Wie die Universität mich enttäuscht hat. Zum Beispiel Jan
Studieren hat sich geändert. Das lässt sich ganz gut an den Menschen zeigen, die einem im Studium begegnen
Ich habe einen Freund, nennen wir ihn Jan. Jan trinkt sehr viel, verhält sich politisch nicht immer korrekt und bei seinen Frauengeschichten den Überblick zu behalten, fällt schwer. Eigentlich macht Jan Filme. Zumindest ab und zu. Meistens macht er aber etwas anderes, trinken beispielsweise, oder Frauengeschichten anfangen, oder er tut gar nichts. Ein Ort, an dem man ihn jedenfalls nie sieht, ist die Universität. Obwohl er da studiert. „Ja und?“ könnte man jetzt sagen, „natürlich sind Studenten nie an der Uni! Was sollen sie denn da? Das Studentenleben hat doch wirklich interessanteres zu bieten. Die meiste Zeit nicht an der Uni zu verbringen, hat sich für Studenten seit Jahrzenten als Lebensabschnittsgestaltung bestens bewährt.“ Ich habe genau das auch immer gesagt. Aber mittlerweile traue ich mich nicht mehr. Man macht sich nämlich Sorgen um Jan. Freunde sprechen in seiner Abwesenheit über seine Zukunft. Sie wollen ihm Praktika vermitteln. Sie wollen seine Hausarbeiten schreiben. Dann blicken sie mich meist vorwurfsvoll an, weil ich ihm noch kein Praktikum vermittelt und noch keine Hausarbeit geschrieben habe. Ich bin aber gar nicht auf solche Ideen gekommen, denn ich habe Jan immer bewundert.
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der grundlegende fehlschluss geht etwa so: dass hunter s. thompson so viel geiler schreibt als z. b. ulrich wickert, lässt sich allein daraus erklären, dass thompson so ein kaputter typ war. wenn man es ihm darin nachtut, wird man folglich auch so geil schreiben können, usw. überraschenderweise werden aus den meisten aber keine neuen thompsons, sondern überaus mittelmäßige existenzen, die vielleicht mehr aus sich hätten machen können, wenn sie in ihren guten jahren nicht so viel sorgfalt und energie darauf verwendet hätten, ihr leben nicht auf die reihe zu bekommen.
obwohl... er das vielleicht auch nur vorgibt und in Wirklichkeit einen auf Hans Schnier machen will...
Denn der Text bringt doch essayistisch auf den Punkt, welches Unbehagen einen beschleicht, wenn aus Kommilitonen Wettbewerber um die Chancen werden.
In meiner Beratungspraxis rate ich daher grundsätzlich, nein, sogar prinzipiell, dazu, das Studium auf vier Tage zu beschränken und zwei auf andere Projekte/Tätigkeiten zu verwenden. Der Synergieeffekt von Theorie und engagiertem Tun ergibt sich zwar meist erst spät gegen Ende des Studiums, aber er kommt.
Mein erstes Studium war ein Parallelstudium von Links- und Rechtswissenschaften, also Jura und Soziologie: wunderbar zu sehen, welch unterschiedliches Klima zur selben Zeit an einer Uni herrschte.
Was am Ende die wenigsten zu bedenken scheinen: Das "Am Ende ist doch noch etwas aus mir geworden" ist auch nur aus einer ganz bestimmten fokussierten Sicht ein positiver Satz. Chancen und Optionen sind bestimmt nicht schlecht, aber Chancen ergeben sich auch oft aus Freiheit, die aber in der schönen neuen Studienwelt allzusehr eingeengt wird.
11.07.2008 - 20:09 Uhr
riesenherz
syno sagte:
ich glaube kaum, dass ein "unvernüftiger", selbstzerstörerischer Typ daran denkt, später mal Hunter S. Thompson nachzueifern, sondern viel mehr, dass er (wir können von "er" sprechen, weil dieser Archetypus nunmal ein Mann ist, warum, ist auch interessant..) sich dafür gar nicht interessiert.
ich glaube, zumindest die leute, die ich meine, finden sich schon ganz geil dabei. interessant außerdem: auch frauen kokettieren verstärkt mit diesem archetypus, vgl. ladettes und so weiter.
riesenherz sagte:
In meiner Beratungspraxis rate ich daher grundsätzlich, nein, sogar prinzipiell, dazu, das Studium auf vier Tage zu beschränken und zwei auf andere Projekte/Tätigkeiten zu verwenden. Der Synergieeffekt von Theorie und engagiertem Tun ergibt sich zwar meist erst spät gegen Ende des Studiums, aber er kommt. [...] Chancen ergeben sich auch oft aus Freiheit, die aber in der schönen neuen Studienwelt allzusehr eingeengt wird.
das ist alles sehr richtig, und die bachelorisierung z. b. der geisteswissenschaften ist ein großer schwachsinn. allerdings: jan aus dem text könnte noch so viel freiheit und chancen haben, er würde sie höchstens aus versehen nutzen.
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11.07.2008 - 19:31 Uhr
drolli
a) allgemeines lamentieren dass "heute" an der uni erwartet wird dass man seine Scheine macht
b) der versammelten jetztlerschaft vor Augen fuehren, was man besser bleiben laesst.