Magazinschau in Samt und Fell gerüstet: Die Welt der Mittelalter-Freunde
Text: dana-brueller
Der Bahnhofskiosk ist eine schillernde Sammlung der erstaunlichsten Magazine. Hier Teil zehn der subkulturellen Presseschau.
Pax et Gaudium
Worum geht es?
Der Schwerpunkt der uns vorliegenden Ausgabe behandelt das Thema "2.000 Jahre Badekultur. Waschen und sündigen". Pax et Gaudium selbst nennt sich "die einzigartige Heftreihe zum Thema Living History".
Die drei besten Headlines:
Ab in den Zuber
Wenn der Zahnwurm bohrt
Schneckenstreit in Stühlingen
Der Leser...
Würde sich gerne für ordentliche Historiographie interessieren, landet dann aber doch immer bei Ekel-, Mord- und Bumsgeschichten.
Das sagt die Redaktion:
"Wenn splitterfasernackte, mehr oder minder gut gebaute junge Herren aus dem Bad springen und den Neugierigen hinterhereilen, so ist dies meist für alle Umstehenden ein Riesenspaß."
Bizarres Paar:
Die Eheleute Syphilis.
Bestes Bild:
...genießt ein Badender an Kopf und Nacken die ebenso erprobten Hände der Zuberzofe.
Beste Werbung:
Kurzurlaub im Mittelalter nur 99,95 Euro. Leistungen: 2 ÜN inkl. Frühstück, "Wasserfall" & "Misthaufen", 1 Badegelage inkl. Schmaus und Trank, 1 mittelalterliches Erlebnisbankett inkl. abendfüllendes Programm, Schmaus und Trank. Infos unter www.uferburg.de.
Das Extra:
Bei Abschluss eines Abonnements erhält der Leser ein "geschmiedetes Messer" oder ein "Schreibfeder-Set". Voll authentisch und so.
Was wir gelernt haben:
1. Mittelalter-Bands nennt man "Spielleute".
2. Christman Gniperdoliga, der fast eintausendfache Raubmörder, wurde so geschickt gerädert, dass er noch über eine Woche lebte.
3. Zahlreiche zeitgenössische Abbildungen belegen, dass es in den mittelalterlichen Badestuben oft "zünftig zur Sache ging".
4. Wem das "Außrupffen" der Körperhaare zu schmerzhaft war, der konnte sich auch mit einer "har fressend artzney" behandeln lassen, die aus gelöschtem Kalk und Meerschaum sowie Frosch- und Schneckenblut, Ameiseneiern und Eidechseneiern bestand.
5. den Begriff "Zuberzofe"