09.07.2008 - 19:00 Uhr

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"Den neuen Feminismus gibt es nicht"

Text: theresa-steinel - Coverfoto: Tim Toppik/photocase.de; Foto Text: privat

Alt gegen Neu, an dieser Front verläuft gerade die Debatte über Feminismus. Ist das gut so? Chris Köver gründet mit anderen das "Missy Magazin" für junge Frauen - und will eigene Akzente setzen

Ab Oktober erscheint euer Magazin Missy, eine Popkulturzeitschrift für Frauen. Warum noch ein Frauenmagazin? Die bisherigen Frauenzeitschriften schreiben gerne darüber, wie man am besten zehn Kilo abnimmt, seine Cellulite loswird und endlich einen Mann abbekommt. Das ist wie eine einzige große Anleitung, um sich mies zu fühlen und hat uns schon seit langem gestört. Gleichzeitig werden Popkulturmagazine wie Spex oder Intro in der Regel von Männern und hauptsächlich über Männer gemacht. Wir wünschten uns ein Magazin ohne dürre Models, in dem wir stattdessen etwas über andere Frauen lesen können, die abseits von Geschlechterklischees coole Musik, Kunst, Filme, Literatur, Mode oder Politik machen. Weil es das nicht gab, haben wir beschlossen, selbst eins zu gründen.
Chris Köver (Mitte) mit ihren Kolleginnen vom "Missy" Magazin, Sonja Eismann (links) und Stefanie Lohaus (rechts). Bild: Vera Tammen / Missy Magazine Was ist anders? In “Missy“ wird es fast ausschließlich um Frauen gehen: Filmemacherinnen, Musikerinnen, DJs, Designerinnen oder Frauen, die politisch aktiv sind. Eine feministische Grundhaltung bei allem, was wir tun, ist uns wichtig. Wir präsentieren zum Beispiel nach wie vor „klassische“ Frauenmagazin-Themen wie Mode, Kosmetik oder Sex – das interessiert uns ja auch. Aber unser Ansatz ist dabei ein anderer: Unsere Modestrecken zeigen auch Frauen mit alternativen Körperbildern statt dünner, weißer, blonder Magermodels. Und wenn wir Beauty- oder Fitness-Tipps geben, dann nie mit dem Subtext, es sei oberstes Ziel, möglichst schlank, braun und faltenlos zu sein. Wir werden auch sicher nie eine Musikerin für ihre „niedliche Nase“ oder „bezaubernde Schönheit“ loben, wie es in den Feuilletonartikeln über junge Künstlerinnen gerne getan wird. Ist so eine Spezialisierung auf Künstlerinnen nicht auch wieder eine Diskriminierung, wenn auch eine positive? Es ist auf jeden Fall eine positive Diskriminierung, das ist uns schon bewusst. Wir wünschen uns auch eine ideale Welt, in der Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht wahrgenommen werden und alle gleichberechtigt sind. Im Moment leben wir aber leider noch nicht in dieser Welt: im popkulturellen Feld sind Frauen ebenso wenig gleichberechtigt wie in der Gesellschaft als Ganzes. Im Moment ändert sich das ein wenig, aber nach wie vor tauchen Künstlerinnen seltener in den Feuilletons und Popkulturzeitschriften auf – und wenn, dann werden sie häufig explizit als „Frauen“ hervorgehoben. Solange die Situation so ist, finden wir es legitim, als Gegenmaßnahme ein Heft zu machen, in dem nur Frauen vorkommen. Gleichzeitig arbeiten wir bevorzugt mit Journalistinnen, Grafikerinnen und Fotografinnen zusammen. Wir schließen Männer nicht dogmatisch aus, das fänden wir blöd. Aber so lange auch in den Redaktion vor allem Männer sitzen, ist es uns wichtig, besonders Frauen zu fördern. Was hältst du von der aktuellen Diskussion „alter Feminismus gegen neuer Feminismus“? Ich finde diese ganze Diskussion sehr problematisch. Es gibt weder den alten, noch den neuen Feminismus. Es hat schon immer im Laufe der Geschichte unendlich viele feministische Positionen gegeben, die auch massiv gegeneinander argumentiert haben – sei es während der ersten Welle um die Jahrhundertwende oder während der zweiten Welle in den 60er/70er Jahren. Deswegen finde ich es problematisch, von dem alten und dem neuen Feminismus zu sprechen. Auch heute gibt es nicht den neuen Feminismus. Es gibt ganz viele verschiedenen Feminismen. Derjenige, den beispielsweise die „Alphamädchen“ Autorinnen vertreten, ist ein anderer als derjenige den wir im „Missy“ Magazin vertreten, als derjenige den Lady Bitch Ray vertritt und so weiter. „Der Alte vs. der junge Feminismus“ knallt zwar eher, weil man durch diese Aufteilung eine Generationendebatte aufziehen kann, aber es wird der Sache einfach nicht gerecht. Welche Art von Feminismus machst du mit deinem Magazin? Ich glaube, wir stehen dem Feminismus der Alphamädchen schon sehr nahe, aber gleichzeitig gibt es auch bestimmte Statements mit denen wir nicht einverstanden sind. Zum Beispiel? In der Einleitung des Buches steht: „Uns ist bewusst, wir schreiben aus unserer Perspektive als gebildete, weiße, deutschstämmige Frauen, aber die Probleme über die wir sprechen, sind die der Mehrheit der Frauen in Deutschland“. Das glaube ich nicht. Ich bin mir relativ sicher, dass die Probleme, über die wir auch im Zuge der neuen Feminismusdebatte sprechen, zu einem großen Teil Probleme sind, die vor allem wir als privilegierte, gebildete, weiße, Mittelklasse-Frauen haben. Migrantinnen oder Lesben haben noch ganz andere Problem. Wir können uns nicht hinstellen und sagen: Wir sprechen hier für die Mehrheit. Das würden wir uns gar nicht erst auf die Brust heften. Brauchen wir Feminismus noch? Chris' Antwort liest du auf der nächsten Seite.
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