"Das Gefühl, überwacht zu werden hat uns bis nach Hause verfolgt"
Michael Steinmann, 21, ist Jugendsprecher des Deutschen Hockey-Bundes. Vor kurzem nahm er an einer Delegationsreise nach China teil und blickte bei den Olympia-Machern hinter die Fassaden. Wie das war? Ein Interview über enttäuschende Staatssekretäre, verlorene SMS, ständige Überwachung und seltsam herrenlose Badelatschen
Michael, wie kam es überhaupt zu dieser Reise? Der chinesische Ministerpräsident war 2006 zu Besuch in Deutschland, um Werbung für die Olympischen Spiele zu machen. Bei einem Treffen mit Angela Merkel hat er 400 deutsche Jugendliche aus verschiedenen Bereichen eingeladen, nach China zu kommen. So gab es Delegationen der Politik, Kultur oder Wissenschaft. Wir Sportler waren die letzte. Die Chinesen haben das Ganze organisiert – war es ein typischer Touri-Trip? Natürlich haben wir die wichtigen Sehenswürdigkeiten besucht: Chinesische Mauer, Verbotene Stadt, Kaiserpalast. Aber die Reise sollte ja einen sportlichen Schwerpunkt haben. So haben wir zum Beispiel ein Sportleistungszentrum in Shanghai besichtigt und in Peking das olympische Museum und das „Vogelnest“, das neu gebaute Stadion. Auffällig war aber, dass in allen Sportstätten die Sportler gerade zufällig beim Mittagessen oder bei Wettkämpfen waren – dabei lagen ihre Badelatschen noch da ... Trotzdem haben wir Einblicke bekommen, die keinem normalen Touristen gewährt werden. Der politische Höhepunkt war ein Treffen mit dem ständigen Vorsitzenden des Nationalkongresses. In den Kongress darf eigentlich kein „Normalsterblicher“ rein – wir bekamen eine Führung. Klingt nicht, als hättet ihr viel Sport gemacht. Einmal haben wir mit chinesischen Jugendlichen ein paar Minuten Basketball gespielt. Sie waren am Wochenende extra für uns in eine Mittelschule bestellt worden. Ansonsten hätten wir vielleicht abends im Hotel noch etwas machen können, aber nach den langen Banketten und Empfängen waren wir dazu meistens nicht mehr in der Lage oder wollten lieber noch einmal in die Stadt. Es war ja auch nicht Sinn und Zweck des Ganzen, schließlich handelte es sich um eine sport-politische Reise. Ich hatte auch gar keine Sportklamotten eingepackt.
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