"Ich war nicht mehr ich selbst": Lukas hatte eine Reisedepression
Die Schule ist vorbei und alle wollen sehr lange und sehr weit weg verreisen. Aber nicht jeder verträgt die große Fahrt. Lukas plante zwei Monate Thailand - und war nach sechs Tagen wieder da. Die Fremde machte ihn krank
„Ich habe immer Glück gehabt und geschafft, was ich wollte“, sagt Lukas. „Außer Asien.“ 2004, nach dreizehn Jahren Schule, nach dem Zivildienst und nach einem Dreivierteljahr, in dem sich Lukas mit einem ungenügenden Abiturschnitt erfolgreich um einen Medizinstudienplatz bemüht hatte, wollte sich er sich belohnen: „Zwei Monate einfach nur Erholung und Exotik – Thailand!“ Lukas, damals 21, träumte erst von zwölf Reisemonaten, plante dann aber doch nur für acht Wochen, kehrte aber schon nach sechs Tagen zurück. Das ist nicht gerade eine lange Zeit und auch nichts, was man in den Lebenslauf schreiben würde. Lukas ging es ziemlich schlecht, er hatte das Reisen nicht vertragen. Genaugenommen litt er an einer psychotischen Dissoziation. So nennt die Psychologie den Zerfall der "persönlichkeitsformenden Bewusstseinszusammenhänge", einen Zustand, in dem man nicht einordnen kann, was man wahrnimmt und sich deshalb verloren fühlt. Kulturschock nennen das die, bei denen es gut geht; die anderen nennen es Depression.
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31.07.2008 - 20:11 Uhr
EvilLynne
EvilLynne sagte:
Hab ich mir gedacht, das gleich wieder Kommentare kommen wie obiger. Nicht jede Fehlfunktion des menschlichen Verhaltens ist gleich eine Krankheit und schon gar nicht immer eine Depression. Hab ich allerdings auch nicht kapiert, bevor ich Freunde hatte, die als psychisch krank fehldiagnostisiert wurden.
nja, löl, sorry, aber so Aussagen tauchen immer auf in Diskussionen über "geistige" erkrankungen im weitesten Sinne.. es ist wie diese Regel, die besagt, dass in jeder Inet Diskussion irgendwer irgendwann Nazis ins Gespräch bringt.
Klar, ist Depression ne Krankheit. Aber erstens ist eine kurze psychotische Episode keine Depression, zweitens ist man nicht gleich krank und psychotisch/depressiv, nur weil man es nicht gebacken bekommt, eine Auslandsreise zu überstehen. Entweder liegt da ein verborgener Grund dahinter und man muss mal schauen, was die ursache ist (eine Schizophrenie z.b. aber dafür muss man nicht gleich die aufregende, neue Krankheit "Reisedepression" erfinden) oder man reist einfach nicht gern und bleibt halt zuhause.
Also... wir koennen uns glaub ich drauf einigen, dass nicht jeder, dem es schlecht geht, depressiv ist, und dass nicht jedem, dem es schlecht geht, mit dem Ratschlag 'reiss dich mal zusammen' geholfen ist.
pikachu sagte:
Och du, EvilLynne, ich meinte jetzt gar nicht deinen Kommentar, sondern den von Gehirnalbernheit./zitat]
Pikachu, das weis ich... ich hab dir trotzdem geantwortet, obwohl du Gehirnalbernheit angesprochen hast....
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31.07.2008 - 19:16 Uhr
EvilLynne
Aber wird hier nicht ein Symptom zur Krankheit stilisiert?
Und Lukas.. einsamer und verlorener als in den ersten Monaten und manchmal Jahren als Arzt, kann man sich oft kaum fühlen.. wie wärs mit einem anderen Berufswunsch?