Bücher und Internet: Das Kaleidoskop der Vergangenheit
Die Bibliotheken wachsen über sich hinaus - und mit dem Internet zusammen / Von Ulrich Johannes Schneider
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03.06.2008 - 09:45 Uhr
stagflati
Auch sehe ich die Parallelwelt im Internet, die da anklingt, nicht. "Das Internet" ist längst normaler Bestandteil des Alltags der Welt, in der die meisten hier leben. Wenn Bibliotheken da eine Rolle spielen wollen, müssen sie schlicht da (im Internet) mitmachen. Und gerade an Projekten, wie den im Artikel genannten, kann man wunderbar studieren, warum sie sich dabei so schwer tun. Man kann nicht in einer wichtigen Rolle im Internet mitspielen, wenn man es nicht versteht. Und man kann auch keine Technikprojekte durchführen ohne ausreichend technische Kompetenz daran zu beteiligen (die Frage dabei ist aber nicht: "Informatiker oder Bibliothekare?", wie sie gelegentlich schon zugespitzt wurde).
Eine Haltung der Art "wir haben das gute Wissen[tm]" oder gar "wir wissen, was gutes Wissen ist" ist ebenso schädlich wie vor 10 Jahren Missverständnisse zum Thema "Misthaufen Internet". Informationsmüll gibt es nicht. Wissen ist ein Rohstoff, der in allerlei Formen codiert vorliegt, z.B. in alten Büchern oder in neuen Blogeinträgen. Zum Kerngeschäft der Informationsgesellschaft gehört es, aus diesem Wissen Information zu gewinnen, also etwas daraus zu machen (im Sinne von Information als Wissen in Aktion). Das ist aber meist ein sehr individueller, subjektiver Prozess (Lernen funktioniert ja nicht mit dem Nürnberger Trichter, klingt in dem Artikel ja auch an). Da kann ein Wissenshäppchen, das andere für Müll halten, mal in einer Situation für mich ungeheuer nützlich sein und so zu einer wichtigen Information werden.
In meinem Alltag helfen mir da Google und Wikipedia wesentlich öfter als das riesige Magazin der Bibliothek hier im Keller. Trotz all der mühevollen (und teuren!) Erschließungsarbeit, die die fleißigen Bibliothekare da hinein stecken, hilft mir das Relevanzranking bei Google (trotz aller Schwächen, derer ich mir bewusst bin) oft besser.
Wenn man all die bibliothekarische Mühe und Sorgfalt sinnvoll algorithmisch nutzen, mit einer benutzbaren(!) Oberfläche versehen und so anbieten würde, dass es ins "Internet passt"... Schade. Stattdessen vergammelt die wertvolle Arbeit in OPACs oder "Suchmaschinentechnologie fürs Bibliothekswesen", die man sich für viel Geld aufschwatzen lässt...