13.07.2008 - 19:00 Uhr

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Der Apfel vom nächsten Bauern - das ist Öko-Romantik pur!

Text: theresa-steinel

Professor Schlich erklärt, warum Import-Äpfel keine Klimakiller sind

Bild:dpa Ihre Studie klingt erstmal abwegig: Import-Äpfel vom anderen Ende der Welt sind nicht schlechter fürs Klima als deutsche Bodensee-Äpfel. Speziell beim Apfel ist entscheidend, dass die Selbstversorgung in Deutschland nicht ausreicht, klimatisch bedingt. Wir haben nur 30 Prozent Selbstversorgung, den Rest müssen wir importieren. Wir empfehlen jeden Tag einen Apfel zu essen, das ist super. Wenn ich das jetzt im Juli realisieren will, bin ich auf globalen Import angewiesen. Logistik und Distributionstechnik sind durch die internationalen Schiffstransporte so gut, dass man sich keine Sorgen machen muss, dass Äpfel, die aus Südamerika oder Südafrika kommen, das Klima schädigen. Das ist die beruhigende Nachricht für den Konsumenten. Im Oktober würde ich allerdings einen Apfel aus Deutschland empfehlen. Das müssen Sie erklären. Jetzt kriege ich keine Äpfel aus deutscher Ernte, weil es bei uns derzeit klimatisch bedingt keine Ernte gibt. Äpfel aus deutschem Anbau empfehlen wir von Oktober bis Dezember, aber was macht man jetzt im Juli? Soll man da auf den Apfel verzichten? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich den Apfel aus Südamerika nehme? Nein, dass muss eben nicht sein. Bis der Apfel zu uns kommt wird doch aber eine Menge CO2 ausgestoßen, oder? Das glauben die Leute, aber die Äpfel werden mit großen Containertransporten verschifft. Pro Container ist der Energieaufwand extrem niedrig, und in einen Container gehen 20 Tonnen Äpfel. Der weite Transport ist kein Klimakiller, entgegen der landläufigen Meinung. Haben sie die Wege innerhalb des Landes, also bis der Apfel zum Schiff kommt, mit eingerechnet? Ja klar. Wenn ich hier in Deutschland einen Apfel ein halbes Jahr lang im Kühlhaus lagere, um ihn im Mai zu verkaufen, kostet das eben auch Energie. Das wird häufig vergessen. Man braucht eine super Lagertechnik mit hohem Energieverbrauch, damit er nicht weiter reift. Im Vergleich zum Schiff das aus Südafrika kommt, hält sich der Energieaufwand in etwa die Waage. Das Problem ist also die Kühlung? In Südafrika oder Neuseeland kommt die Ernte direkt aufs Schiff. In Neuseeland wird im März geerntet, danach sind die Äpfel 30 Tage mit dem Schiff unterwegs und fahren dann mit dem LKW in den Supermarkt. Alles über eine ausgeklügelte Logistik. Das ist energetisch ok. Es ist auch ein Irrtum, zu glauben, dass Äpfel mit dem Flugzeug kommen, so viele Flugzeuge gibt’s gar nicht, wie wir Äpfel importieren.
Was für eine Rolle spielt die Größe der Betriebe? Die Betriebsgröße ist viel entscheidender als die Marktnähe, obwohl die öffentliche Wahrnehmung anders ist. Viele Klein-Betriebe verbrauchen mehr Energie als ein größerer Betrieb. Wir empfehlen als Betriebs-Mindestgröße eine Jahresproduktion von 1000 Tonnen Äpfel, das entspricht 40 Hektar Anbaufläche. Solche Betriebe gibt es viele in Deutschland, die sind energietechnisch in Ordnung. Also sind fürs Klima große Betriebe besser als kleine? Ja. Kleine sollten sich für Kühlung und vor allem Transport zusammenschließen. Wenn jeder Bauer mit seinem Traktor zehn km weit fährt, um damit Äpfel zu transportieren, ist das sehr unwirtschaftlich. Besser ist es, über Genossenschaften mit großen LKW zu arbeiten um die Ernte vom Feld ins Kühlhaus zu bringen und so weiter. Und in Neuseeland und Südafrika ist das so? Ja. Die Betriebe die wir in Südafrika untersucht haben, sind sehr groß, die Ernten der kleinen Betriebe kommen gar nicht erst bis zu uns. Welche Folgen erwarten Sie durch ihre Studien? Dass sich kleine Betriebe vielleicht zusammenschließen. Außerdem liegt mir der Einfluss des Endverbrauchers auf die Energiebilanz sehr am Herzen. Also wenn ich mit meinem Auto 20 km weit fahre, um Äpfel vom Direktvertrieb zu kaufen, ist die Energiebilanz vollends im Keller. Das ist jenseits von gut und böse, da brauche ich mir über Äpfel aus Neuseeland keine Gedanken zu machen. Da spielt dann ein anderer Gedanke eine Rolle, nämlich dass man lokale und kleine Betriebe unterstützen möchte, indem man bei ihnen kauft. Das sehe ich auch so, es gibt auch andere Argumente. Das Thema Energie und Klimaschädlichkeit ist nur eins von vielen. Aber es geht nicht, dass man sagt, ich kaufe beim kleinen Ökobauern oder beim Direktvertrieb meine Äpfel, und schütze gleichzeitig noch das Klima. Das mache ich dann eben nicht, außer ich fahre mit dem Fahrrad. Dann sollen die Bauern die Äpfel in die Stadt zum Kunden bringen, dann muss nur einmal gefahren werden. Nicht jeder Regionalbetrieb schützt automatisch das Klima, bloß weil er ein Regionalbetrieb ist. Das ist Öko-Romantik pur. Elmar Schlich ist Professor für Prozesstechnik in Lebensmittel- und Dienstleistungsbetrieben an der Uni Gießen


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peonopp
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Mag ich Mag ich nicht

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13.07.2008 - 19:09 Uhr
peonopp

ich bin allergisch auf äpfel. zum glück muss ich daher zu dieser diskussion persönlich keine meinung haben.

komber
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Mag ich Mag ich nicht

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13.07.2008 - 19:26 Uhr
komber

an apple a day...bissle unscharfes Bild oder?

cougarten
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13.07.2008 - 19:42 Uhr
cougarten

nice bushes you have there

kein_koks_fuer_sherlock_holmes
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13.07.2008 - 19:58 Uhr
kein_koks_fuer_sherlo…

ProfessorSchlich sagte:
Pro Container ist der Energieaufwand extrem niedrig, und in einen Container gehen 20 Tonnen Äpfel. Der weite Transport ist kein Klimakiller, entgegen der landläufigen Meinung.


naja, das ist aber eine eigenartige logik. die frage ist ja nicht ob man sich den einen container spart oder nicht, sondern ob man sich nicht ALLE container auf dem schiff sparen kann.
dann könnte ich ja auch wild mit dem flugzeug durch die gegend fliegen, weil der energieaufwand pro passagier ja so gering ist.
das ist ja 'ne milchmädchenrechnung.


ProfessorSchlich sagte:
Dann sollen die Bauern die Äpfel in die Stadt zum Kunden bringen, dann muss nur einmal gefahren werden.


soll's ja geben, zum beispiel in form eines gemüsekisten-abos beim bauer deines vertrauens.

querspieler
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13.07.2008 - 20:18 Uhr
querspieler

@sherlock
Ich glaub, da irrst du dich. Die Alternative keine Äpfel mehr zu importieren bedeutet bei gleichbleibender Nachfrage wesentlich mehr Äpfel hier zu produzieren und zu lagern, das ist klimatisch gehüpft wie gesprungen. Und wenn der Kleinbauer mit dem Uralt-Stinker in die Stadt fährt und hier stundenlang rumkurvt ist das fast so schädlich wie wenn du hinfährst. Gemeint ist, du gehst auf den Wochenmarkt oder in den Supermarkt, wo zentral geliefert wird, würde ich sagen.

DagnyTaggart
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13.07.2008 - 21:11 Uhr
DagnyTaggart

Schön.

Nur ist CO2 für das Klima unschädlich.

Froschpouet
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13.07.2008 - 21:36 Uhr
Froschpouet

Und wie wäre es mit Kirschen, Aprikosen oder andere Obstsorten im Juli? Müssen wir wirklich das ganze Jahr über die gleichen Äpfel essen? Oder tut uns ein bisschen Abwechslung auch gutes.

Ganz nebenbei: und wer mit seinem Daimler zum A... fährt um 1 kg. Äpfel aus Neuseleand zu kaufen, der schadet das Klima nicht?

Alles in allem, mein Kommentar zu diesem Beitrag: wenn ein Apfel 20000 km fährt, sind es mind. 19000 km mehr als ein deutscher Apfel. Die logistik sollte man auch in Deutschland beherschen können, oder?

karrrrrrak
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13.07.2008 - 21:51 Uhr
karrrrrrak

DagnyTaggart sagte:
Schön.

Nur ist CO2 für das Klima unschädlich.

da spricht mal wieder einer der von klima null ahnung hat aber trotzdem eine meinung dazu.
natürlich ist co² unschädlich fürs klima. vermehrtes co² in der atmosphäre trägt aber zu einer verstärkten erwärmung der erdadmosphäre bei. die konsequenzen der erderwärmung haben wir auszubaden und dies zeigt sich zuerst in der landwirtschaft und der zunehmenden verknappung der anbauflächen.

DagnyTaggart
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13.07.2008 - 21:57 Uhr
DagnyTaggart

karrrrrrak sagte:
natürlich ist co² unschädlich fürs klima. vermehrtes co² in der atmosphäre trägt aber zu einer verstärkten erwärmung der erdadmosphäre bei. die konsequenzen der erderwärmung haben wir auszubaden und dies zeigt sich zuerst in der landwirtschaft und der zunehmenden verknappung der anbauflächen.


In der Landwirtschaft wird CO2 mitunter als Düngemittel verwendet. Es ist ja Grundstoff für die Photosynthese.

hend
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13.07.2008 - 22:54 Uhr
hend

@ DagnyTaggart

CO2 wird als Düngemittel eingesetzt ? In der _Land_wirtschaft ? Das ist ja großartig!
Wie macht es sich denn so, im Boden ? Und welche Pflanzen photosythetisieren in ihren Wurzel ? Ich bin wirklich neugierig und begnüge mich mit einem Link zu einem entsprechenden Produzenten von CO2 Düngemitteln für die _Land_wirtschaft.

Darüberhinaus wird der Treibhauseffekt von CO2 von Umweltphysikern nicht bestritten, entsprechenden Versuche gehören ins Anfängerpraktikum.
Treibhauseffekte lassen sich für eine Menge anderer Gase ebenso nachweisen, z.B. auch für H2O. Man darf natürlich sofort darüber diskutieren, ob eine gloable Erwärmung im Gange ist (wird auch von keinem Ernstzunehmenden Wissenschaftler bestritten), ob dieser ungewöhnlich ist (wird von vielen angenommen, aber nicht von allen) oder gar anthropogen (ist nicht unstrittig, momentan die eher dominierende Meinung, eher nicht evident).

Zu den Äpfeln: Es ist schon lustig, was der Herr Professor erzählt: Äpfel aus Neuseeland seien in der CO2 Bilanz nicht schlechter als Äpfel aus Deutschland. Diese Botschaft ist Stuss.
Wenn ich im Juli Äpfel aus Deutschland keufen will, muss ich sie kühlen - will ich im Dezember Äpfel aus Neuseeland kaufen, sind diese nicht nur 20.000 km gereist, sondern auch noch gekühlt - das ist der äquivalente Vergleich.
Wer beim Apfelkauf auf seine CO2 Bilanz achten will, sollte einfach zwischen Dezember und August keine Äpfel kaufen. Fällt mir nicht schwer: ich mag Äpfel am liebsten als Mus, das hält sich ewig.

Schöne Grüße, Hend.

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