01.06.2008 - 18:59 Uhr

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Ein Lob auf die Kurzkultur: Trailer, T-Shirts, Twitter – warum die beste Unterhaltung selten mehr als drei Minuten braucht

Text: dirk-vongehlen

Das Häppchen hat kein gutes Image. Wer Häppchen zu sich nimmt, gilt entweder als übertrieben nobel (zum Beispiel beim Essen mit einem Glas Champagner) oder als übertrieben dumm. Wer bei Büchern, Filmen oder Musik nicht die sperrige Langform wählt, so der hochgeistige Verdacht, kann ja nicht gebildet sein. Dabei beweist gerade die oft gescholtene Häppchen-Welt im Internet: Gute Unterhaltung braucht selten mehr als drei Minuten. Denn wer wenig Zeit hat, hat vor allem keine Zeit für Langeweile. Diese Erkenntnis ist mittlerweile zur Richtschnur vieler guter Filme, Lieder und Texte geworden. Immer mehr kulturelle Produkte erreichen Größe, in dem sie auf ein Minimum reduziert werden. Ein Loblied auf die Kurzkultur – kondensiert auf zehn Punkte:

1 Dreißig Sekunden. Länger brauchte Yael Naim nicht, um ihren Ohrwurm so in die Köpfe der Zuschauer zu singen, dass „New Soul“ zu einem überraschenden Welt-Hit wurde. Die Sequenz, die ein Computerhersteller als Werbespot für sein dünnstes Notebook wählte, reichte aus, um Yael Naim und ihre Musik weltweit bekannt zu machen. An dieser Erfolgsgeschichte kann man beispielhaft ablesen, wie Werbung heute Hits produziert. Wenn eine große Marke wie Apple einen Song für ihre Werbespots auswählt, macht das die Band mit größerer Gewissheit zu Superstars als ein Besuch bei Dieter Bohlen. Nächster Beweis für diese These wird die britische Band The Ting Tings sein, deren Lied „Shut Up And Let Me Go“ vertont gerade auf allen Sendern die iPod-Werbung und ist auf dem besten Weg, ein Sommerhit des Jahres 2008 zu werden. 2 Hits funktionieren heute mehr denn je auch ohne die komplizierte Verpackung eines so genannten Albums. Musik kauft man nicht mehr wie Eier im Dutzend, sondern liederweise. Das muss nicht den Tod des Albums bedeuten, es heißt aber sicher, dass man langweilige Lieder nicht mehr wie früher mit der Forward-Taste am CD-Player überspringt. Heute hört man sich online vorab einen 30-Sekunden-Ausschnitt an und kauft nur noch die Songs, die einem gefallen.
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