23.06.2008 - 22:21 Uhr

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Gipfelsturm - das EM-Tagebuch - Tag sechzehn

Text: Digital_Data

Dieser Tag der EM brachte uns eines der besten Spiele überhaupt, vielleicht sogar das vorweggenommene Endspiel. Die Russen begeisterten mit offensivem, ultraschnellem Angriffsfußball und einer nach der Auftaktniederlage gegen Spanien weiter gefestigten Abwehr. Das jüngste Team der EM festigt sich weiter und wird mit jedem Spieltag mehr zu einem klaren Titelfavoriten. Und die Niederländer? Sie hatten zwar in der regulären Spielzeit auch gute Chancen und können sich als Verdienst auf die orange Fahne schreiben, dass sie uns zusätzliche 30 Minuten tollen russischen Fußball gezeigt haben, aber gerade in der Verlängerung waren sie chancenlos. Wie kam das? Für mich war dies nicht unerwartet. Analysieren wir das russische Spiel. Das russische Spiel ist schnell, ja, kräfteraubend möchte man meinen. Es ist aber nicht nur durch schnelle Konter geprägt, es ist auch schnell in der Ausführung. Der Ball und auch die Spieler sind oft sehr schnell unterwegs. Die russischen Flügelflitzer Flanken grundsätzlich beim ersten Mal. Sie schlagen keinen Haken um eine bessere, ungestörtere Flanke zu schlagen, sie Flanken sofort. Ob der Angriffsspieler schon so weit ist, egal, ob der Verteidiger die Flanke blocken kann, egal, ob die Flanke ins Nirvana fliegt, egal. Denn der Haken vor der Flanke kostet Zeit, ein oder zwei Sekunden und damit kann sich die Abwehr nach dem Sprint zurück formatieren, diese Zeit gewähren die Russen nicht. Warum ist dieses Spiel für die Abwehr aufwändiger, als für den Sturm?
Roman Pavlyuchenko (©Getty Images) Wenn zwei oder drei russische Spieler einen Konter starten, dann müssen fünf oder sechs niederländische Abwehrspieler hinterher. Das multipliziert die Laufwege bei den Verteidigern und dieses dauernde hinterher Laufen zermürbt. Bereits in der 35 Minute nach einem dieser schnellen Angriffe konnte Wesley Sneijder gerade noch im Strafraum reingrätschen. In der folgenden Großaufnahme sah man ihn nur Kopfschütteln. Auf Dauer geht das nicht gut. Eigentlich kann das die russische Mannschaft nicht dauernd machen. Aber ein weiterer Pluspunkt der Russen ist die Fähigkeit, mühelos und komplett das Tempo zu variieren. Nach den beiden Chancen der Niederländer in der ersten Halbzeit in der 26. und 29. Minute (zwei Spieler segeln nach einem Freistoß nur knapp am Ball vorbei, unter anderem Ruud Van Nistelrooy) geben die Russen fast innerhalb von Sekunden Gas. Die Folge sind eine Großchance von Andrej Arschawin und zwei Knaller-Fernschüsse. Und das einen kurzen Moment auf flackernde holländische Sturmpflänzchen wird im Keim erstickt, weil alle hinten aushelfen müssen.
Roman Pavlyuchenko zum 1:0 (©Getty Images) Diese unglaublich gekonnte Tempoveränderung der Russen, die im ersten Spiel gegen Spanien noch bei weitem nicht so gut gelang ist ein weiterer Schlüssel des Erfolges. Weiter hat sich die Abwehr, wie schon erwähnt, weiter stabilisiert. Sie steht nun wesentlich besser, die Mittelfeldspieler betreiben ein schnelles Forechecking und nehmen den Gegnern die Bälle teilweise im Kampf Mann-gegen-Mann ab. Sie laufen nicht mit dem Stürmer mit, sie laufen nicht vor ihnen her, sie suchen sofort und kompromisslos die Konfrontation und stören damit, selbst wenn sie den Ball nicht erobern, den Aufbau. Die gute Abwehrleistung war dann auch etwas der Grund für das 1:1. Der russische Torwart wusste, er konnte sich auf seine Vorderleute verlassen, deshalb fängt er eine Flanke im Fünfmeterraum nicht ab. Sicherheit ist immer auch etwas gefährlich. Das passiert aber sicher nicht noch einmal. Klassisch das 3:1. Einwurf in den Rücken der Abwehr, da es beim Einwurf kein Abseits gibt, dann auf den Ball gewartet, der Verteidiger ist hinter ihm, näher zum Tor und plötzlich lässt der den Ball einfach durch läuft los und gewinnt diese eine Sekunde um alleine vor dem Torwart zu sein. Überraschung ist eines der Zauberwörter der Russen. Digital_Data Die Bilder sind von hier: http://en.euro2008.uefa.com/tournament/m...


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3 Kommentare

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voiceofregret
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Mag ich Mag ich nicht

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24.06.2008 - 13:42 Uhr
voiceofregret

tolles spiel, tolle tore. spanien wird auf ein völlig verändertes rußland treffen, im vergleich zur vorrunde. aber ob es schon zum titel reicht? zuzutrauen wäre es ihnen in dieser form, es sei denn, ihre enorm kraft- und ausdauerkostende spielweise fordert ihren tribut.

nach portugal fährt mit holland die nächste mannschaft nach hause, die nach den ersten vorrundenspielen zum titelkandidaten gemacht wurde.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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24.06.2008 - 13:44 Uhr
Digital_Data

Das Spiel der Spanier hat auch Kraft gekostet und die Russen haben einen Tag mehr. Das soltle helfen ;-).

Digital_Data

soulfool
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Mag ich Mag ich nicht

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05.07.2008 - 10:40 Uhr
soulfool

die russen hatten ein-einhalb schlechte spiele bis dahin. das gegen spanien, da wussten sie selbst noch nicht wie sie stehen. ob ihre fähigkeiten tatsächlich reichen. gegen die griechen war die unsicherheit auch noch bis zum 1:0 zu spüren. dananch wurden großchancen vergeben, die andere manschaften nicht in drei spielen hatten. dann kam arshavin und neuer schwung und neben unverfrohrener leichtigkeit auch selbstvertrauen dazu.

unglaublich: wie beim vorigen 4tel-finale, auch hier erst eine späte entscheidung. erstaunlich wie die frechen russen die wesentlich erfahreneren niederländer in der verlängerung ausgeknockt haben.

hätte ich gerne gesehen - sicher ein augenschmauß!


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