"Bist du zufällig in der Gegend?" Ein Nachruf auf das Date
Man telefoniert sich zusammen, schaut mal und später stößt man vielleicht dazu. Dabei war doch eigentlich mal anders, wenn man küssen wollte. Damals nannte man es Date. Ein Nachruf
Neulich, gegen ein Uhr nachts in einer Bar: Das Handy einer Freundin machte Piep. Ein Typ, den sie ganz gut fand, hatte ihr folgende SMS geschickt: „Ich bin in der Bar XY was trinken. Bist zu zufällig in der Gegend?“ Die Botschaft zwischen den Zeilen war nicht schwer zu enträtseln. Die Art, sie vorzubringen aber auch nicht sonderlich einladend. Trotzdem wechselten wir die Bar. Auf dem Weg dorthin fragten wir uns, wann das letzte Mal eine Beziehung oder eine Affäre mit einem fest verabredeten Stelldichein angefangen hat. So mit geplanter Unternehmung und tagelanger Vorfreude. Da dämmerte es uns: Das Date ist tot. Als es noch Bestandteil eines normalen Wochenendes war, folgte ein Date einer gewissen Dramaturgie. Über den Ablauf herrschte stillschweigendes Einvernehmen: Ansprechen, Nummer austauschen, zwei Tage später anrufen, Date am Wochenende klarmachen, Programm starten. In den USA, dem Mutterland der Dating-Kultur, küsst man nicht beim ersten Date und schläft frühestens nach dem dritten miteinander. Das europäische Drehbuch beinhaltete einige Abweichungen, das Rendezvous war aber in jedem Fall für beide Beteiligte als solches erkennbar. Der klassische Weg einer Annäherung begann mit einem gemeinsamen Kinobesuch. Drohte, der Abspann zu nahen und die Hände waren immer noch zentimeterweit voneinander entfernt, wusste man, dass demnächst etwas passieren musste. Der zweite Klassiker: Essen gehen. In trauter Zweisamkeit versuchte man, seinen Thai-Curry im Mund zu behalten und währenddessen sich verkrampft die Neuerscheinungen auf dem Musikmarkt vorzutragen. Ob die Konversation auf Autopilot lief oder die Floskeln auswendig gelernt waren („Ich mochte von Coldplay nur das Parachutes-Album“), war nicht wichtig. Wichtig war das, was später kam. Und wenn der andere keinen Totalschaden hatte, kam da in der Regel auch was.
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19.06.2008 - 19:35 Uhr
komber
ärgerlicher finde ich eher, dass mit dem handy jede pünktlichkeit flöten gegangen ist, aber das nur am rande.
es gibt glaubich selten gelegenheiten bei denen man die schauspielerischen fähigkeiten von normalen menschen besser beurteilen kann als bei einem date.
hab auch trotz handy verabredungen, auf die man sich tagelang freut und die nicht durch ein "biste grad inner gegend" zustande kommen :)
ist das jetzt retro oder was? :)
2. Mann, jetzt kommt sogar von der Jugend ein: Früher war alles besser.
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19.06.2008 - 19:05 Uhr
DagnyTaggart