für Stockschützen, ein begehbares Schachbrett und eben die Fläche für die Skater. Für diese integrative Bauweise wurde der Platz 2006 zum besten Spiel- und Freizeitplatz Deutschlands gewählt. Die Jury der Stiftung „Lebendige Stadt“ lobte vor allem die „Lässigkeit und Unverkrampftheit“ des Aufbaus – die sich anscheinend aber nicht auf Nutzer und Anwohner des Parks übertragen hat. „Wir haben eigentlich seit der Eröffnung 2002 Beschwerden wegen Lärmbelästigung durch Skaten bekommen“, sagt Jürgen Marek, Sprecher des Münchner Baureferats. Skater und Anwohner einigten sich deshalb 2005 auf einen Kompromiss: Gefahren wird nur noch zwischen neun und zwölf Uhr sowie zwischen 15 und 20 Uhr. Trotzdem: Ärger gibt es, wenn auch weniger häufig, bis heute.

Auslöser der aktuellen Debatte war der „Go Skateboarding Day“ am 21. Juni, eine Art internationaler Feiertag der Skateboardszene, der auch am Georg-Freundorfer-Platz zelebriert wurde. Das Skaten ging in Grillen und Biertrinken über, das Team einer brettsport-affinen Bekleidungsmarke verteilte Goodies, Szenegrößen gaben Autogramme – und der Lärmpegel stieg entsprechend. Die Party wurde von der Polizei aufgelöst und firmiert mittlerweile bei der Bußgeldstelle des Kreisverwaltungsreferats als unangemeldete Veranstaltung. Seitdem, so Jürgen Marek, überprüfe die Anlagenaufsicht den Platz intensiver, allerdings ohne dass weitere nennenswerte Belästigungen festgestellt wurden.
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