02.07.2008 - 20:12 Uhr

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Plattenladensterben.

Text: ShesSoHigh

In meiner Stadt hatten wir früher drei richtig große Läden, in denen man CDs (und ein wenig Vinyl) kaufen konnte. Wir mögen noch viele kleine Plattenläden gehabt haben, aber ich war erst 14 und ich kannte einfach keinen, zumindest keinen, der sich nicht auf Hip Hop spezialisiert hatte. Zuerst hatten wir WOM. Natürlich muss man WOM eigentlich hassen, eine böse, fiese Kette und nicht der nette Laden vom schrulligen Mann mit Bart. Aber ich war 14 und ich kannte keinen Plattenladen (der sich nicht auf Hip Hop spezialisiert hatte - und bei dem ich die CD-Preise hätte annähernd bezahlen können). WOM aber war toll, er hatte sogar Japanimporte meiner Lieblingsbands, die ich zwar nie kaufte, weil die Preise mein Taschengeld um vielfaches überstiegen, die ich aber doch immer ehrfürchtig in die Hand nahm. Japanimporte haben interessante Pappapplikationen am Rand, in denen auf japanisch irgendwas geschrieben steht. Zumindest sah das unter der mächtigen, stets völlig zerkratzten Diebstahlschutz-Plastikhülle bei WOM so aus. Nur mit Mühe konnte man darunter entziffern, welche Bonussongs die Japanimporte eigentlich von der europäischen Version unterschieden. WOM war riesig, ein übergroßes Repertoire all meiner Lieblingsbands, WOM schien wirklich immer alles zu haben was ich wollte. Fast immer vergaß ich die Zeit, fast immer brauchte ich nahezu eine Stunde, um alle Bands abzuklappern, die ich mochte und deren Platten ich noch nicht alle hatte. Um am Ende doch wieder nur Angebote zu kaufen, maximal zwei, weil zu mehr das Geld einfach nicht reichte. Irgendwann in den Jahren zwischen 96-98 war noch ein zweiter WOM - sinnig WOM 2 gennant - hinzugekommen, bei dessen Eröffnung - ich war da - einige grauenhafte Bands spielten, deren Namen heute wieder völlig vergessen sind, die damals aber kleinere One-Hit-Wonder gelandet hatten. Der Sinn eines zweiten WOM - der viel kleiner war als der erste und zudem nur etwa 500 Meter entfernt - erschloss sich mir nie. Aber ich erinnere mich noch, dass ich hier meine erste Blur-CD kaufte. Wie ich vor dem Regal mit den damals schon 6 Blur-Alben stand, noch beinahe keinen Song der Band kannte und mich entscheiden musste. Ich habe allen Klischees entsprechend das Album mit “Song 2” drauf genommen, es nach Hause getragen und angehört. Ich habe mich sofort in “Look Inside America” verliebt, die CD auf Kassette überspielt und sie im Walkman den ganzen Sommer herumgetragen. Der dritte Plattenladen war der beste, den wir je hatten. HMV. Ich war damals noch nie in London gewesen, HMV war exotisch, ich hatte den Namen noch nie gehört bevor er mitten in meiner Stadt eröffnete. HMV hatte alles und mehr, es gab drei Stockwerke, HMV hatte im Untergeschoss sogar Singles. Nicht nur Charts, nein, auch ältere Singles meiner Lieblingsbands. Ich machte mir damals einen Spass daraus, Preise bestimmter CDs in allen drei Läden zu vergleichen vor dem Kauf, legte imaginäre Listen an, welche Single ich mir wann kaufen würde und welche CD als nächstes. Es waren so viele Stunden, die ich in einem meiner Läden stand und jene Musik kaufte, die mich bis heute begleitet - oder eben auch nicht, aber die dann doch zumindest für einen gewissen Zeitraum bei mir war. Irgendwann nach der “Jahrtausendwende” verschwanden HMV und WOM 2 wieder aus der Innenstadt, schlossen einfach ihre Türen, zurück blieb nur der erste WOM, der immer schon da gewesen war. Alle paar Monate gehe ich noch dorthin, immer, wenn ich in meiner Stadt bin und genug Zeit habe. Ich vergesse sie ja so schnell wenn ich nach Platten stöbere, immer noch. Aber von Mal zu Mal sieht WOM anders aus, kleiner. Immer mehr breiten sich die anderen Abteilungen im Karstadt-Multimedia-Stockwerk aus, wo früher CDs waren sind heute Handys und Laptops. Oder Yoga-DVDs. Generell werden viel mehr DVDs verkauft als es früher Videos. In den Fächern meiner Lieblingsbands stehen keine Japanimporte mehr, außer jenen immer gleichen, die dort schon seit Jahren stehen, weil sie immer noch niemand gekauft hat. Die ohnehin kleine, aber doch okaye 7’’-Vinyl-Abteilung von damals gibt es nicht mehr, abgesehen von den 20 hässlichen roten Paul Weller 7’’ in scheußlicher durchsichtiger Plastikhülle, die seit sicherlich 2 Jahren dort stehen, bei denen sich der Einkäufer wohl verkalkuliert hat. Wo früher das Regal mit den Angeboten war, bei denen ich mich immer ewig entscheiden musste zwischen so vielen guten Platten die ich nicht hatte, liegen heute einige wenige Schlager-CDs und beknackte Compilations. Als ich all die tollen Bands abklappere, von denen mir noch Platten fehlen, stelle ich fest: zumeist ausverkauft. Oder völlig überteuert. Was dort inzwischen deshalb auch nicht mehr geht, ist, einfach die Zeit zu vergessen.


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gewitterhexe
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Mag ich Mag ich nicht

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11.02.2009 - 18:31 Uhr
gewitterhexe

http://monsters.blogsport.de/2008/01/22/...

in göttingen hat auch vor kurzem ein toller, kleiner plattenladen geschlossen.

donArossa
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Mag ich Mag ich nicht

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16.05.2009 - 09:44 Uhr
donArossa

Tja, Geiz ist geil.
Wir werden uns noch zu Tode hungern, weil wir kein Geld für lebenserhaltende Mittel ausgeben wollen....

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ShesSoHigh

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