Wie die Universität mich enttäuscht hat. Zum Beispiel Professor Hochmuth
Studieren hat sich geändert. Das lässt sich ganz gut an den Menschen zeigen, die einem im Studium begegnen
Ich habe einen Professor, nennen wir ihn Hochmuth. Man erzählt sich, Professor Hochmuth habe einmal in einer Vorlesung die gesamte postmoderne Philosophie widerlegt, von Foucault bis Deleuze, und das alles in einem einzigen Unterpunkt eines seiner berühmten Skripte. Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt. Aber ich habe im ersten Semester einen Logik-Kurs bei Professor Hochmuth besucht. Nach der ersten Sitzung war ich erfreut und überrascht, nach der zweiten fasziniert und nach der dritten ihm und seiner Art, Wissenschaft zu betreiben, verfallen. Ich wusste plötzlich: Das war genau das, was ich jahrelang vermisst hatte, in der Schule, in der Zeitung, überall! Alles, was er sagte, war klar und leuchtete ein - und wenn es einmal nicht einleuchtete, war klar, wieso es nicht einleuchtete. Es war nicht dieses wabbelige und vage Zeug, das einem alle Lehrer jahrelang vorgesetzt hatten (außer vielleicht die aus dem Mathe- und Physikunterricht), es waren keine aufgeblasenen Metaphern, deren Verschwurbeltheit irgendwer mit gedanklicher Brillanz verwechselt hatte. Es war einfach Wissenschaft. Man müsse sich eben entscheiden, sagte Professor Hochmuth einmal, ob man Wissenschaft betreiben wolle oder Märchen erzählen. Ich war begeistert, dass jemand so dachte. Ich muss mich so gefühlt haben wie ein Teenager, der das erste mal im Ausgehviertel der großen Stadt ist, und hätte am liebsten bei jedem von Hochmuths Worten „Ja! Ja! Ja!“ gerufen.
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Ich bin Geisteswissenschaftler und stelle mir an dieser Stelle dieselben Fragen wie du. Allerdings hat der Autor des Textes vielleicht auch einfach falsch verstanden, was Geisteswissenschaft ist, denn die besteht, soweit ich das mitbekomme, nun mal aus Arbeiten, die in diesem "Modus" verfasst sind. Dieser Professor Hochmuth macht anscheinend mal was Gescheites. Schade, dass der Autor da plötzlich dann doch nicht mehr mitmachen will.
Es trübte aber durchaus nicht meinen Genuss seiner Lehrveranstaltungen. Was mich an diesem Professor beindruckte, war ja nicht nur die Eleganz seiner Argumentation (weil ich von Anfang an seine Ansichten trotzdem nicht immer geteilt habe – Eleganz ist doch ein ästhetisches Kriterium), sondern schlicht auch die Fülle an Wissen und seine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge nachvollziehbar darzustellen. Vor diesem Professor spukten ihn meinen Kopf zwar einen Menge vage Vorstellungen zu allen möglichen Dingen herum, aber mich plagte doch ständig der schreckliche Verdacht, mich bei den meisten Themen seines Fachgebietes auf sehr, sehr dünnem Eis zu bewegen. Nach seiner Vorlesung hatte ich das erste Mal das Gefühl, endlich sowas wie ein Fundament gelegt zu haben. Der Mensch weiß nicht nur eine Menge spannendes Zeug, der ist einfach auch methodisch/didaktisch top.
Hat er den Schlüssel zur Wahrheit? Eher nicht, aber was kümmert’s mich? Ich hatte eine tolle Zeit. Nach seinen Lehrveranstaltungen war ich oft so aufgewühlt, dass ich nicht gleich nach Hause gehen konnte. Ich musste erst ein paar Runden im Park drehen, um diese Fülle an Informationen zu verarbeiten. Was für einen herrliches Gefühl, wen einem der Kopf schwirrt von all dem Neuen, oder wenn plötzlich Verschwommenes klar wird, wenn sich eine neue Perspektive auftut (auch wenn man sie nachher wieder verwirft)! Ehrlich, ich bemitleide jeden, der in seinem Studium nicht zumindest einen solchen Professor/eine solche Professorin gehabt hat. Die anschließende Desillusionierung ist unvermeidbar, das ist wie mit der ersten Schwärmerei – aber wer würde die Erfahrung deswegen missen wollen?
Ich schätze allerdings, es geht hier weniger um einen bestimmten Professor, sondern eher um diesen heiligen Gral, das Ideal der Wissenschaftlichkeit.
Naja, ich wollte natürlich auch bei meinem Dr. Cox eine Mörder-Arbeit schreiben und hab mich entsprechend ins Zeug geworfen und auch ein Sehr Gut bekommen. Nachher gab ich sie einer Freundin zu lesen. Sie studiert Zoologie und Chemie und ich schätze ihre Meinung sehr. Sie sagte natürlich eine Menge nettes Zeug darüber, wie das Freundinnen gerne so machen, aber es war schon irgendwie klar, dass sie nicht ganz glauben konnte, dass wir Geisteswissenschaftler mit sowas durchkommen. Naturwissenschaftler haben eben doch eine andere Vorstellung von Wissenschaftlichkeit.
Ich war trotzdem zufrieden mit ihrer Reaktion. Ich konnte nämlich sehen, dass meine Arbeit sie ein bisschen verstört hat – und zwar nicht wegen divergierender Vorstellungen von Wissenschaftlichkeit, sondern weil sie sich dort, wohin meine Gedankengänge führten, nicht recht behaglich fühlte. Aber ich habe diese Gedankengänge plausibel genug gemacht, um eine kluge und kritische Person dazu zu bringen, ihnen zu folgen und meine Perspektive immerhin lange genug in Erwägung zu ziehen, um sich davon beunruhigen zu lassen. Vielleicht ist das nicht gleich Wissenschaft, aber es ist gar nicht so wenig.
"Hauptsache, am Ende klingt es so, wie wissenschaftliche Texte klingen. Ob es richtig ist oder falsch, weiß ja eh kein Mensch. Alles reine Stilübung."
Für Außenstehende machen geisteswissenschaftliche Texte zwar oft den Eindruck von Beliebigkeit. Gerade das sind sie aber nicht. Die Wahl von Begrifflichkeiten und die Art und Weise wie diese im Text aufgespannt werden, verrät in den allermeisten Fällen, welche Vorannahmen getroffen, welche Vorentscheidungen gefällt worden sind. Dies zu erkennen, beansprucht die meiste Zeit des Studiums.
Die Negationserfahrung, die der Student machte, die beim Verfassen der Arbeit offensichtlich bis zur Destruktion von Sinnhaftigkeit ausartete, ist notwendig, damit aus ihm ein Geisteswissenschaftler werden kann - es ist sozusagen die Bedingung der Möglichkeit, dass... Wer das Studium einer Geisteswissenschft nicht als Krise erfährt, hat nicht studiert.
Freiheitsliebe sagte:
professoren sind eh ohne ende überbezahlt......
überbezahlt? Ohne Ende? Ich wuerde es so sagen: die Tatsache dass man nach viel Arbeit vie zu spät und nur mit geringer Wahrscheinlichkeit ein mittelmässiges Gehalt (gemessen an der Qualifikation) bekommt, hat schon mehr als einen guten Jungwissenschaftler aus der Uni verschwinden lassen.
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01.08.2008 - 19:43 Uhr
ein_oxymoron
ich bin ja sogar halbe geisteswissenschaftlerin, aber entweder ich verstehe die zusammenhaenge hier nicht oder es ist wirres zeug. unter der ueberschrift "wie mich die universitaet enttaeuscht hat" heisst es direkt "studieren hat sich geaendert". also schoen, dann hat ihn die universitaet enttaeuscht, weil sich studieren geaendert hat? weiter: "Studieren hat sich geändert. Das lässt sich ganz gut an den Menschen zeigen, die einem im Studium begegnen" - also er will anhand der beschriebenen menschen zeigen, wie sich studieren geaendert hat. aber was nun, zum beispiel, hat sich bei dem beschriebenen professor geaendert? gab es diese art von professor etwa frueher nicht? wann ist ueberhaupt frueher? warum wird der mann "hochmut(h)" genannt, obwohl er gar nicht hochmuetig beschrieben wird? und warum hat der autor kein gutes bild mehr von ihm, nachdem er bei dem versuch, eine gute arbeit zu schreiben, scheitert? was war bei nina aus der letzten folge die veraenderung? was hat sein neid auf sie damit zu tun, dass ihn die universitaet enttaeuscht hat? ...