09.07.2008 - 19:00 Uhr

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„Gentechnisch manipuliertes Saatgut ist keine Lösung“

Text: sabrina-gundert - Fotos: einwelteinezukunft.de, Brot für die Welt

"Hungrig? Satt? Ursachen und Folgen der Welternährungskrise": Gemeinsam mit anderen diskutiert Cornelia Füllkrug-Weitzel am Donnerstag in Berlin die steigenden Nahrungsmittelpreise, das Welternährungsproblem und Gentechnik. Füllkrug-Weitzel ist Direktorin der Hilfsorganisation Brot für die Welt. jetzt.de hat mit ihr gesprochen

Zwanzig Euro für etwas Obst, Gemüse, Milch und Brot beim Einkaufen auszugeben, ist mittlerweile normal - was sind nochmal die Gründe für die gestiegenen Preise? Füllkrug-Weitzel: Die gestiegenen Preise bedeuten vor allem für Länder in Afrika und Lateinamerika eine humanitäre Krise. Dort haben die Menschen ohnehin oftmals Schwierigkeiten, Geld für Nahrungsmittel aufzubringen. Durch die gestiegenen Preise werden sie an den Rand ihrer Existenz getrieben - daher auch die Hungeraufstände in verschiedenen Ländern. Die Ursachen sind komplex und wirken zusammen. Als wesentlicher Grund wird immer der steigende Konsum in China, Indien und anderen Schwellenländern angeführt. Eine weitere Ursache ist der zunehmende Flächenverbrauch für Agrotreibstoffe, der zum Beispiel einen Großteil der Maisernte in den USA betrifft. Aber das sind nicht die Hauptursachen ... Sondern? Die Hauptursache liegt in der langjährigen strukturellen Unterförderung des ländlichen Raumes und der Landwirtschaft in den südlichen Ländern. Die Finanzhilfen für die Landwirtschaft durch Weltbank, Welternährungsfond und EU wurden stark zusammengestrichen und meist wurde nur eine großflächige Exportlandwirtschaft gefördert. Der größte Teil der Hungernden weltweit lebt aber auf dem Land in kleinbäuerlichen Familien. Dies deutet daraufhin, dass man es nicht geschafft hat, Infrastruktur in abgelegenen Gegenden sicherzustellen und Zugang zu Wasser und Land in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Ebenso wurden die Kleinbauern nicht angemessen beraten, so dass sie beispielsweise ihr Saatgut hätten weiterentwickeln können. Das ist allerdings ein schon lange vorhersehbares Problem. Gibt es eine wirkliche Nahrungsmittelknappheit auf der Welt oder nur ein Verteilungsproblem? Wir könnten alle Menschen auf der Erde ernähren. Dazu müsste der Flächenverbrauch aber genau bedacht werden und die Flächennutzung für den Bau von neuen Industrieanlagen in Schwellenländern wie Indien müsste ebenso wie der Flächenverbrauch für Agrotreibstoffe gestoppt werden. Außerdem müsste man Menschen, die Land bewirtschaften, in ihrer Produktivität unterstützen. Viele Kleinbauern, die landwirtschaftliche Beratung durch unsere Partner bekommen, können ihre Produktion verzwei- bis vervierfachen durch angepasste standortgerechte Maßnahmen. Ist Gentechnik eine Lösung? Gentechnisch manipuliertes Saatgut als großflächige Lösung zu propagieren heißt Kleinbauern auch noch das Letzte aus der Hand zu nehmen, nämlich ihr eigenes Saatgut. Es heißt die Kleinbauern dauerhaft abhängig zu machen vom Kauf von Produkten internationaler Konzerne. Diese machen damit Geld, dass Menschen nicht mehr wie seit Jahrhunderten ihr eigenes Saatgut züchten und verwenden. Das führt dazu, dass weitere Bauern aufgeben müssen, was im vergangenen Jahrzehnt häufig der Fall war. Denn mit dem Kauf von Saatgut geht immer auch die Abhängigkeit vom Kauf von Pestiziden und Düngemitteln einher, die man dann beim gleichen Konzern zusätzlich kaufen muss. Das kann also nicht die Lösung sein.
Cornelia Füllkrug-Weitzel Was ist dann die Lösung? Man muss den Kleinbauern helfen, ihr eigenes Saatgut standortgerecht weiterzuentwickeln, so dass es resistent ist gegen zunehmende Klimawandeleinwirkungen, die ebenfalls Teil der Ursache sind. So hatten wir eine Reihe von Missernten, bedingt durch Klimakatastrophen, die weiter zunehmen. Wenn große Flächen in Zukunft nicht mehr bebaubar sind, hilft auch kein Gen-Saatgut mehr, dann hilft nur noch eine Anpassung an die neuen klimatischen Gegebenheiten und eine Diversifizierung der Anbauprodukte in der Region. Was können wir selber tun? Insofern das Ganze auch mit dem Klimawandel und den hohen Energiepreisen zu tun hat, ist ganz klar ein Umdenken in unseren Köpfen auf eine energiesparendere Lebens- und Konsumweise nötig. Das ist zentralwichtig, auch für die Ernährung der Welt. Wir müssen wegkommen vom Glauben, dass wir es nötig haben, immer mehr exotische Produkte auf den Tisch zu bekommen. Dieses Denken trägt erst dazu bei, dass es interessant wird, Flächen von Kleinbauern zu Exportanbauflächen umzuwandeln. Wir sollten uns auf die Nahrungsmittel besinnen, die in unserem Land und unserer Region wachsen und vor allem auch auf die Saison, in der sie wachsen. Müssen wir uns darauf einstellen, dass die Preise weiter steigen? Ja, das müssen wir. Dies führt dann vielleicht auch dazu, dass wir einmal darüber nachdenken, was uns das Essen eigentlich wert ist. In den 1950er Jahren, als ich Kind war, haben wir einen erheblich größeren Teil für Nahrungsmittel ausgegeben. Allerdings haben damals auch die Bauern im eigenen Land und weltweit angemessene Preise bekommen, was heute in beiden Fällen nicht mehr der Fall ist. Wir sollten uns darauf besinnen, was für einen Wert Nahrungsmittel für uns haben. Darauf, ob es angemessen ist, so wenig für Fleisch oder Milch zu bezahlen. Was nicht heißt, dass ich begeistert jubele, wenn die Preise steigen. Aber die steigenden Preise könnten dazu anregen, einmal darüber nachzudenken, dass Gerechtigkeit und Qualität von Nahrung auch ihren Preis haben. Was erhoffen Sie sich von der Podiumsdiskussion am Donnerstag? Meine Hoffnung ist, dass die jungen Leute quer denken, grundsätzlich und kritisch fragen und sich nicht mit einfachen Lösungen abspeisen lassen. Aber genau das traue ich gerade jungen Menschen besonders zu. Das Podiumsgespräch mit offener Diskussion zum Thema „Hungrig? Satt? Ursachen und Folgen der Welternährungskrise“ findet am Donnerstag, 10. Juli ab 20 Uhr in der Kalkscheune in Berlin statt. Moderiert wird der Abend von zwei radioeins-Moderatoren. Weitere Informationen unter www.einewelteinezukunft.de


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tzzzzzzzz
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Mag ich Mag ich nicht

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10.07.2008 - 13:24 Uhr
tzzzzzzzz

Liegt vielleicht auch an der Nähe zu Holland? ;-)

querspieler
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Mag ich Mag ich nicht

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10.07.2008 - 13:26 Uhr
querspieler

Ich will damit ja nicht sagen, dass das ok ist oder dass ich jeden Tag 40 Euro ausgebe, ganz im Gegenteil. Aber an dem Beispielbetrag hab ich mich jetzt nicht gestört.
Ja hier in München reisen die Bergbauern an und verkaufen ihre Sachen auf dem Markt. Da muss man natürlich extra für's Runtertragen zahlen...

kulturgut
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Mag ich Mag ich nicht

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10.07.2008 - 13:29 Uhr
kulturgut

tzzzzzzzz sagte:
Erste Frage: "Zwanzig Euro für etwas Obst, Gemüse, Milch und Brot beim Einkaufen auszugeben, ist mittlerweile normal (...)"
Bitte!? Was versteht die Autorin denn unter "etwas"? Einen Zentner?
Zehn Euro für gute Lebensmittel, okay. Aber zwanzig Euro!?


es gibt auf dem markt ähnliche lebensmittel in höchst unterschiedlichen qualitäten, da kann das ausgabeverhalten leicht um mehrere 100% schwanken. die gleiche menge pasta zum selbstkochen gibt es für 29 cent und für 5 euro, je nach produktspezifika und preisschwankungen.

und dennoch wird in deutschland in relation zum durchschnittseinkommen wesentlich weniger für nahrungsmittel ausgegeben als in früheren jahrzehnten. ob jemand 10, 20 oder 40 euro ausgibt sagt gar nichts solange man nicht das gesamte einkommens- und preisgefüge kennt.

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Mag ich Mag ich nicht

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10.07.2008 - 13:33 Uhr
kulturgut

huch, du hast es selbst schon so ähnlich geschrieben...na dann...

nordzucker
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Mag ich Mag ich nicht

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10.07.2008 - 14:26 Uhr
nordzucker

wenn in iowa ein starkes gewitter herniedergeht, steigt in chicago der getreidepreis innerhalb eines tages um 50%. das alles ohne muenchner bauernmarkt oder eine tuete brot fuer 20 oder 40€.

fuer einen grossteil des kurzfristigen massiven preisanstiegs wuerde ich mal spekulativ diese richtung schauen. allerdings gibt es in industriengesellschaften bei der falschen ernaehrung haeufig ein problem: blasenschwaeche.

nach der klassischen theorie leert sich die blase alsbald auf ein niveau unterhalb der ausgangsbasis.
das allerdings koennte fuer die zumeist agrarorientierten entwicklungslaender, aber noch viel mehr fuer die derzeit profitierenden schwellenlaender ein groesseres problem, als ein zu hoher lebensmittelpreise, werden.

kulturgut
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10.07.2008 - 15:26 Uhr
kulturgut

nordzucker sagte:
wenn in iowa ein starkes gewitter herniedergeht, steigt in chicago der getreidepreis innerhalb eines tages um 50%. das alles ohne muenchner bauernmarkt oder eine tuete brot fuer 20 oder 40€.

fuer einen grossteil des kurzfristigen massiven preisanstiegs wuerde ich mal spekulativ diese richtung schauen.


nein, für den preisanstieg verarbeiteter lebensmittel in den westlichen ländern dienen die rohstoffpreise nur als argument, aber das eigentlich teure daran sind nicht die rohstoffe, sondern zb personal- und bürokratiekosten sowie energie.

in einem brötchen, das du beim becker kaufst, stecken vielleicht für einen cent rohwaren. wenn es dann mal 1.5 cent sind verändert das seine margenkalkulation nicht wesentlich. aber wenn er beim personal einen fehler macht, einen arbeitsrechtsprozess verliert oder die energiekosten drastisch steigen, das merkt er.

in der dritten welt sieht es natürlich anders aus

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10.07.2008 - 15:27 Uhr
kulturgut

äh bäcker

querspieler
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Mag ich Mag ich nicht

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10.07.2008 - 15:34 Uhr
querspieler

Das sieht man ja auch an dem Überfluss, wenn abends ohne dass der Bäcker weint übriggebliebene Brötchen im Extremfall in den Müll wandern. Und das gilt auch für das Hummer-Buffet im Nobelhotel, nur auf höherem Niveau.

nordzucker
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Mag ich Mag ich nicht

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10.07.2008 - 16:03 Uhr
nordzucker

@kulturgut:
doch, mach ich, denn der boerse in chicago sind die personalkosten oder fehler des personals deines baeckers ziemlich egal.

zum verstaendniss: "brot fuer die welt" verteilt in darfur keine kaefer tiefkuehlpizza.

kein_koks_fuer_sherlock_holmes
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Mag ich Mag ich nicht

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11.07.2008 - 01:26 Uhr
kein_koks_fuer_sherlo…

die haben ja den slogan von der love parade '98 geklaut.

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