11.06.2008 - 19:15 Uhr

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Selbstbefriedigung als Kunst

Text: theresa-steinel

Gerald Kukla, 27, studiert an der Akademie der Bildenden Künste in München. In seiner ersten Ausstellung „POZR – COZ U NEED IT“ sind eigenwillige Masturbations- und Posergeräte zu sehen.

jetzt.de: Deine Arbeit wird als „erster Pozr Showroom in München“ präsentiert. Was bedeutet das?
Gerald Kukla: Pozr heißen die Geräte, die ich baue. Der Pozr Showroom ist einfach der erste Ausstellungsraum für die Marke Pozr. Unter dieser Marke präsentiere ich meine bildhauerischen Arbeiten. Pozr steht für den ganz normalen Begriff „Poser“, den man auch aus dem Sport kennt oder aus abfälligen Bemerkungen über komische Kerle.

Was bezwecken deine Geräte?
Die Geräte entstehen aus einer Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper, es dreht sich alles um Körperhaltungen, deswegen auch Pozr. In dieser Ausstellung geht es speziell um Männlichkeit, Imponiergehabe, Auffälligsein, Frauen beeindrucken.

Wie bist du auf so ein männerkritisches Thema gekommen?
Ich glaube, das hängt mit meiner Kindheit zusammen. Ich habe wahnsinnig viele Comics gelesen und all die Schund-Sendungen wie „He-Man“ und „Airwolf“ angeschaut. Das ist so eine Welt, in der ich ab und zu lebe. Mir macht das sehr viel Spaß, aber es sind natürlich Märchen. Ich finde es spannend von der Ästhetik her und von dem Bild, das einem verkauft wird über Männer - von wegen, dass sie unglaublich stark sind und alles können. Das ist natürlich nicht so im echten Leben. Und genau in diesem Spannungsfeld arbeite ich.

Deine Geräte stellen also die Erwartungen an das Männerbild von heute in Frage?
Auch das. Man kann es aber auch sehr gut auf den Kunstbetrieb beziehen. Vor allem der Pozr „Gorilla-R“, bei dem man sich ganz heftig auf die Brust trommeln und Töne erzeugen muss. Wenn man das nicht macht auf dem Kunstmarkt, passiert es ganz schnell, dass egal, wie gut die Arbeit ist, sie untergeht und von keinem gesehen und gewollt wird.

Besonders schön ist deine Maschine „P-Cock“. Ist das eine Anspielung auf den Penis-Vergleich unter Männern?
Definitiv. Es hat auch was mit dem Mann-sein an sich zu tun. Wie in der Tierwelt auch, sind wir Männer doch nur Tiere und versuchen, Frauen zu beeindrucken. Und genau das macht der „P-Cock“: Wenn er sich einen runterholt, bläst sich hinter ihm ein Pfauenrad auf.

Bei der Präsentation deiner Geräte bist du in Unterwäsche. Hat das eine Bedeutung?
Wichtig ist mir, dass relativ viel vom menschlichen Körper gezeigt wird. Dabei soll keine Kleidung im Weg sein.

[plugin bildergalerie Bild1="Der POZR GLADIAT-R" Bild2="Der POZR 1000" Bild3="Der POZR P-COCK" Bild4="Gerald Kukla auf dem POZR TURN-R" Bild5="Der P-COCK von hinten" Bild6="Und nochmals der P-COCK, diesmal in Aktion"]

Posen Frauen auch?
Natürlich tun sie das. Sie benutzen ganz viel Schminke zum Beispiel und Push-up-BHs. Da gibts ganz tolle Dinge, die Frauen einsetzen können

Machst du das vielleicht zum Thema deiner nächsten Arbeit?
Definitiv. Dieses Mal ist alles rein auf Männer gemünzt. Aber es ist grundsätzlich so, wenn man Männer anspricht ist das Frauen-Thema unweigerlich verbandelt. In meinem Kopf sind auch schon Sachen für Frauen.

Was hast du bisher für Reaktionen bekommen?
Manche sind schockiert. Da das ganze hier wie ein Schaufenster-Laden aufgebaut ist, ist die Reaktion erstmal Überraschung, Irritation. Viele bleiben draußen vor dem Fenster stehen und wissen nicht was das soll. Einer ist reingekommen und hat gefragt: „Eröffnen Sie hier jetzt ein Fitnessstudio?“ Der hat gar nicht begreifen können, dass das Kunst ist. Und eine Frau kam rein und hat gefragt: „Kommt das wieder aus Amerika? Diese neue Sportart kommt wieder aus Amerika, oder?“

Was ist dein Lieblingsexponat?
Der Protect-R. Das ist ein Cape aus schwarzem Kunstleder und vielen Nieten das man sich umhängen kann. Die Funktion von diesem Ding ist, dass man sich einigeln und verkriechen kann. Das Superhelden-Prinzip wird hier umgedreht: Anstatt die Welt zu retten, sucht man Schutz unter seinem Mantel und ist der Feigling.

Möchtest du nach Beendiung deines Studiums kommerziell arbeiten? Vielleicht als Sex-Toy-Hersteller?
Eigentlich nicht. Die Austellungsexponate sind ja keine Spielzeuge für den privaten, heimlichen Gebrauch. Ich werd versuchen es als freischaffender Künstler zu schaffen.


Die Ausstellung „POZR – COZ U NEED IT“ wird in München bis zum 24.06.2008 von Mittwoch bis Sonntag von 16-20 Uhr in der AkademieGalerie in der U-Bahn Station Universität zu sehen sein.


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22 Kommentare

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virgina
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Mag ich Mag ich nicht

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11.06.2008 - 20:10 Uhr
virgina

Interessiert mich. Das ist doch nicht nur ein Sex-Thema..oder immer eines..

imalittlepea
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Mag ich Mag ich nicht

0

11.06.2008 - 20:38 Uhr
imalittlepea

ich würd so gern immer ein foto von den interviewten sehen!

Paula_Strebitz
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Mag ich Mag ich nicht

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11.06.2008 - 22:47 Uhr
Paula_Strebitz

'Sex sells'... dann wird er wahrscheinlich Erfolg haben als Künstler. Zu gönnen ist es ihm, ist eben ein hartes Business, in dem man(n) alle Register ziehen muss, um sich überhaupt etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen.

jonina
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Mag ich Mag ich nicht

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11.06.2008 - 22:47 Uhr
jonina

das lockt doch keinen hund hinterm ofen hervor.

aentru
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Mag ich Mag ich nicht

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11.06.2008 - 23:09 Uhr
aentru

ich find seine Ideen gar nicht schlecht.

karrrrrrak
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Mag ich Mag ich nicht

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11.06.2008 - 23:17 Uhr
karrrrrrak

in einer pornografischen alltagskultur lockt der damit keinen hinterm ofen hervor. die idee ist vielleicht ganz witzige idee aber mehr ist das auch nicht.
schade das es kein foto von dem mantel gibt den er im interview erwähnt hat.

Fabien_Philip_Meunier
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Mag ich Mag ich nicht

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11.06.2008 - 23:56 Uhr
Fabien_Philip_Meunier

Ja, schade, den Mantel hätte ich auch gern gesehen.
Ich kann mich nicht entschließen, persönlich gefällt's mir weitaus besser als manches, was sich sonst noch so Kunst schimpft und wo die Wahrheit ja doch nur "im Auge des Betrachters liegt" - weil nämlich keine drin ist.
Die Aussagen von Herrn Kukla gefallen mir dagegen schon sehr gut.
Allerdings bin ich auch der Meinung, dass das Ganze wohl keine weiten Kreise ziehen wird. Vielleicht ganz einfach deshalb, weil es nach allem Schock noch zu ernsthaft ist?

meth147258369
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Mag ich Mag ich nicht

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12.06.2008 - 08:18 Uhr
meth147258369

schon ganz lustig, aber ich glaube der erhoffte "große erfolg" bleibt aus...

der_neue_orhe
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Mag ich Mag ich nicht

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12.06.2008 - 09:05 Uhr
der_neue_orhe

waer schoen, wenn die bilder erlaeutert werden. was macht man denn in diesem kriechfahrrad? macht das duckmaeuserische stiefellecker mobil?

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

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12.06.2008 - 09:56 Uhr
__xxx__

Gähn.

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theresa-steinel offline

theresa-steinel

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.