01.08.2008 - 19:00 Uhr

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Die Kettensäge ist ein Penis

Text: philipp-mattheis

Katharina Klewinghaus hat eine Dokumentation über Horrorfilme gedreht. "Science of Horror" beleuchtete feministische und gesellschaftliche Aspekte eines unterschätzten Genres.

Horrorfilme zählen nicht gerade zur cineastischen Hochkultur. Dass in ihnen mehr steckt, als man vermutet, zeigt Katharina Klewinghaus mit einer Doku. In Science of Horror – Wenn die Kettensäge zum Penis wird spricht sie mit Filmwissenschaftlern und Feministinnen über das Genre. Die erklären, warum Horrorfilme so etwas wie die Essenz des Kinos sind – und was Kettensägen mit Penissen zu tun haben. Wie viele Horrorfilme hast Du Dir in den letzten Monaten angesehen? So an die 200. Ging Dir das am Ende nicht auf die Nerven? Naja, ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich kein eingefleischter Fan von Horrorfilmen bin. Ich bin über die Filmtheorie zu diesem Projekt gekommen. Was mich daran reizt, sind vor allem gesellschaftliche Aspekte. Welche sind das? Horrorfilme sind anrüchig. Sie sind, ähnlich wie Pornofilme, Teil der Low Culture. Die wiederum beeinflusst den Mainstream aber mehr, als man denkt. Zum Beispiel? Interessant ist die Rolle des „Final Girls“. In früheren Filmen war das immer ein kreischendes, weibliches Opfer. Später emanzipiert sich diese Frau, bis sie irgendwann selbst eine Kettensäge in der Hand hält. Bei Tarantino-Filmen wie „Kill Bill“ findet man das Final Girl des Horrorfilms wieder.
Hat 200 Horrorfilme gesehen: Die 32-jährige Berlinerin Katharina Klewinghaus. Foto: Henrik Jordan Der Untertitel deines Films heißt „Wenn die Kettensäge zum Penis“ wird… Der Film behandelt vier große Themen: Katharsis, Zensur, Sex und Gender. Die Kettensäge ist ein phallisches Symbol. Die Frau hält sozusagen die Macht in ihren Händen. Horrorfilme spiegeln also die gesellschaftliche Wirklichkeit, in der sich Frauen immer mehr emanzipieren? Einerseits ja. Auf der anderen Seite denken sie aber auch voraus. In „Science of Horror“ werden öfter Parallelen zum Pornofilm gezogen. Warum? Beide arbeiten mit dem sogenannten „Money Shot“ – das ist ein expliziter Moment, auf den der ganze Film zusteuert. Beim Porno ist das der „Cum Shot“, beim Horrorfilm zum Beispiel das Durchschneiden der Kehle. Beide zählen mit dem Melodrama zum „Body Genre“ – das sind Filme, die beim Zuschauer eine körperliche Reaktion hervorrufen. Die feministische Theorie hält vom Porno im Allgemeinen nicht so viel. Anfang der 90er erschienen in Berkeley zwei Bücher: Einmal von Linda Williams „Hardcore“ und von Carol Clover „Man, Woman, Chainsaw“. Beide analysierten diese „niederen“ Genres. Clover stellte fest, dass Horrorfilme nicht per se chauvinistisch oder frauenfeindlich sind. In manchen Filmen identifizieren sich Männer sogar mit dem weiblichen Opfer. Genauso kann man bei Pornofilmen nicht sagen, das Genre sei per se frauenfeindlich. Gleichzeitig aber gibt es natürlich diese Filme, bei denen Zuschauer ihre sadistischen Neigungen ausleben. Empfiehl doch bitte mal drei Horrorfilme. Auf jeden Fall „Psycho“ von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1960. „Chucky – Die Mörderpuppe“ finde ich auch sehr gut. Der Film ist stellenweise grotesk und humorvoll. Er spielt auch mit Rollenklischees. Persönlich bin ich auch ein großer Fan von „The Descent“. "Science of Horror - Wenn die Kettensäge zum Penis wird" kommt am 7. August in die Kinos. Die Premiere in Anwesenheit des Teams läuft am 5. August im Movimento in Berlin.

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monochromatisch
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Mag ich Mag ich nicht

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01.08.2008 - 23:47 Uhr
monochromatisch

Auf dem Phottto sieht sie ja auch ein bißchen aus wie „Chucky – Die Mörderpuppe“, paßt schon...

Leselust54
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Mag ich Mag ich nicht

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02.08.2008 - 00:09 Uhr
Leselust54

Geistiger Vaginismus.

MartinSS
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02.08.2008 - 11:56 Uhr
MartinSS

Ich muss sagen, dass ich das Projekt sehr interessant finde. Läuft der Film nur in Berlin an?
Typisch übrigens das frustrierte, vorm Computer sitzende Kerle sich von einer attraktiven und selbstbewussten Frau wie hier im Bild direkt eingeschüchtert fühlen und nur dumme bzw. gemeine Kommentare abgeben können.

fraeuleiningeborg
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02.08.2008 - 12:13 Uhr
fraeuleiningeborg

Ich finde das auch nicht unspannend, es fällt ja in der Tat auf, dass weibliche Opfer in Filmen in der Tat meistens schreien und sich ansonsten ausgesprochen dämlich verhalten. Warum zum Beispiel fliehen die immer die Treppe rauf, wo es zwangsläufig irgendwann nicht mehr weitergeht, statt zu versuchen, zur Tür zu kommen? Die helfen ihren meist männlichen Rettern auch nie, den Bösewicht/das Monster zu bekämpfen.

eisengrau
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02.08.2008 - 14:31 Uhr
eisengrau

Ganz neu ist der tiefenpsychologische Aspekt ja nicht. Schon vor 25 Jahren hat man Vergleiche zwischen Schusswaffe/Kettensäge/ Flammenwerfer und männlichem Gemächt gezogen.
Aber vielleicht ist es ja eine ganz unterhaltsame Revue für Genrefans.

Allerdings wird sich dieser Film qualitativ an der großartigen Doku "The American Nightmare" (2000) messen lassen müssen.

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Mag ich Mag ich nicht

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02.08.2008 - 14:33 Uhr
eisengrau

fraeuleiningeborg sagte:
Ich finde das auch nicht unspannend, es fällt ja in der Tat auf, dass weibliche Opfer in Filmen in der Tat meistens schreien und sich ansonsten ausgesprochen dämlich verhalten. Warum zum Beispiel fliehen die immer die Treppe rauf, wo es zwangsläufig irgendwann nicht mehr weitergeht, statt zu versuchen, zur Tür zu kommen? Die helfen ihren meist männlichen Rettern auch nie, den Bösewicht/das Monster zu bekämpfen.


Wo sollen Sie denn auch sonst hinrennen? Das Auto springt ja in solchen Fällen nie an ;-)

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02.08.2008 - 14:33 Uhr
eisengrau

äh, nicht Sie, Fräulein Ingeborg, sondern sie.

Martin198
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Mag ich Mag ich nicht

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02.08.2008 - 14:47 Uhr
Martin198

Ich fand The American Nightmare auch ganz gut. Allerdings finde ich den geschlechtertheoretischen Ansatz besonders spannend und habe das unter diesem Aspekt auch noch nie in einem Film verarbeitet gesehen. Frauen sollten generell mehr Filme zu solchen Themen machen.
PS: Aus MartinSS wurde Martin198, mußte mich erneut anmelden...

ChrisJumper
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Mag ich Mag ich nicht

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02.08.2008 - 20:44 Uhr
ChrisJumper

Egal was es ist.. wenn jemand einen Zustand nur mit einem Gegenstand beschreibt bleibt vieles auf der Strecke. Und das jemand Horrerfilme so oberflächlich analysiert.. statt über die Spannung und unterschiedlichen Ängste einer Gesellschaft und dessen Wandel zu schreiben finde ich dieses Ergebnis jetzt irgendwie schade. Ich bin enttäuscht und hätte mehr erwartet.

Der Penis ist überbewertet, und Horrerfilme auf die Art zu analysieren ist reine Zeitverschwendung.

glotzkind
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Mag ich Mag ich nicht

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03.08.2008 - 01:10 Uhr
glotzkind

Danke Chris, du sprichst mir mal sowas von aus der Seele. Es gibt soooo viele interessante Aspekte an Horrorfilmen, ihre Geschichte, ihre Subgenres, ihre Ableger, ihre Stilrichtungen, ihre Entwicklung, alles wunderbar. Aber nein, es muss mit Feministinnen geredet werden die natürlich als allererstes mal überall das Phallussymbol und die Emanzipation hineininterpretieren.
Bah, also sorry, nichts gegen den Feminismus, aber man muss das doch nicht in jedes Thema mit hineinbringen. Und den Vergleich mit den Pornos ist ein Schlag in das Gesicht jedes Horrorfans.
Pornos sind nichtmal Filme, sie haben mehr Ähnlichkeit mit Youtube Clips als mit Horrorfilmen. Horrorfilme sind Filme, genau wie Liebesfilme oder andere Arten, sie haben Geschichten, Charaktere, Wendungen, manchmal sogar Aussagen, sie sind inszeniert, mit Drehbuch, Kameraeinstellungen, alles was Pornos nicht haben.

Sorry aber eine Doku über Horrorfilme sollte doch wohl lieber jemand machen der Horrorfilme tatsächlich mag.

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philipp-mattheis

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