16.06.2008 - 19:00 Uhr

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"Aber nicht zum Nulltarif" - Warum die Gema gegen RapidShare klagt

Text: dirk-vongehlen

In der Rosenheimer Straße in München sieht man den Aufstieg von RapidShare kritisch. Hier sitzt die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" (Gema), die unlängst mit einer Klage gegen RapidShare für Schlagzeilen sorgte. Gaby Schilcher, Sprecherin bei der Gema, erläutert ihre Kritik.


jetzt.de: Was ist der Hauptvorwurf an die Firma RapidShare?

Schilcher:
Dienste wie RapidShare nutzen massiv in illegaler Form Musik bzw. sie unterbinden dies zumindest nicht. Und das heißt, dass die Musikurheber, die die Musik gemacht haben, dafür nicht bezahlt werden. Das ist Enteignung und eine massive Urheberrechtsverletzung.

jetzt.de: Und wieso gehen Sie ausgerechnet gegen RapidShare vor?

Schilcher:
Grundsätzlich gehen wir gegen alle Dienste dieser Art vor. Wir fangen aber mit den größten an und RapidShare ist nun mal der größte Anbieter im Bereich der Sharehoster. Somit steht die juristische Auseinandersetzung auch beispielhaft für die ganze Branche.

jetzt.de: RapidShare argumentiert: Wir stellen nur den Speicherplatz zur Verfügung. Man kann ja die Post auch nicht für Briefbomben verantwortlich machen, die über sie verschickt werden.

Schilcher:
Das klingt zwar wie ein schönes Beispiel, der Vergleich trifft es aber trotzdem nicht, weil die Post gewissermaßen nur der Zugangsprovider wäre. Und wüsste die Post, dass sie eine Briefbombe transportiert, müsste sie auch haften. Außerdem gelten die Urheberrechte überall gleichermaßen, also auch im Internet. Die Argumentation von RapidShare ist von Anfang an von den Gerichten verneint worden. Und die Betreiber wissen auch davon, dass dort urheberrechtlich geschütztes Material hochgeladen wird.

jetzt.de: Das ist aber nicht unrechtmäßig. Wenn ich beispielsweise bei iTunes Musik kaufe, wird mir sogar empfohlen, eine Kopie davon zu machen, die kann ich ja zum Beispiel auch bei RapidShare speichern.

Schilcher:
Wenn Sie es nur für sich ablegen, ist das richtig. Wenn man es aber anderen zur Verfügung stellt, ist das schon wieder was anderes. Dann reden wir über einen Verbreitungsweg.

jetzt.de: RapidShare argumentiert: Man kann unser Angebot nicht durchsuchen, wir können nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn jemand den virtuellen Schlüssel weitergibt. Und außerdem: Wenn uns Urheberrechtsverletzungen bekannt werden, löschen wir sofort. Das reicht Ihnen aber nicht?

Schilcher:
Nein, es kann nicht sein, dass jeder einzelne Musikurheber auf allen Plattformen im Netz rumsurfen und nach seiner Musik suchen muss. Wir brauchen da eine für alle gültige Lösung.

jetzt.de: Wie könnte die aussehen? Soll RapidShare seinen Dienst einstellen?

Schilcher:
Nein. Die Gema ist sehr daran interessiert, dass Musik genutzt wird - aber im Sinne unserer Mitglieder, also nicht illegal. Wir sind der Meinung: Je mehr Musik genutzt wird, umso besser. Nur: Es muss legal sein, die Urheber müssen dafür bezahlt werden.

jetzt.de: Wie kann das funktionieren?

Schilcher:
Der einfachste Weg ist eine Lizenz. Da gibt es für unterschiedliche Nutzungen bereits feste Tarife für eine angemessene Vergütung. In dem noch relativ neuen Bereich des Sharehostings muss man sich jetzt zusammensetzen und verhandeln: Was ist angemessen?

jetzt.de: Können Sie dafür eine Größenordnung nennen?

Schilcher:
Da kann man derzeit keine Zahlen nennen. Man muss sich erst zusammensetzen und die Karten auf den Tisch legen. Die müssen uns sagen, wie viele Nutzer sie haben und wir müssen sagen, wie die Tarife bei uns liegen und dann muss man verhandeln.

jetzt.de: Bisher ist das Verhältnis aber eher konfrontativ . . .

Schilcher:
. . . vielleicht ändert sich das ja mal. Wir möchten alle Musiknutzungen angemessen lizenzieren, also so, dass die Kunden zufrieden sind, aber auch die Musikurheber, die ja davon leben müssen. Dabei haben wir gar nichts gegen Anbieter wie RapidShare. Auch die sollen ihr Geschäft machen, aber nicht zum Nulltarif und nicht auf dem Rücken der Urheber.

jetzt.de: Könnten Sie sich ein Modell vorstellen, das wie bei CD-Rohlingen funktioniert, wo man eine so genannte Leermittelabgabe zahlt? Kann das auch für Speicherplatz im Netz funktionieren?

Schilcher:
Grundsätzlich kann man in jede Richtung denken. Uns geht es um eine angemessene Vergütung.

jetzt.de: Wie geht es jetzt weiter?

Schilcher:
Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Auseinandersetzung gewinnen, genau wie die vorherigen. Die aktuelle Klage vor dem Landgericht Hamburg, die wir im März eingereicht haben, ist inzwischen an RapidShare in der Schweiz zugestellt. RapidShare hat nun vom Gericht eine Frist eingeräumt bekommen, in der sich das Unternehmen zu den Vorwürfen äußern kann. In der Regel dauert es etwa sechs Monate, bis es dann zur Verhandlung kommt. Eine Entscheidung dauert dann ungefähr noch einmal so lange.


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__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

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17.06.2008 - 09:36 Uhr
__xxx__

Jemand sollte gegen Gema klagen, die größten Ausbeuter überhaupt.

nixbewiesenausserich
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17.06.2008 - 12:39 Uhr
nixbewiesenausserich

die gema ist allerdings ein riesiger haufen scheisse ...

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

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17.06.2008 - 13:28 Uhr
__xxx__

Vor allem wer selbst eine Band hatte oder hat dürfte sie gut kennen. In dieser Hinsicht bin ich froh dass ich keine Band mehr betreibe.

status_quo_vadis
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17.06.2008 - 14:35 Uhr
status_quo_vadis

ich finde, die gema sollte eine pauschale für internettraffic bekommen, sagen wir 10 cent für jedes megabyte traffic von jedem user weltweit. schliesslich sind da immer mindestens 10% illegale urheberrechtsverletzungen drin, oder so.

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17.06.2008 - 14:37 Uhr
status_quo_vadis

und überhaupt, musikverkaufende unternehmen und ihre interessenverbände haben ja inzwischen fast dieselben rechte wie die staatlichen institutionen, was IP-Auskünfte von Providern etc. angeht, da könnten sie doch als neues marktfeld online-Durchsuchungen gleich mit übernehmen.

syno
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17.06.2008 - 16:52 Uhr
syno

ich finde, die Gema sollte zerschlagen werden. ist nur der juristische Arm der Musikindustrie. und diese, als "Industrie" hat mit Kunst und Kultur nur noch wenig zu tun. sie produziert nur noch Fließbandware.
Reclaim the music! von wegen Urheberrecht...

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17.06.2008 - 16:59 Uhr
syno

ich frage mich grade, ob die GEMA jetzt meine IP herausfinden will...

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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17.06.2008 - 19:49 Uhr
Digital_Data

"wie viele Nutzer sie haben und wir müssen sagen, wie die Tarife bei uns liegen und dann muss man verhandeln."

Aha, da sind wir ja wieder, was der Nutzer macht ist egal. Ob ich mein FAX zum kopieren nutze ist egal, Huaptsache es wird bezahlt.

Ob ich meinen Brenner für illegale Kopien nutze ist egal, Hauptsache es wird bezahlt.

Ich dachte eigentlich Sippenhaft gibt es nicht mehr. Wenn jemand ein Auto klaut, dann muss ich den Dieb erwischen und nicht den parkplatzbesitzer auf eine pauschale Abgabe verklagen. Man kann alles für rechtswidrige Verfahren nutzen, der Bereitsteller einer Infrastruktur ist nicht der Schuldige. Man macht es sich da etwas einfach bei der GEMA. Erst wenn der Anbieter der Infrastruktur nicht reagiert, wäre ein gerichtlicher Anspruch gerechtfertigt.

Digital_Data

syno
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Mag ich Mag ich nicht

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17.06.2008 - 20:31 Uhr
syno

ich bin mir jetzt nicht sicher, ob du das bereits angesprochen hast, aber es ist so, dass du bereits mit dem Erwerb eines kopierfähigen Geräts, also FAX, Computer, Brenner und was es sonst noch so alles gibt, eine Abgabe an Rechtverwerter zahlst, so zum Beispiel sieben Cent für jeden gekauften Rohling.
das perfide daran ist, dass daraufhin das kopieren kriminalisiert werden soll...
mit ein wenig Glück und wenn alles gerecht läuft, wird der Markt aber hier tatsächlich einmal alles von selbst regeln, der Onlinevertrieb wird die Regel und diejenigen, die sich nicht drauf einstellen... naja. bisher haben die Rechterverwalter die Internetrevolution verpennt und ihr Image auf Jahre hinaus ruiniert.
ich würde um keinen dieser Menschen weinen.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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18.06.2008 - 02:52 Uhr
Digital_Data

@syno

Ich weiß das mit den Gebühren sehr genau. Auch schon auf Videorekordern und Videokassetten waren Gebühren drauf, auch auf Brennern etc.

Digital_Data

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dirk-vongehlen

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.