Handvoll Licht
Eine letzte Handvoll Licht verglomm am Horizont. Der Junge strich sich mit seiner dunklen Hand über die Stirn und machte sich auf den Weg zurück in die große Stadt.Der Pfad lag vor seinen Füßen. Aus den bitteren Ulmenzweigen zog der Duft hausgebackener, honigtriefender Kirschkuchen um die Nase des Kindes. Still wars. Es wehte ein frecher Maiwind und die Glühwürmchen tollten in der Dämmerung, wie ungezähmte Tiger herum. Es roch nach Sommer und stiller See. Gelbe Schleierwolken lösten sich in der warmen Luft auf. Fernab der großen Stadt, aus dem Osten, hörte der Junge Klänge einer Marschmusik, die lustig und unbeschwert vor sich hin pfiff.
Er lief über den sandigen Pfad, der über die Felder der alten Nonne, über die klammen, gelben Baracken zu den ersten Siedlungen der Stadt führte. Die Füße des Jungen waren noch bleich und rein; er hatte sich während des taubnassen Winters immerzu zu Hause versteckt, hinter den Wollsockenhügeln und dem großen Berg Wäsche, der sich über der elektrischen Haifischsonne der Badewanne ausgebreitet hatte.
Als er endlich die kahlen Felder, auf denen bald Zuckerhafer wachsen soll, verließ und über die steinige, sandige Rattenfährte, stolpernd, glucksend auf die alten Gemäuer hineilte, pfiffen die Dohlen aus ihren Nestern in den lichtbefleckten Sommertag seiner Hast entgegen.
Das Kind lief lange. Erst allmählich, dem Gefieder des frühen Abends entlockt, zeigte sich ihm die lichtbesprenkelte Stadt. Aus dieser Entfernung sahen kleine Bäume aus wie verschrumpelte Kaffeebohnen. Da er bereits sehr müde war, rieb er sich hastig die Augen, und eilte unbeirrt fort.
Die elektrischen Lichter wurden größer und heller. Die Glühwürmchen zischelten und sausten um seine Ohren herum, von irgendwoher sirrte eine Vogelmutter im blassen Schneckenlaut und ermahnte ihr frischgeschlüpftes Junges zur Heimkehr. Es wurde heller unter der blauen Glaskapsel des Abends.
Die himbeerfarbenen Büsche schliefen ein, in ihren schattigen Höhlen verkrochen sich die Insekten, auch die mitternächtlichen Himmelslinien der Moränenflugzeuge wollten nicht mehr weiterschweben. Es dämmerte. Blauschwarz ummantelte die Sommernacht die müden Schultern des Jungen. Über ihm dümpelte der Mond wie grünes Treibholz. Der Junge schniefte sanft, während seine Wimpern erblauten leicht.
Als er endlich die violetten Stadtmauern erreicht hatte, fielen seine Gedanken einer ungeheuren Müdigkeit anheim. Er konnte nicht mehr. Honigzäh brütete die Sommernacht auf seinem Köpfchen. Die Beine wollten ihn nicht mehr weitertragen. Sie gaben nach, während er vor den Torbögen, unter den faustgroßen Sternen, einschlummerte.
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Sollte ich jemals wieder Prosa schreiben, geht's den direkten Weg.








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31.07.2008 - 08:24 Uhr
rune