Durchgeknalltes Wetter: In Dresden siehst du, was dein Klima macht
Mäuse schütteln und dann sehen, wie's Wetter wird - im Deutschen Hygienemuseum kriegst du ziemlich plastisch mit, wie Klima, Mensch und Wetter zusammenhängen. Ein Interview zur Ausstellung "2°"
Frau Lutz, warum heißt die Ausstellung, die sie kuratiert haben "2 Grad"?Petra Lutz: Weil zwei Grad das Klimaziel der Europäischen Union ist. Also die Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad plus, bezogen auf das vorindustrielle Niveau. Wir haben den Titel gewählt, weil er darauf verweist, dass wir heutzutage Klimapolitik machen. Das ist etwas neues, und eigentlich sehr erstaunliches, weil früher wäre man nicht auf die Idee gekommen Klima- oder Wetterpolitik zu machen.
Wozu braucht es ein Klimaziel von zwei Grad?
Es geht darum, dass die Temperatur weiter steigen wird, durch den menschengemachten Klimawandel. Die Frage ist, bis wohin steigt sie? Die aktuellen Prognosen belaufen sich auf 2,5 bis 6 Grad, wenn man keine Klimapolitik macht. Das wäre ein sehr gefährlicher Prozess, der zum Beispiel die Abschmelzung von Inland-Eis und dadurch eine große Erhöhung des Meeresspiegels zur Folge hätte. Deswegen hat sich die EU das Ziel gesetzt, diese Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, durch eine globale Klimapolitik.
Wie soll das Klimaziel erreicht werden?
Das geht nur global, das kann selbst die EU nicht alleine. Es muss durch eine Emissionsminderung, also dadurch dass wir weniger CO2 ausstoßen, passieren. Die EU will mit gutem Beispiel vorangehen. Das ist auch logisch, weil die Treibhausgase die derzeit schon in der Luft sind, wurden von den großen Industrienationen ausgestoßen. Die EU-Länder und die USA haben da eine besondere Bringschuld. Indien oder China hatten bisher noch gar keine Chance so viel Treibhausgas auszustoßen.
Merkt man bisher eine Veränderung des Klimas in Deutschland?
Es gibt Regionen, in denen man das merkt. Zum Beispiel wenn die Skisaison kürzer wird, hier in Sachsen wird es schwieriger mit dem skifahren. Vogelkundler merken, dass Zugvögel weniger ziehen und einfach dableiben. Und Apfelbauern merken, dass die Äpfel früher blühen und früher reif werden. Es verändert sich schon eine ganze Menge, aber es ist noch nicht so, dass wir es öffentlich als dramatisch wahrnehmen.
Motive und zugehöriger Text aus der Ausstellung:
[plugin bildergalerie Bild2="500.000 Kubikmeter Erde donnerten am 30. Mai 2005 am Grindelwaldgletscher ins Tal. Vor dem Erdrutsch stand die Berghütte Stierenegg noch 80 Meter von der Steilwand entfernt. Grund für die sich häufenden Felsstürze ist die Erwärmung des Alpenraumes in der Kombination mit Starkniederschlägen.(Foto: Markus Hubacher Spiez)" Bild3="Durchschnittlich neunmal im Jahr weht Saharasand nach Deutschland. Manchmal erreicht er sogar Grönland. Kaum ein Ort der Welt wird nicht mit Staubwinden versorgt – mehrere Milliarden Tonnen driften in jedem Jahr um den Globus. Die Wirkung der interkontinentalen Sandstürme ist immens. Sie verändern Wetter und Klima, düngen den Boden und tragen Krankheitserreger um die Welt.(Foto: Glen Christian/Das Fotoarchiv)" Bild4="Wolken bilden oftmals bizarre Formen. Wolken-Lesen ist besonders bei Kindern beliebt, doch auch erwachsene Hobby-Wolkenforscher erfreuen sich am Spiel der Wolken – so auch die Mitglieder der englischen Cloud Appreciation Society. In der Form dieser Wolke sehen manche Betrachter eine Madonna mit Kind, andere eine gähnende Fratze und Dritte wiederum ein Skelett. (Foto: Modestino Carbone, Courtesy Cloud Appreciation Society)" Bild5="Die durchschnittliche Temperatur in Grönland ist in den vergangenen zehn Jahren um 13 Grad Celsius gestiegen. In Folge dieses Temperaturanstiegs können die Inuit dort heute sogar Pflanzen anbauen, die in der Regel nur in subtropischem oder tropischem Klima gedeihen. Im Bild: Kartoffeln. (Foto: Gerald Traufetter)" Bild7="Anlässlich des Welt-Erdtags am 22. April 2008 trug der international höchste Wolkenkratzer, der taiwanesische Taipei 101, eine Leuchtschrift mit der Forderung Cool < 2° C. Mit der Aktion sollte der Klimawandel stärker ins Bewusstsein gerückt und verdeutlicht werden, dass das globale Klimaziel, eine Erwärmung der weltweiten Durchschnittstemperatur von weniger als 2° Celsius, nur durch die Mitwirkung eines jeden Einzelnen erreicht werden kann.(Foto: Courtesy Daniel M. Shih, Taiwan)"]
Wann wird es soweit sein?
Ich denke, in Deutschland wird es insgesamt nicht so dramatisch werden. Je nachdem wie hoch die Erwärmung ist, aber nicht in den nächsten 50 bis 100 Jahren. Es wird insgesamt trockener, einige Regionen werden sich beim Anbauen umstellen müssen und es wird mehr Hochwasserschutz geben müssen, weil Extremwetterereignisse sich häufen könnten. In bestimmten Regionen Afrikas beispielsweise wird man aber gar nichts mehr machen können.
Was gibt es in Ihrer Ausstellung zu sehen?
Wir haben vier große Abteilungen, die sich mit dem Verhältnis des Menschen zu Wetter und Klima beschäftigen. In „Die Macht der Atmosphäre“ geht es darum, dass der Mensch ein Objekt von Wetter und Klima ist. Wir zeigen beispielsweise ein Auto, auf das während eines Sturmes ein Baum gefallen ist, also ein sehr schnell zerstörtes Objekt. Aber auch den Schädel eines europäischen Flusspferds, das ausgestorben ist, als in einer Eiszeit sein Fluss zugefroren ist. Also ein Opfer eines sehr langfristigen Klimawandels.
Und in der zweiten Abteilung?
Da zeigen wir, wie Wetter erforscht wird, beispielsweise mit einem Luftsammelgefäß aus den 1950er Jahren. Charles Keeling hat damit gemessen, wie viel Kohlendioxid in der Atmosphäre ist. Ohne ihn wüssten wir heute gar nicht, wie stark der CO2-Anteil gestiegen ist.
Aber wir zeigen auch ganz andere Erklärungsansätze, zum Beispiel ein Mäuseorakel des afrikanischen Stammes der Baule. Damit wird an der Elfenbeinküste das Wetter hervorgesagt. Man wirft dabei Mäuse in zwei Behälter, schüttelt die, und je nachdem wie sich die Mäuse verhalten, kann man dann daraus das Wetter ablesen.

Wirklich?
Diese vor-modernen Praktiken gibt es durchaus noch, und ich weiß gar nicht ob sie soviel treffunsicherer sind. - Im dritten Raum werden viele persönliche Wettergeschichten erzählt. Zum Beispiel die eines sogenannten „Stormchasers“ aus den USA, der versucht, sehr nahe an Tornados und Hurrikane ranzukommen. Von dem zeigen wir eine Flasche mit Wasser aus dem Golf von Mexiko. Dort bilden sich Tornados, er verdankt also dem Golf alle seine Tornados, also im Grunde seinen Lebensinhalt. In der vierten Abteilung geht es um den sehr alten Traum des Menschen, das Wetter so zu machen wie man es braucht. Wir zeigen viele magische Objekte, wie Regenmacher oder Regengötter.
Heute beeinflussen wir das Wetter gezielt durch Hagelflieger und ähnliches, oder?
Ja, man versucht Wolken gezielt abregnen zu lassen, indem man sie impft. Das wird jetzt spannend bei den Olympischen Spielen in China, weil sie eine regenfreie Olympiade versprochen haben. Da stehen Batterien von Wetterraketen bereit, damit die Wolken nicht in Peking während der Wettkämpfe abregnen.
***
Die Ausstellung 2°. Das Wetter, der Mensch und sein Klima“ im Deutschen Hygiene Museum in Dresden ist vom 11. Juli 2008 bis 19. April 2009 zu sehen.
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Frau Lutz sagte:Tja, nach oben gibt es keine (bekannten) Grenzen. Sicher ist nur, dass es nie kälter als -273,15 °C wird. ;-)
Es geht darum, dass die Temperatur weiter steigen wird, .... Die Frage ist, bis wohin steigt sie?
17.07.2008 - 10:17 Uhr
Guenther_Maria_Juana
Frau Lutz sagte:Genau! :-D
Aber wir zeigen auch ganz andere Erklärungsansätze, zum Beispiel ein Mäuseorakel des afrikanischen Stammes der Baule. Damit wird an der Elfenbeinküste das Wetter hervorgesagt. Man wirft dabei Mäuse in zwei Behälter, schüttelt die, und je nachdem wie sich die Mäuse verhalten, kann man dann daraus das Wetter ablesen.
Diese vor-modernen Praktiken gibt es durchaus noch, und ich weiß gar nicht ob sie soviel treffunsicherer sind.








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15.07.2008 - 19:48 Uhr
tyler_durden