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Technik

| 06.06.2008 19:00  

The Filter: Warum Peter Gabriel dein Leben leichter machen will

Glaubt man Peter Gabriel, dann ist das Wichtigste, was uns zum Glück fehlt, ein Filter. Unter diesem Titel hat der ehemalige Genesis-Sänger in diesen Tagen eine Website gestartet, deren erklärtes Ziel es ist, dein Leben zu verbessern. Und Peter Gabriel könnte das mit The Filter in der Tat gelingen.
Vereinfacht ausgedrückt geht es Gabriel darum, die Empfehlungsfunktion, die man aus dem Online-Buchhandel kennt, aufs ganze Leben auszudehnen: „Menschen, die sich für diese Form der Freizeitgestaltung entschieden haben, leben auch so“. Gabriel nennt das im Slogan der Site „Entertainment filtered for you“ und spricht von einem „life jockey“, den er schaffen will. Dieser soll ähnlich seinem Namensvetter an den Plattentellern eine Orientierung im Leben geben. „Die erste Welle war eine Freiheit zur Entscheidung, die zweite Welle befreit vom Zwang zur Entscheidung“, erläutert der Musiker und Web-Entwickler. In einer Welt, in der das Angebot zur Unübersichtlichkeit wird, will man nicht mehr alles sehen, sondern nur noch das Passende.





Der Glücks-Filter: Screenshot von Gabriels schwer gängiger Flash-Site, die sich erkennbar noch im Beta-Stadium befindet

Das Prinzip ist nicht neu: Amazon oder Last.fm bringen so schon seit einer Weile Musik und Bücher an den Nutzer. Spannend wird die Idee jedoch, wenn es Gabriels Filter tatsächlich gelingt, die Empfehlungen auf weitere Lebensbereiche auszudehnen. Denn wenn wir ehrlich sind, sehnen wir uns danach.

Wir haben uns daran gewöhnt, die zum Trend zusammengefasste Meinung der anderen zu hören. Wir glauben nicht mehr daran, dass eine einzige Person die Autorität und die Übersicht besitzt, wirkliche Ratschläge zu erteilen. Wer daran gewöhnt ist, seinen Kulturkonsum mit Hilfe Gleichgesinnter zu organisieren, sucht doch genau danach: Nach einer Plattform, die dir verrät, zu welchem Zahnarzt eigentlich die Menschen gehen, die genau wie du mit jenem Ohrenarzt zufrieden sind. Wir glauben insgeheim fest daran, dass es irgendwo eine Entsprechung zur lokalen Stammkneipe in Form eines Cafes in der Fremde geben muss („Menschen, die in München dort ausgehen, treffen sich in Barcelona hier“). Denn wenn man einmal ein gewisses Geschmacks-Niveau erreicht hat, will man es am liebsten sofort und mit wenigen Mausklicks auf anderen Bereich übertragen können. Und dass dabei nicht unwichtig sein kann, was viele für wichtig halten, ist es uns zur selbstverständlichen Maxime geworden.




Der Glücks-Filterer: Früher machte Peter Gabriel selber Musik, heute will er Menschen dabei helfen, passende Songs für ihr Leben zu finden. Foto: AP

Klar, dass wer gerne Radiohead hört sich auch mit The Verve anfreunden kann, ist dabei lediglich der Anfang. Die ganze Dimension dieses Systems versteht man erst, wenn man es auf Freundinnen und Ex-Freundinnen überträgt („Mädchen, die mit P. zusammen waren, mögen auch M.“). Dann erst wird einem wirklich bewusst, was Gabriel mit der Freiheit vom Zwang zur Entscheidung meint – und dass das nicht nur wünschenswert ist. Denn wo es keine Unübersichtlichkeit mehr gibt, gibt es auch keine Überraschungen mehr. Und auf die wollen wir, bei aller Sympathie für Gabriels schwergängige Flash-Site, dann doch nicht verzichten.

Nachtrag für Technik-Freunde: Die Website zu The Filter basiert auf einer Flash-Anwendung, die noch nicht richtig rund läuft. Zusätzlich kann man ein Filter-Plugin für iTunes installieren. Im jetzt.de-Test förderte dies aber keine wirklich guten Ergebnisse zu Tage. Die Site ist halt noch im Beta-Stadium.


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zuckerrr 08.06.2008 | 03:11
wie unfassbar bescheuert.

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Harhar 08.06.2008 | 12:43
„Die erste Welle war eine Freiheit zur Entscheidung, die zweite Welle befreit vom Zwang zur Entscheidung“

Alle Denker der Aufklärung würden sich bei diesem Satz im Grab rumdrehen.

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sonnenblumenmaler 08.06.2008 | 13:26
Es lebe die Gleichschaltung

Wo bleiben denn dann die Überraschungen?

Meint er wirklich Mainstream als Lebensideal?

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Basstrommel 08.06.2008 | 14:48
Vorsicht. Was, wenn wir am Ende wirklich mit einem solchen System glücklich zu machen sind?

Ich bin mir zwar nicht sicher, aber gerade der Vergleich zu last.fm zeigt, dass ein solches System prinzipiell funktioniert.

Was, wenn es jetzt auch in größeren Dimensionen Anwendung finden kann?

Ein sehr interessantes psychologisches Experiment, wie ich finde, dessen Ausgang wir vielleicht beobachten sollten, auch, wenn wir und nicht dafür begeistern...

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__xxx__ 09.06.2008 | 16:56
Er will mein Leben besser machen? Dann schick mal ein paar Milliönchen, lieber Peter... am sonsten bleib mir vom Hals mit dem hohlen Geplapper.

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