02.07.2008 - 19:00 Uhr

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Diese Mini-Computer - braucht doch keiner! Brauch ich dringend!

Text: peter-wagner - mit Dirk von Gehlen

Mini wird nun Mainstream: Discounter Aldi bringt am Donnerstag einen superkleinen Laptop in die Filialen. Das provozierte Streit in der jetzt.de-Redaktion. Wer braucht diese Rechner? Ein Fall für Zwei

peter-wagner sieht in den kleinen Computern ein versklavendes Element und ein reines Gadget, das niemand braucht. Hier sein CONTRA: Keine Sorge, ich bin mir darüber im Klaren, dass jede vermeintliche Lücke im Markt gefüllt sein muss und ich finde die Idee, einen Minicomputer an die Menschen zu bringen auch nicht verwerflich. Es gibt ja nicht nur Häuser zu kaufen sondern auch Eigentumswohnungen. Obwohl! Der Vergleich hinkt und das passt mir ins Konzept. Wohngelegenheiten sind an den Geldbeutel und vor allem an die Zahl der Bewohner und an ihre nicht von der Hand zu weisenden unterschiedlichen Bedürfnisse gepasst. Beim Minicomputer kann davon nicht die Rede sein. Mit ihm füllt sich eine Lücke um der Lücke Willen. Wir bekommen ein zusätzliches Gadget, Spielzeug, Extradings, dessen Nutzen mir bei sehr genauem Hinschauen einfach nicht einleuchtet:
Dämliche Computerzeigebilder, erster Teil: Wurstfinger auf Mini-Computer.
Die meisten von uns verbringen sage und schreibe den halben wachen Schaffenstag mit dem Ergebnis-Auswurf von Computerprozessoren. Zuhause geht die Chose weiter, da stehen auch Computer, weil die ja die Wanderschuhe sind, mit denen wir zum Google laufen können oder mit denen wir die Hausarbeit oder Dings zu Ende bringen. Will sagen: ES GIBT NICHT DEN LEISESTEN BEDARF AN NOCH MEHR PC! Was sich zudem hinter dieser Ansage versteckt, ist nicht Technikskeptizismus, wie man vermuten kann, nein, dahinter verbirgt sich auch mein Lieblingsargument, demzufolge technischer Fortschritt an gewissen körperlichen Koordinaten nicht vorbei kommt. Ich habe mir zum Beispiel den EeePC von ASUS beim Riesenelektrohändler in meiner Nähe sehr genau beschaut. Jetzt kann ich, durchaus, den schieren Reiz eines solch kleinen, geschrumpften, ver-hobbitisierten Computers verstehen, jaja, da kommt zunächst ja auch der gefühlige Käufer und aufgeschlossene Mensch in mir durch. Dann aber: Habe ich meine Baggerhände auf der Tastatur niedergelassen und bin, auch bei meinen Händen ein Klaustrophob, gleich wahnsinnig geworden. Sind so kleine Tasten! Sind so viele Tippfehler! Ich habe beim Testmodell die Textverarbeitung geöffnet, das Internet und rausgefunden: Diese Welt dort draußen ist nach DIN-A4 geeicht – nicht nach DIN A5. Dauernd musst du die Seite rumschubsen, verschieben, verscrollen, es ist eine einzige Fadheit. Dann habe ich mich brav auf einen festen Karton in der Nähe gesetzt und nachgedacht und noch mehr rausgefunden: Dieses Gerät gibt es nur, weil es reizvoll ist, etwas derart niedliches zu besitzen. Und weil der Mensch ein Depp ist und denkt, er müsse alle und jede Zeit seines Lebens – die Pendelei, das Warten, das Zwischendrin des Lebens – mit Arbeit und Beschäftigung füllen. Ein elender Schluss, der da gezogen wird, weil er voraussetzt, dass wir nie mehr entkoppelt sein werden von dem, was man Arbeit oder Erreichbarkeit nennt. Mir macht das Sorge. P.S. Zum Aldi kannst du mich übrigens trotzdem mitnehmen - der Barbera d’Asti von dort ist wirklich nicht falsch. Auf der nächsten Seite ist Dirk von Gehlen ganz Technik-Optimist und erklärt, weshalb ein aufgeklärter Mensch Mini-Computer braucht.
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peter-wagner

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


München