Wie die Universität mich enttäuscht hat. Zum Beispiel Jan
Studieren hat sich geändert. Das lässt sich ganz gut an den Menschen zeigen, die einem im Studium begegnen
Ich habe einen Freund, nennen wir ihn Jan. Jan trinkt sehr viel, verhält sich politisch nicht immer korrekt und bei seinen Frauengeschichten den Überblick zu behalten, fällt schwer. Eigentlich macht Jan Filme. Zumindest ab und zu. Meistens macht er aber etwas anderes, trinken beispielsweise, oder Frauengeschichten anfangen, oder er tut gar nichts. Ein Ort, an dem man ihn jedenfalls nie sieht, ist die Universität. Obwohl er da studiert. „Ja und?“ könnte man jetzt sagen, „natürlich sind Studenten nie an der Uni! Was sollen sie denn da? Das Studentenleben hat doch wirklich interessanteres zu bieten. Die meiste Zeit nicht an der Uni zu verbringen, hat sich für Studenten seit Jahrzenten als Lebensabschnittsgestaltung bestens bewährt.“ Ich habe genau das auch immer gesagt. Aber mittlerweile traue ich mich nicht mehr. Man macht sich nämlich Sorgen um Jan. Freunde sprechen in seiner Abwesenheit über seine Zukunft. Sie wollen ihm Praktika vermitteln. Sie wollen seine Hausarbeiten schreiben. Dann blicken sie mich meist vorwurfsvoll an, weil ich ihm noch kein Praktikum vermittelt und noch keine Hausarbeit geschrieben habe. Ich bin aber gar nicht auf solche Ideen gekommen, denn ich habe Jan immer bewundert.
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am liebsten wuerde ich mir das, was mich interessiert und mir foerdernswert erscheint, einfach selbst aneignen. in zeiten des www eigentlich kein grosses problem mehr, aber ohne zeugniskram ist man ja nichts wert. deswegen werde ich es wohl doch noch einmal mit unfaehigen dozenten und nervtoetenden kommilitonen versuchen muessen, wenn ich einen interessanten job haben will. oder mir business-mist anlesen, um mich endlich selbstaendig zu machen.
Farinet sagte:
.....dass sich die Universität - früher Hort von staats- und gesellschaftskritischem Gedankengut und geprägt von ideologischem Aktivismus – zu einem Sammeltopf von karrierefixierten Opportunisten gewandelt hat.
Aha. möchtest du Marxismus als Pflichtfach für alle einführen? Du weisst schon, diese Theorie für bessergestellte zur effektiveren Knechtung der Arbeiterklasse. Aber vermutlich gehörst Du zu denen, die lieber dem ZK huldigen würden und sich ihren Studienplatz so sichern.
querspieler sagte:
Farinet sagte:
Schlimm ist, dass die neoliberalen Verirrungen auch vor den Toren der Universität nicht halt gemacht haben. Dem Studenten wird eingehämmert, mit seinem Studium einen möglichst hohen Wert auf dem späteren Arbeitsmarkt erreichen zu müssen. Dies schadet nicht nur der Wissenschaft an sich, denn in meinen Augend besonders gravierend ist, dass sich die Universität - früher Hort von staats- und gesellschaftskritischem Gedankengut und geprägt von ideologischem Aktivismus – zu einem Sammeltopf von karrierefixierten Opportunisten gewandelt hat.
Das die Uni früher ein "Hort von staats- und gesellschaftskritischem Gedankengut" war ist glaub ich ein Gerücht. Es gab einige Zirkel wo man sich für eine solche Avantgarde gehalten hat oder noch hält. Ich dagegen würde sagen, seit Bestehen von Universitäten rekrutiert sich das "herrschende Personal" - soweit ich das sehe, ohne große regimeinfragestellende Extreme - aus genau jenen Unis.
Dann seh ich nicht, wer Studenten irgendwas einhämmern soll, es ist jedem seine Entscheidung, wie, was, wie lange und mit welchem Ziel er studiert. Dass leider keine Alimentetopf zur verfügung steht, der jedem Studenten ein selbstbestimmtes und arbeitsfreies Leben garantiert mag man bedauern, ist aber nicht so leicht zu ändern.
Tatsache ist, das die Welt nur eine kleine Anzahl Leute braucht, die forschen, philosophieren oder debattieren. Alle anderen werden früher oder später einen Beruf ergreifen müssen. Und was ist gleich nochmal die Begründung, warum die Gesellschaft verpflichtet ist ihren Bürgersöhnchen und -Töchtern noch 5 oder 10 schöne Jahre nach der Schule zu finanzieren?
Ich denke es lässt sich kaum bestreiten, dass die Studentenschaft insbesondere in den 60er und 70er viel stärker politisiert war als heute. Dies lässt sich z.B. anhand von Vergleichen zwischen Mitgliederanzahlen der Studierendenräte von damals und heute veranschaulichen. Natürlich geht aus den Universitäten jeweils eine Elite hervor, welche aber auch grosse Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung des Weltgefüges trägt. Diese zu übernehmen, dazu gehört auch ein Wille zur Kritik, der nicht von marktwirtschaftlichen Reizen zu sehr gedämpft werden soll, wie es heute im Rahmen des herrschenden Marktfundamentalismus passiert. Übrigens viele von denen, die sich früher schon stark politisch – wenn auch vielleicht auf Irrwegen - engagiert hatten, haben heute wichtige Positionen inne und nehmen die angesprochene Verantwortung war.
Zugegeben, einhämmern ist ein starkes Wort, doch schon der Autor des Textes oben hat die Situation mit den McKinsey-Plakaten ganz gut getroffen.
drolli sagte:
Aha. möchtest du Marxismus als Pflichtfach für alle einführen? Du weisst schon, diese Theorie für bessergestellte zur effektiveren Knechtung der Arbeiterklasse. Aber vermutlich gehörst Du zu denen, die lieber dem ZK huldigen würden und sich ihren Studienplatz so sichern.
Wow, das war ein Frontalangriff. Ich kann alles mit Nein beantworten.
ein_oxymoron sagte:
ich wurde von der uni leider auch auf ganzer linie enttaeuscht, das einzige, was mich weitergebracht hat, war erasmus - danach fuehlte ich mich reif fuer die entscheidung, dieses studium, das mich vor allem in meiner motivation und persoenlichen entwicklung behinderte und durch permanenten stress meine gesundheit ruinierte, konsequenterweise abzubrechen. am liebsten wuerde ich mir das, was mich interessiert und mir foerdernswert erscheint, einfach selbst aneignen. in zeiten des www eigentlich kein grosses problem mehr, aber ohne zeugniskram ist man ja nichts wert. deswegen werde ich es wohl doch noch einmal mit unfaehigen dozenten und nervtoetenden kommilitonen versuchen muessen, wenn ich einen interessanten job haben will. oder mir business-mist anlesen, um mich endlich selbstaendig zu machen.
Vielleicht sollte ich hier auch zum besten geben, dass ich mein Studium nach 12 Semestern kurz vor der Diplomprüfung abgebrochen hab. Ich wusste es schon nach dem ersten Semester, dass das nichts für mich ist (ja, ich hätte es mir stärker verschult und weniger theorielastig gewünscht).
Ok, für 15 Jahren war es mit dem Quereinstieg auch ohne Diplom noch viel einfacher als heute. Bei mir hat das ganz gut geklappt, aber ich hab auch "ganz unten" angefangen.
Wenn Anfang der 90er die TUM in die Luft geflogen wäre, wäre ich ein Hauptverdächtiger gewesen, soviel zu "Enttäuscht von der Uni".
14.07.2008 - 10:00 Uhr
querspieler
Heute ist ein guter Tag um dazu einen Kommentar abzugeben, denn ich habe beschlossen, dass heute mein Studium faktisch abgeschlossen ist. Ich hab einen Job angenommen und damit wird der Ernst des Lebens beginnen. Bis zum Ende des Monats muss ich etwas einreichen wo Diplomarbeit draufsteht, damit ich auch die Uni erfolgreich abschließen kann aber das wars dann ... und im Rückblick?
Habe ich irgendwie genau das beobachtet was im Artikel beschrieben wurde: Das Aussterben der Jans und noch viel deutlicher der Janinen.
Janinen sind Studentinnen, die niemand mehr frägt in welchem Semester sie sind, weil sie durch ihre weisen Sätze ("Damals ...") jeden Zweifel ausräumen dass sie seit einigen Semestern schon Langzeitstudiengebühren bezahlen ... Janinen sind in der universitären Selbstverwaltung tätig und kennen alles und jeden. Sie lieben es sich wegen prinzieller Meinungsverschiedenheit mit Jans anzulegen und spätestens nach 3 min heben sie beide Hände um einen Antrag zur Geschäftsordnung abzugeben ...
Es waren herrliche Zeiten als ich zu studieren angefangen habe, Prinzipienreiterei, Intrigen, Streit ... leider haben Jan und Janine vergessen warum sie an der Uni sind.... War da noch was neben der AStA-Mitgliedschaft??
Heute gibt es sie wahrscheinlich nicht mehr, sie sind ausgestorben, Leute wie ich haben sie dazu getrieben. Ja ich bekenne mich schuldig, schuldig versucht zu haben professionell das beste für die Studenten erreichen zu versuchen, Kompromisse schließen wo es sinnvoll ist und nicht ankämpfen gegen Dinge die unabänderbar erscheinen. Das waren meine Ziele und Methoden und was kam raus? Der unpolitische Student der sich über nichts besonders aufregt aber auch zu nichts eine besondere Meinung hat. Einer der die Uni als Treibsatz sieht die ihn in ein erfolgreiches Berufsleben hineinbeschleunigt.
Was bleibt ... ich habe des Gefühl die Uni ist wüst und leer ... jeder macht sein Ding, so schnell wie möglich und ohne Seitenblicke.
Manchmal wünsche ich mir ich wär wieder im ersten Semester und Jan und Janine stritten sich über den Sinn oder Unsinn des Studentenparlaments ... Aber Jan hat letztens seine Diplomarbeit abgegeben ...
ein_oxymoron sagte:
ich wurde von der uni leider auch auf ganzer linie enttaeuscht, das einzige, was mich weitergebracht hat, war erasmus - danach fuehlte ich mich reif fuer die entscheidung, dieses studium, das mich vor allem in meiner motivation und persoenlichen entwicklung behinderte und durch permanenten stress meine gesundheit ruinierte, konsequenterweise abzubrechen.
am liebsten wuerde ich mir das, was mich interessiert und mir foerdernswert erscheint, einfach selbst aneignen. in zeiten des www eigentlich kein grosses problem mehr, aber ohne zeugniskram ist man ja nichts wert. deswegen werde ich es wohl doch noch einmal mit unfaehigen dozenten und nervtoetenden kommilitonen versuchen muessen, wenn ich einen interessanten job haben will. oder mir business-mist anlesen, um mich endlich selbstaendig zu machen.
hey, die fernuni hagen ist ja gar nicht teuer - sieht aus, als haette ich eine elegante loesung fuer die meisten meiner probleme gefunden.
Ihr wisst schon....diese Ding wofür sich junge Studenten hoch verschulden, werden vollgestopft mit Kursen und was mit
studentischer Freiheit rein gar nichts mehr zu tun hat.
Die Klausuren (ja man nennt sie nicht mehr Prüfungen, weil wir sind ja wieder im Kindergarten) nach der Vorlesungszeit in
max. zwei Wochen gequescht werden, was natürlich effektives Lernen unmöglich macht.
Man lernt nur noch für die Klausuren und vergisst gleicht wieder alles.
Und was passiert wenn ein Student daran scheitert?
Hartz4?
Dieser ganze Bachelor-Schwachsinn ist doch nur der Deckmantel dafür, das die Haushalte für die Uni's zukünftig vollkommen
unterfinanziert sind.
Diese ganzen Nonsens-Debatten für den Bachelor .... ich kann es nicht mehr hören...Wir studieren seit fast 1000Jahren schon
nach den Regeln des Diploms und auf einmal soll es völlig falsch sein? Und das deutsche Diplom, das war noch was! Da hatte
man noch was in der Hand.
Ohne Masterstudiengang ist der Bachelor nichts wert.
Wenn der Bachelor eine Chance sein soll, dann höchsten für irgendwelche Populisten...
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13.07.2008 - 18:43 Uhr
querspieler
Das die Uni früher ein "Hort von staats- und gesellschaftskritischem Gedankengut" war ist glaub ich ein Gerücht. Es gab einige Zirkel wo man sich für eine solche Avantgarde gehalten hat oder noch hält. Ich dagegen würde sagen, seit Bestehen von Universitäten rekrutiert sich das "herrschende Personal" - soweit ich das sehe, ohne große regimeinfragestellende Extreme - aus genau jenen Unis.
Dann seh ich nicht, wer Studenten irgendwas einhämmern soll, es ist jedem seine Entscheidung, wie, was, wie lange und mit welchem Ziel er studiert. Dass leider keine Alimentetopf zur verfügung steht, der jedem Studenten ein selbstbestimmtes und arbeitsfreies Leben garantiert mag man bedauern, ist aber nicht so leicht zu ändern.
Tatsache ist, das die Welt nur eine kleine Anzahl Leute braucht, die forschen, philosophieren oder debattieren. Alle anderen werden früher oder später einen Beruf ergreifen müssen. Und was ist gleich nochmal die Begründung, warum die Gesellschaft verpflichtet ist ihren Bürgersöhnchen und -Töchtern noch 5 oder 10 schöne Jahre nach der Schule zu finanzieren?