Bleibt doch daheim!
Jetzt geht die Reiserei wieder los. Dabei sollten wir doch eigentlich ruhig mal zu Hause bleiben.
Am kommenden Montag werden wieder Tausende irgendwohin aufbrechen. Sie werden am frühen Morgen mit müden Augen ihre kleinen Autos vollpacken, bis Schlafsäcke und Plastiktüten an der Heckscheibe quellen wie ekelhafte wirbellose Tiere im Aquarium. Zwischen, unter und durch die Sitze hindurch wird man verstauen, was anderswo nicht mehr unterzukriegen war, und einer der Insassen wird den Verpflegungsrucksack wieder auf den Schoß nehmen müssen, zumindest bis Illertal-West. Viele Stunden später werden ihre Augen nicht weniger müde sein, dafür aber ihre Kleider zerknittert und verschwitzt, ihre Körperteile schlaff oder eingeschlafen und ihre Sitzplätze vollgekrümelt und verklebt von Prinzenrollekeks und Coca-Cola. Oder sie werden am frühen Morgen mit müden Augen an Flughäfen warten, die schillernden Namen tragen wie "Hunsrück/Hahn", während der freundliche Pakistaner noch mit der Poliermaschine umherfährt. Die Schlausten werden am Bahnsteig stehen: Dort erwartet sie, wenn sie Glück haben, ein schöner, gemütlicher Zug, der sie wohlbehalten an ihr Ziel bringen wird - wenn sie allerdings Pech haben, müssen sie in einen ehemaligen, zum IC umgebauten InterRegio einsteigen, dessen pastellfarbene Plastikverkleidungen die ganze Fahrt über Geräusche machen.
- Gekommen, um zu gehen 27.02.2012
- Warum ich protestiere 13.02.2012
- Trostlose Helden: Bayern- vs. Kettcar-Fans im Club 27.01.2012
- Kater, Nuss und Mandelkern 23.12.2011
- Darf ich kurz stören? 08.12.2011
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Und nächstes Jahr mach ich Urlaub aufm Mond
das mit den plastiktütentierchen an heckscheiben ist aber witzig.
Und zum Entspannen und Geldsparen reicht es auch, sich Deutschland mal anzuschauen.
Wenn ich es schaffe, nicht an job oder ähnliches zu denken, dann sehe ich die "Baustellen" in meiner Wohnung, die ich nicht beenden kann, weil ich arbeite etc...
Also trete ich die Flucht nach vorn an, in diesem Fall Richtung Süden.
Danach habe ich aber noch Zeit, um mich zu Hause von dem "Reisestress" zu erholen. ;)
....Vielleicht brauchen manche Menschen einfach einen Anstoß um nachher zu wissen, wie schön es bei uns eigentlich ist.....was natürlich nicht heißt, dass es anderswo nicht auch schön ist.....
(Da fällt mir ein: Ich hab noch nie nach einem Urlaub zu jemanden gesagt, dass es "supertoll" war - für mich klingt dieses super eher nach "toll war's nicht, aber nur nicht anmerken lassen", und bisher hatte ich keinen Urlaub, der nicht toll war...)
30.07.2008 - 10:13 Uhr
Aralic
von mexico habe ich kaum erinnerungen. da war new york etwas besser. hat meinen ex total genervt, dass ich an jedem flughafen einfach geschlafen habe, statt alles aufregend zu finden. aber ehrlich: alles irgendwie internationaler standartisiert...
da sind stehklos auf französischen autobahnraststätten spannender.
Was mir seit Jahrzehnten unangenehm auffällt, wenn Urlaubsanekdoten ausgetauscht werden: Die Deutschen gerieren sich als Reiseweltmeister (Warum ist man auf so etwas eigentlich stolz?), aber mein Eindruck ist doch, dass es hier vor allem um Kilometerrekorde und exotische Kulissen für ein Konzept von "Vergnügen" geht, das sich ebenso in der eigenen Kneipe pflegen ließe.
Da reist man also sonstwohin; meckert aber - kaum ausgestiegen - los über alles und jeden, das/der nicht so sauber/pünktlich/adrett daherkommt wie der eigene Hinterhof.
Ich kriege das K*tzen, wenn im September an jedem Kneipentisch in Hörweite sonnenverbrannte Menschen stolzgeschwellt vorrechnen, wo das Seidenhemd billiger, der Mojito dafür aber zu süß war, was die depperten Asiaten noch immer nicht so toll können wie die Deutschen etc. etc.
Meine Güte; ist es *das*, wofür Ihr Eure knappe Zeit aufopfert; für Buchhaltung im (gemeinten) Paradies; für den Pinkelwettbewerb in der Disziplin "Bestes Rügen-Imitat"?
Ich kenne auch Ausnahmen; Leute, die sich auf die Welt einlassen; in Mittelamerika was erfahren, in Griechenland die Griechen kennen lernen wollen, die sich überraschen lassen und auch mal Enttäuschungen und Gefahren jenseits ausgetretener Pfade riskieren. Aber die meisten scheinen doch ihre Ansprüche an die Welt erfüllt zu sehen, wenn sie an einem neiderzeugend fernen Punkt dasselbe Bier zischen können wie zu Hause, während die Sonne sie dusselig brutzelt. Finde ich armselig.
Mein letzter unvernünftig großer Urlaub ging nach Neuseeland; da hingen zahlreiche Wünsche und Ideen dran, die hier auszubreiten zu weit führen würde. Es war supersuperschön :) , ja - aber ich war andererseits auch traurig, wie glatt und elegant die Globalisierung den Planeten bereits gemacht hat, wie austauschbar Einkaufszeilen und Biographien jenseits der atemberaubend schönen Landschaft wirken.
Auf dem Weg zum Weiher machen mir dann immer a bisserl private "Stauschau" mit einem (oder zwei) kalten Auer Hell in der Hand von der Autobahnbrücke runter (Ja, ich weiß. Ist gemein ;-))
Und wenn wir dann wieder daheim sind, haben wir eh das beste Fleckchen Erde vor der Nase (Wald, Wiesen, Land). Nur die Landmaschinenterroristen nerven dann manchmal.
Ansonsten bleib ich auch gerne mal zuHause, aber durch den Urlaub hat man die schöne Möglichkeit, mal raus aus dem Alltag zu kommen, viele neue Dinge zu lernen (auch über sich selbst!) und endlich mal zu entspannen.
Warum sollte man also nicht in Urlaub fahren?
wahrscheinlich ist es wie immer...wie mit dem fernsehen und dem internet auch...den klugen macht es klüger, den dummen dümmer. die pyramiden können nix dafür, wenn sie ein hohlblock besichtigt.
Freiheitsliebe sagte:
wahrscheinlich ist es wie immer...wie mit dem fernsehen und dem internet auch...den klugen macht es klüger, den dummen dümmer. die pyramiden können nix dafür, wenn sie ein hohlblock besichtigt.
+1
Außerdem sollte man zunächst jedes, aber auch wirklich jedes Gericht der einheimischen Küche mindestens einmal gegessen haben, ehe man sich fremden Gaumenfreuden zuwendet.
Was ist denn falsch daran, in den Urlaub zu fahren, um in der Sonne zu liegen, schwimmen zu gehen und Eis zu essen? Es muss doch nicht immer der Kulturtrip sein... Manchmal braucht man halt einen Tapetenwechsel. Und wenn ich Flughäfen analysieren will brauche ich nicht zu verreisen, denn die sehen eh alle gleich aus.








0
29.07.2008 - 20:08 Uhr
ein_oxymoron
wer die augen nicht aufmacht, sieht also nichts, egal wo. was fuer eine bahnbrechende erkenntnis.