10.07.2008 - 18:08 Uhr

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Hilfe ich bin ein Mädchen!

Text: Pittili

Ich habe mich letztens erschrocken. Ich war zu Besuch bei meinem Freund. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass wir eine Fernbeziehung führen. Aber das hat mich nicht erschreckt – das wusste ich schon. Nein, erschreckt habe ich mich über etwas anderes: über mich. Wie typisch Frau ich doch bin. Ich bin ein Mädchen. Das wusste ich auch schon. Ich dachte aber immer, ich bin eine einfache Frau. Eine die nicht so eingebildet ist, eine die nur manchmal zickig ist, eine mit der man auskommen kann. Jetzt zweifel ich an mir selber. Also, in meinem Rucksack befanden sich viele Klamotten, mein Kulturbeutel (kann nicht mal jemand ein schöneres Wort dafür erfinden?) war voll mit Ohrringen und Haarspangen. Ich kann mich einfach nicht entscheiden… Nicht weiter tragisch – dachte ich. Bis ich eine bestimmte Haarspange gesucht habe und meinen Kulturbeutel (übrigens ein sehr süßes Exemplar, grün mit gelben Küken) ausgeschüttet. Und man hat fast kein Bett mehr gesehen. Überall lag mein Kram. Spangen, Wimperntusche, Lidschatten, Ohrringe, Tampons, Lippenstifte. Es sah schrecklich aus. Schrecklich ischig… ich kam mir vor, wie so ne Schickimickiusch… Aber, nicht nur mein Kulturbeutel war zu voll. Nein, mein Rucksack auch. In den letzten Tagen habe ich die dreckigen nicht von den sauberen Schlüpfern nicht unterscheiden können. Also habe ich einen Entschluss gefasst. Ich stand in der Wohnung meines Freundes, suchte ein bestimmtes T-Shirt (die Auswahl in meinem Rucksack war riesig, nur das was ich suchte, fand ich nicht). Und sah dieses leere Regal. Es grinste mich an. Es rief mir zu: „Sortiere deine Wäsche in mich, pack mich endlich voll!“ Und ich tat es. Ich legte meine Sachen – natürlich nur zur besseren Übersicht – in dieses Regal. Herr M. saß daneben und hat sich kaputt gelacht – darüber wie viel Kram ich in meiner Tasche hatte! Ich glaube, er fand es nicht ganz so schlimm, dass ich mich in seinem Regal breit gemacht habe. Aber ich fand es schlimm. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich genauso bin, wie diese schrecklichen Frauen, die die Wohnungen ihrer Männer umkrempeln. Ich hatte den Schrank mit meinen Sachen voll gestellt, unterm Bett standen meine Schuhe, im Kühlschrank mein geliebter Aufstrich. Zwei Tage vorher, bevor wir die Wohnung für eine Nacht verließen, zwang ich ihn, noch eben Abzuwaschen und das Bett zu machen. Mittags, musste er schon wieder aufräumen, im Bad hing auf einmal ein von mir aufgehängter Handtuchständer. Das Klopapier befand sich plötzlich in der Nähe der Toilette und würde ich noch ein paar Tage länger bleiben, wäre wahrscheinlich auch die Gardinenstange richtig befestigt und das Handtuch am Fenster durch eine richtige Gardine ersetzt. Und wahrscheinlich hätte ich dann auch lange genug gebettelt, um Licht im Bad zu bekommen. Das kann ich nämlich zu meiner Verteidigung hervorbringen! Herr M. hat kein Licht im Bad! Tagsüber kein Problem, abends habe ich Kerzen da an und nachts mach ich eh kein Licht an. Generell störte mich das fehlende Licht nicht zu sehr. An einem Abend aber fehlte es mir. Es gibt in dieser Männerwohnung nur einen Spiegel – im Bad. Die letzten Tage war ich in der Lage mich dort zu schminken, meistens verzichtete ich eh darauf (sehr zum Leidwesen meines Kulturbeutel). Aber an Abend wollten wir nochmal weg. Und ich hatte das Bedürfnis mir wenigstens die Augen ein bisschen zu schminken. Doch ich hatte ein Problem. Im Bad war kein Licht und einen anderen Spiegel gab es nicht. Ich habe mich heute also im Flur geschminkt, wo ich mich in den dunklen Teilen eines Bildes spiegeln konnte! Aber es hat mich nicht groß geschockt, immerhin habe ich mich letztens schon im Fernseher spiegelnd angezogen. Das verlangt mehr weibliches Geschick als ihr vermutet! Ich habe mich also erschrocken. Darüber, dass ich viel zu viele Klamotten mit habe. Darüber, dass ich so viel Kram mit habe, dass ich mich beim shoppen nicht kontrollieren kann (ich weiß immer noch nicht, wie ich das wieder nach Hause kriegen soll) , dass Herr M. einen typischen Männerhaushalt führt, darüber, dass ich mich wie eine typische Frau benehme und den Haushalt schon fast automatisch an mich reiße. Dieses Erschrecken führt immerhin zu Reue. Es tut mir Leid. Aber, ich kann einfach nicht anders, ich bin halt eine typische Frau. Und als solche, kann ich auch nichts dafür, dass ich mich nicht entscheiden kann. Ich glaube aber, dass ich nicht die einzige Frau bin, die dieses Phänomen kennt. Ich hoffe, dass ich nicht die einzige bin, die einfach nicht anders kann.


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