31.07.2008 - 19:00 Uhr

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Die neuen Wächter der Stadt

Text: sabrina-gundert - Fotos: HausHalten e.V., privat

Zwölf sogenannte Wächterhäuser prägen das Leipziger Stadtbild. Genutzt werden sie von Kunststudenten, Vereinsmitgliedern oder Existenzgründern. Bis vor kurzem standen diese Häuser leer. Doch der Verein HausHalten sorgt dafür, dass die gründerzeitlichen Häuser neue Nutzer bekommen.

jetzt.de hat mit Juliana Pantzer, 28, Stadtplanerin und Diplom-Geographin und Vorstandsmitglied bei HausHalten über den Wohnungsleerstand in Leipzig und die Funktion der Wächterhäuser gesprochen.

Ein Wächterhaus in Leipzig

Der Verein HausHalten hat sich Ende 2004 in Leipzig gegründet. Was ist die Idee dahinter und was sind eure Ziele?
Der Verein hat das Ziel städtebaulich und denkmalspflegerisch wichtige Bausubstanz zu erhalten. Wir sind alles in Leipzig aktive Leute, die das schöne Stadtbild, vor allem das gründerzeitliche, erhalten wollen. Insbesondere wollen wir den Leerstand an den Hauptverkehrsstraßen mindern, der in Leipzig immer noch recht hoch ist. Dort finden sich viele unsanierte Gebäude. Diese sind aber auch die Prägnantesten in der Stadt und prägen das Stadtbild. Bewohnern und auch Besuchern fallen sie als erstes auf. Wenn diese Häuser weiter verfallen geht mit ihnen auch ein Teil der Identität der Stadt verloren, deshalb konzentrieren wir uns vor allem auf sie.

Die meisten von euch arbeiten ehrenamtlich im Verein. Was macht ihr hauptberuflich?
Wir sind Privatleute, die aber beruflich als Architekten, Stadtplaner, Geographen oder Bauingenieure tätig sind. Wir können also Fachwissen aufweisen, wohnen aber auch mit Herzblut in der Stadt.

Zusammen mit den Eigentümern setzt der Verein Gründerzeithäuser soweit wieder in Stand, dass sie benutzbar sind. Wer zieht in solche Häuser ein?
Wir sind kein Wohnprojekt. Unser Ziel ist es nicht unbedingt, Wohnungen zu schaffen oder herzurichten, da vor allem an den Hauptstraßen das Wohnen gar nicht so attraktiv ist. Wir suchen eher andere Nutzungen. Beispielsweise für Vereinsräume, Existenzgründer oder auch für Künstler, die Ateliers oder Galerien brauchen. Das Wohnen kann an anderen Stellen in Leipzig viel attraktiver sein und wir wollen den Wohnungsanbietern auch keine Konkurrenz sein. Unser Hauptziel, die Häuser zu erhalten, können wir am besten erreichen, indem jemand das Haus nutzt und merkt, wenn etwas geklaut wird oder kaputt ist.

Wer ist in euren Wächterhäusern Wächter?
Zahlreiche Vereine wie Integrationsvereine oder ein Deutsch-Spanischer-Freundschaftsverein. Ebenso Kunststudenten, die hier ihre Ateliers und Galerien haben, vor allem eben soziale und kulturelle Projekte. Es gibt auch einige Wohngruppen. Das ist nötig, da einige Häuser in Problemquartieren stehen. Dort ist der Immobilienmarkt noch nicht hingekommen oder traut sich nicht, dort zu investieren. Dahin gehen wir dann. Oftmals gibt es jedoch auch soziale Probleme, so dass es notwendig ist, durch die Wohnnutzung Vandalen nachts draußen zu halten.

Muss ich bestimmte Kriterien erfüllen, wenn ich in einem der Wächterhäuser Räume nutzen möchte?
Wir lassen uns von den potenziellen Nutzern vorab ein Konzept geben. Da wir genug Interessenten für die Räume haben, wollen wir auswählen, wer zum Haus und zu den anderen Nutzern passt. Wir machen Stadtentwicklung im Kleinen.

Was dich als neuen Nutzer in einem "Wächterhaus" erwarten würde, erfährst du auf der nächsten Seite.
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