Mit dem Linienbus durch Deutschland
Text: sabrina-gundert - Illustration: Katharina Bitzl; Foto: privat
Daniel Lorbach, 29, ist Webdesigner in Köln und reist viel in seiner Freizeit – mit Linienbussen. jetzt.de hat mit ihm über seine spektakulärsten Fahrten und sein ganz persönliches Bus-Paninialbum gesprochen.
Daniel, du reist mit Linienbussen quer durch Deutschland. Warum fährst du nicht Auto oder Zug?
Das Ganze ist aus einer Schnapsidee entstanden. Sven, ein Kumpel von mir, und ich waren auf dem Weg nach Hause. Wir hatten Freunde in Bielefeld besucht und der Zug fuhr so langsam, dass wir dachten, da können wir gleich mit dem Bus fahren. Das wollten wir dann ausprobieren auf der Fahrt von Köln nach Berlin. Wir wollten sehen, ob es überhaupt möglich ist, soweit mit öffentlichen Linienbussen zu fahren.
Bist du Busfan?
Kann man so sagen. Früher wollte ich immer Busfahrer werden. Wir hatten als ich Kind war kein Auto, deshalb mussten wir immer die Straßenbahn nehmen, wenn wir irgendwohin fahren wollten. Auch heute besitze ich keinen Führerschein und fahre deshalb überall mit dem öffentlichen Personennahverkehr hin.
Was für Reisen hast du bislang mit Linienbussen gemacht?
Ich verreise immer mit Sven zusammen. Sonst würde es wohl auch manchmal zu langweilig werden nach einiger Zeit. Wir sind einmal zwei Tage von Köln nach Berlin gefahren, danach fünf Tage von Hamburg nach München und in 14 Stunden von Köln nach Amsterdam.
Was reizt dich am Reisen mit Bussen?
Auf langen Strecken ist es das Fahrgefühl. Das ist, wie wenn Leute mit dem Auto ins Blaue fahren und gucken, wo sie rauskommen. So ist das mit dem Bus auch, nur dass man besser darauf vorbereitet sein muss, denn unter Umständen kommt man sonst nicht mehr am gleichen Tag zurück nach Hause. Es macht Spaß, durch die Landschaft zu fahren, Deutschland zu sehen und die Menschen in der Region kennen zu lernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Uns geht es mehr um die Reise als ums Ankommen. Busfahren als Erlebnis sozusagen.
Erlebst du beim Reisen mit Linienbussen andere Dinge, als wenn du mit dem Auto oder der Bahn unterwegs wärst?
Ja, meist treffen wir im Bus auf Menschen, die auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule sind. Wenn wir etwas Besonderes draußen sehen, können wir auch schon mal fragen, was ist das oder bekommen einen Tipp, wo man abends gut essen gehen kann. Außerdem habe ich auf unseren Reisen viele Ecken entdeckt, in denen ich auch mal Urlaub machen würde. In Hamburg und München haben wir uns extra Zeit genommen, um noch Sightseeing zu machen. Man ist auch näher am Geschehen dran, wenn man Bus fährt, anstatt mit dem Auto über die Autobahn zu fahren.
Findest du es alltäglich, wie du reist?
Nein, gar nicht. Es gibt zwar Linienbusse quer durch Deutschland, also Angebote, mit denen man für 30 Euro nach Hamburg fahren kann oder ähnliches, aber ich reise ja mit dem öffentlichen Nahverkehr, das ist nicht normal. Ich kenne auch niemanden, der außer Sven und mir noch so reist. Aber es muss ja nicht schnell gehen, das reisen, langsam fahren ist schon in Ordnung.
Daniel
Was war deine spektakulärste Fahrt bislang?
Es war spannend, mit einem Riesenbus auf dem Weg nach Berlin durchs Sauerland zu fahren. Dabei sind wir über ganz kleine Straßen gefahren, oft ging es steil bergab und die Wege waren so eng, dass es abenteuerlich war zu sehen, wie der Busfahrer reagierte, wenn noch ein Auto entgegen kam.
Gab es besondere Erlebnisse auf euren Fahrten?
In Salzwedel haben wir einmal einen Busfahrer gefragt, wo man abends essen könnte. Er hat dann extra seinen Kumpel angerufen und der hat uns ein Lokal empfohlen. Der Busfahrer hat dann erst alle anderen Fahrgäste an der Endstation rausgelassen und hat uns dann – weil es auf dem Weg lag – vor dem Lokal abgesetzt. In Bayern sind wir mit einem Hopfenbauern ins Gespräch gekommen, der sich sein Zubrot als Busfahrer verdient, eigentlich aber Hopfen und Malz fürs Bierbrauen anbaut. In Weimar haben wir einmal eine eigene Stadtrundfahrt bekommen. Da hat uns der Busfahrer immer erklärt, was das für Gebäude sind, an denen wir vorbeifahren. Auf dem Weg nach Amsterdam haben wir dann in Venlo wegen unserer Fahrkarte die komplette Busfahrer-Mannschaft am Busbahnhof mobilisiert. Alle haben über unsere Tour nur den Kopf geschüttelt, da sie so etwas noch nicht erlebt haben. Dann haben sie diskutiert, welche Karte man denn bräuchte. Im Endeffekt gab es ein Ticket für ganz Holland. Das ist praktisch.
Was du vorbereiten musst, wenn du von München nach Kiel mit Linienbussen fahren willst? Das steht auf der nächsten Seite.