18.07.2008 - 19:00 Uhr

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Wie die Universität mich enttäuscht hat. Zum Beispiel Sebastian

Text: lars-weisbrod - Illustration: Eva Hillreiner

Studieren hat sich geändert. Das lässt sich ganz gut an den Menschen zeigen, die einem im Studium begegnen

Ich habe einen Freund, nennen wir ihn Sebastian. Sebastian ist ein Politiker. Jedenfalls wird er mal einer. Aber einer von den guten. Nein: einer von den Guten. Wenn man mit dem Bier in der Hand gestikuliert und über Determinismus und Deleuze debattiert, steht er abseits und lauscht. Er rümpft nicht seine Nase darüber, er hört zu, neugierig. Aber er sagt nichts dazu. Er spricht lieber über andere Sachen: Mindestlohn und Studiengebühren, Steuerrecht und Arbeitslosigkeit. Sebastian ist VWL-Student und im AStA. Manchmal geht er früher nach hause, weil er am nächsten Tag einen Bagger mieten muss, mit dem er die maroden Hörsäle abreißt. Symbolisch natürlich nur, für die Presse. Letztes Jahr hat Sebastian mich sogar überredet, für seine Hochschulgruppe zu kandidieren. Ich habe zuerst gesagt, er soll mir das Wahlprogramm in den Briefkasten werfen, dann würde ich es mir überlegen. Das Programm habe ich dann aber doch erst gelesen, nachdem ich schon unterschrieben hatte, dass ich kandidiere. Ich habe nämlich gedacht: Das wird schon in Ordnung sein, wenn Sebastian mich fragt. „Wahrscheinlich ist er deswegen ein guter Politiker. Weil er ein Guter ist. Und man das merkt“, habe ich mir überlegt, als ich im chaotischen AStA-Büo saß. An der Wand hing ein Spielzeuggewehr. "Für den bewaffneten Kampf gegen die Studiengebühren", hat Sebastian politikergescherzt. Mir wurde ein Button mit meinem Namen ausgehändigt, den ich mir anstecken sollte, und es gab eine Tafel, auf der man eintragen konnte, von wann bis wann man an den Wahlständen steht und mit den Studenten spricht. Ich habe mich nicht eingetragen. Ich habe gesagt: „Ich schaue mal vorbei“. Ich habe aber auch nicht vorbeigeschaut. Gewählt habe ich allerdings, ich hatte drei oder vier Bögen als Stimmzettel, einer davon groß wie ein Badetuch. Auf manchen stand auch mein Name, irgendwo ganz klein. Auf anderen standen nur unbekannte Namen, einer nach dem anderen, keine Hochschulgruppen oder Erklärungen.
„Man bräuchte sicher hundert EU-Parlamentarier, die in ihren Büros Tag und Nacht durcharbeiten“, habe ich mir dann überlegt, „um sich so komplizierte Wahlen auszudenken.“ Aber an der Uni geht das auch so. An der Uni gibt es Komplexität immer gratis dazu. Meistens befürworte ich das, diesmal war ich mir nicht sicher. Die Wahlbeteiligung lag bei 13,09 Prozent. Immerhin ein halbes Prozent höher als im Jahr davor. Obwohl ich mich nicht selbst gewählt hatte, habe ich Stimmen bekommen, für einen Sitz in einem Gremium hat es sogar gereicht. Ich habe leider vergessen, wie das Gremium hieß. Das Problem war nämlich, hat Sebastian mir dann erklärt, dass die anderen Hochschulgruppen dort traditionell die Mehrheit haben. Die wollen das Gremium aber nicht, sie beschließen in der ersten Sitzung seine Auflösung, jedes Jahr. Wir, also Sebastian, ich und die Hochschulgruppe, der ich nun per Unterschrift angehörte, wollen das Gremium aber sehr wohl. Deswegen sind wir zur konstituierenden und letzten Sitzung gegangen, wo die anderen uns missmutig angeschaut haben, weil wir das Prozedere aufhielten. Wir haben den Arm gehoben und mit „Nein“ gestimmt, als der Antrag gestellt wurde, obwohl es von vorneherein aussichtslos war. „So müssen sich“, habe ich schließlich gedacht, „die SPD-Abgeordneten 1933 gefühlt haben.“ Dann war die Sitzung vorbei, das Gremium aufgelöst und meine kurze politische Karriere beendet. Ich war verwirrt. Dass es Studentenparlamente gibt, das ist nicht nur den 68ern zu verdanken. Die Alliierten haben das nach dem Krieg eingeführt, um der zukünftigen deutschen Geisteselite das Prinzip der Demokratie näherzubringen. Alle Studenten gehören zwangsweise der verfassten Studierendenschaft an: Wenn das Studierendenparlament etwas beschließt, zum Beispiel wohin der Semesterbeitrag geht, dann gilt das für alle. Auch für die 86,91 Prozent, die nicht gewählt haben. Bayern und Baden-Württemberg haben die Verfassten Studierendenschaften in den 70ern schon abgeschafft, in Hessen wurden die Befugnisse in den vergangenen Jahren stark beschnitten. Wenn die Wahlbeteiligung unter 25 Prozent liegt, darf nicht über die Verwendung der Studienbeiträge beschlossen werden. So hat es die Koch-Regierung festgelegt. 25 Prozent! Selbst bei der Europawahl ist die Beteiligung fast doppelt so groß. Trotzdem würde meine Uni an der Hürde scheitern. Sebastian fragt mich immer noch hin und wieder, ob ich nicht für das Öffentlichkeitsreferat des AStA schreiben möchte. „Ich schaue mal vorbei“, sage ich dann. Ich bin kein guter Politiker. Oder kein Guter.

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drolli
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21.07.2008 - 11:35 Uhr
drolli

strikingback sagte:
...
Deswegen wäre es ja auch viel besser, wenn Hessen ein eigenständiger Staat inner- oder außerhalb der EU wäre.


wie genial. ich dachte immer dis bayern waeren die einzigen mit solchen ambitionen.

strikingback
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21.07.2008 - 12:31 Uhr
strikingback

Bayern hat in der BRD schon lange nix mehr verloren. Aber konsequent wäre es eben, die BRD ganz aufzulösen und alle Bundesländer (evtl. außer Bremen) als eigene souveräne Staaten zu etablieren. Schließlich ist Malta mit seinen 500.000 Einwohnern auch ein eigenständiger EU-Staat.

drolli
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21.07.2008 - 17:40 Uhr
drolli

strikingback sagte:
Bayern hat in der BRD schon lange nix mehr verloren. Aber konsequent wäre es eben, die BRD ganz aufzulösen und alle Bundesländer (evtl. außer Bremen) als eigene souveräne Staaten zu etablieren. Schließlich ist Malta mit seinen 500.000 Einwohnern auch ein eigenständiger EU-Staat.


Und ich bnin mir sicher wenn wir jetzt hier noch tiefer bohren kommen wir wie so oft bei sb wieder mal zu braunem Gedankengut....

strikingback
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21.07.2008 - 18:58 Uhr
strikingback

Asoziale Verleumdung und wird gemeldet. Weis mir doch bitte mal irgendwo in meinen Äußerungen oder Texten nähe zu menschenverachtendem Gedankengut nach.

drolli
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22.07.2008 - 02:19 Uhr
drolli

@sb

http://jetzt.sueddeutsche.de/foren/626

Und brennende PKW abzubilden und den Kampf "mit allen Mitteln"zu fordern und anschliessend verniedlichende RAF-Sprache zu benuetzen (http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzei...
sinngemaess: den gewaltsamen Kamp ablehenen, weil er nichts bringt: Zitat SB: "Sachen anzuzünden ist durchaus legitim, wenn in meinen Augen auch nicht sinnvoll, da es zu viele Symphatien bei pazifistisch eingestellten Menschen zerstört.") ist menschenverachtend, weil es genau wie dein Kommentar in meinem GB auf Einschüchterung und Angst setzt.

Wenn ich also die Positionen vergleiche:

EU: SB: komplette ablehnung NPD: komplette ablehnung

Zusaetzliche Grenzen/Protektioneismus: SB: scheint zuzustimmen (Hessen als eigener Staat) NPD: Zustimmung

Gewalt als Mittel: SB: Bloss keine Sympatien Verscherzen (aber das mittel billigen (s.o)) NPD: Bloss keine Sympatien verscherzen, nicht zu offen zu den Glatzen stehen

Einstellung zum Parlament: SB: "Volksvertreter" (Mit Anführungszeichen) NPD: „ihren“ Politikern (der Bürger, ihren in Anführungszeichen)

Einstellung zu wahlen: SB "was denn wählen" NPD: "Die Etablierten"

Bloss weil man seinem gewalttätigen antidemokratischen Gedankenkengut einen Robin-Hood Anstrich verpasst, wirds nicht besser. Linke, die national sind, weil sie auf Protektionismus hoffen sind nicht besser als Rechte, die sich links geben, um ihren Nationalismus mit Protektionismus durch die Angst der Leute durchschleusen wollen. Das Parlament/Das demokratische System anzulehnen weil man es gerade unpraktisch findet ist auch nicht besser als es prinzipiell abzulehnen.

Und das Du hier das "ich hoffe du kriegst Stress mit den Mods" weggelassen hast, welches Du bei mir ins GB geschrieben hast, laesst schon tief blicken. Da wird ploetzlich der Ruf nach starkem Staat laut, aber natuerlich nur hintenrum. Übrigens würde ich meinen, dass jemand der so heftig und planloss zuschlaegst wie Du durchaus mal was abkoennen muss. Aber ich bin mir sicher jetzt folgt die übliche "in diesem undemokratischen Staat kann man ja nicht anders"-Rede)

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22.07.2008 - 02:28 Uhr
drolli

Ach ja: und wer sich unter den roten Stern stellt hat eh schon verloren was Menschenverachtung angeht. Aber wie wärs mit einem kleinen gulag bei jetzt.de?

strikingback
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22.07.2008 - 10:49 Uhr
strikingback

So ein kompletter Schwachsinn!

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22.07.2008 - 11:42 Uhr
strikingback

Zitat von mir vom 3.2.08:

Die Gewalt gegen Menschen ist meiner Meinung nach immer zu verurteilen. Nur ist die Gewalt, die vom Staat BRD und von der EU ausgeht , um ein vielfaches massiver und umfangreicher als die, die auf Demos passieren kann, wenn manche eben ausrasten. Und angesichts des Staatsterrors der BRD im Inneren und auf der ganzen Welt sind Sachbeschädigungen im politischen Kontext legitim, wenn auch, nochmal, nicht fruchtbar, sondern evtl. nur Ausdruck einer ohnmächtigen Wut. Ich rate davon ab - revolutionäre Umwälzungen können völlig ohne Gewalt von statten gehen und sollten sie auch.

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22.07.2008 - 11:55 Uhr
strikingback

Und noch eins vom 4.2.08:

Also wollte der Wähler mehrheitlich (natürlich nur die, die gewählt haben) weder schwarz-gelb noch rot-grün: keines der beiden Lager hat eine Mehrheit im Bundestag, genauso wie jetzt in Hessen.

Jedenfalls ist das eine gängihe Lesart der letzten Bundestagswahlen. Natürlich ist es ziemlich absurd zu behaupten, wegen irgendwelchen Wahlen einschätzen zu können, was die Wähler mehrheitlich wollen. Dazu kommt, dass in Hessen nun z.B. über 30% gar nicht zur Wahl gegangen sind. Die letzte Bundestagswahl hat ganz deutlich gezeigt, dass eben nicht "zusammengewachsen ist, was zusammen gehört": Südlich des Mains hat eine deutliche mehrheit CDU gewählt, nördlich des Mains eine deutliche Mehrheit SPD, Grüne und Linke. Und die einzige Erklärung, warum nun nur ein Parlament über die ganze BRD herrschen soll, ist, dass es, aus historischen Gründen, eben diese BRD gibt, und nicht 16 (oder mehr) autonome Bundesländer, die dann über ihre Geschicke selbst entscheiden dürften. Diese Frage habe ich schon oft gestellt: Was hat der Münchner mit dem Hamburger gemeinsam, außer dass sie beide zufällig deutsche Staatsbürger sind? Sie sprechen noch nicht mal die selbe Sprache.

drolli
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22.07.2008 - 15:48 Uhr
drolli

strikingback sagte:
Zitat von mir vom 3.2.08:

Die Gewalt gegen Menschen ist meiner Meinung nach immer zu verurteilen. Nur ist die Gewalt, die vom Staat BRD und von der EU ausgeht , um ein vielfaches massiver und umfangreicher als die, die auf Demos passieren kann, wenn manche eben ausrasten.


Und wenn ich dich jetzt also richtig verstehe, war dein "Mit allen Mitteln" text also ein Aufruf an die die auf Demos ausrasten, die Sache friedlich zu regeln, ja? Und deine Eiertanz danach war dann die Aufforderung wirklich aus gar keinen Fall Autos anzuzuenden, sondern Fabriken zu sabotieren, falls die irgenwie missverstandaen haben koennte.


Und angesichts des Staatsterrors der BRD im Inneren und auf der ganzen Welt sind Sachbeschädigungen im politischen Kontext legitim,


z.B. wessen Sachen darf man im politischen Kontext so beschaedigen? Bloss die der Polizei, Sachen von Nokia oder auch der deutschen Bahn? Eventuell sogar die von Mitbuergern, die zu viel Geld haben und Nutzniesser dieses von Dir offensichtlich ach so verhasseten Staates sind? Was ist denn der "politische Kontext"? heisst das, wenn ich lange genug behaupte, das waere politisch, dann darf ich ploetzlich Dinge, die ansonten verboten sind? Die Argumentation hinkt.


wenn auch, nochmal, nicht fruchtbar, sondern evtl. nur Ausdruck einer ohnmächtigen Wut. Ich rate davon ab - revolutionäre Umwälzungen können völlig ohne Gewalt von statten gehen und sollten sie auch.


Siehe das wörtliche Zitat oben von Dir - erlaube mir bitte auszusuchen über welche deiner Aussagen ich mit Dir reden möchte - zu sagen, man hätte woanders was ganz anderes gesagt, mag zwar von einem gewissen Grundinstinkt für die Verlogenheit der Politik zeugen, ist aber keine wirkliche Entkraeftung eines Zitats oder des brennenden Autos. Ich denke, wer sagt "ich bin gegen Gewalt weil sie jetzt nichts bringt", bei dem muss ich mit schlimmem rechnen, vor allem, wenn er Leuten rechtlich zubilligt (nichts anderes sagt das Wort legitim) Dinge "aus Wut" heraus anzuzuenden. Wird, wenn ihr eine mehrheit im Parament bekommt ein Gesetzt gemancht, das das was bisher "legitim" war dann auch rechtens werden laesst?

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