"Wir machen doch nichts Illegales!" Wie Carsten deine Web-Historie löscht
Ob Sauffotos, üble Nachrede oder privater Pornofilm – Carsten Hoppe ist der Mann für alle Fälle. Seine Firma datenwachschutz.de löscht unliebsame Inhalte aus dem Internet, bevor sie der Chef oder die Schwiegereltern finden. Im Interview erzählt er von Dateileichen, der störrigen Musikindustrie und warum Paris Hiltons Sexfilmchen uns für immer erhalten bleibt
Ihr Dienst wird sicher auch von Leuten benutzt, die sich um einen Job bewerben, oder? Ja, wir haben öfter Kunden zwischen 20 und 30 Jahren, die Angst haben, dass potenzielle Chefs ihre „Jugendsünden“ im Internet aufstöbern. Einer von denen hat uns 60 verschiedene Nicknames genannt, die er alle irgendwann mal benutzt hat – er hatte gar keinen Überblick mehr. Dass da ordentlich was zusammenkommt, sehe ich aber schon an meiner Tochter. Sie ist 13 und chattet im Moment dauernd bei Knuddels. Bald landet sie wahrscheinlich bei Spickmich und nach dem Abi dann im StudiVZ. Irgendwann hat sie vielleicht mal ein Problem mit ihrem Auto und meldet sich in einem Portal an, oder schreibt einen Leserbrief im Spiegelforum ... Welche Tipps geben Sie, damit man trotzdem zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird? Google kennt vielleicht 70 Prozent des Internet. Das heißt, Google kennt nicht das Innere von StudiVZ oder Xing. Trotzdem sollte man nicht denken, dass die Fotos vom letzten Trinkgelage da privat bleiben. Denn jeder Personalchef wird dort einen Account haben, wenn er Studenten einstellt. Solche Seiten sind nach außen hin abgeriegelt, aber es ist kein Problem, hineinzukommen. Wir raten immer dazu, sich mehrere E-Mailadressen einzurichten. Eine für Gewinnspiele, eine für Foren, für Communities oder für Ebay, eine private und eine geschäftliche – je nachdem, wie viel man damit jeweils zu tun hat. Suchen Sie eigentlich manchmal nach sich selbst oder Ihren Bekannten? Natürlich gerät man mal in die Versuchung, nach seinen Freunden zu suchen. Wir tun ja den ganzen Tag nichts anderes ... Bisher habe ich das aber nur gemacht, wenn sie mich darum gebeten haben. Von mir selbst gibt es irgendwo noch meine aller erste Homepage. Die ist grottenschlecht und inzwischen bestimmt 15 Jahre alt. Eben eine von diesen Dateileichen, die keiner mehr nutzt, die aber von den Suchmaschinen noch gefunden werden. Wenn man da nicht aktiv wird, bleiben die für die Ewigkeit. Internetseiten haben nun mal kein Verfallsdatum. Kann man etwas, das einmal im Internet steht, wirklich endgültig löschen? Das kommt auf die Relevanz an. Die Fotos von Ihrer letzten Party haben sich vielleicht hundert Leute angeschaut und zehn gespeichert, da ist es unwahrscheinlich, dass die noch einmal auftauchen. Aber so etwas wie der Porno von Paris Hilton, der Millionen mal heruntergeladen und immer wieder irgendwo gepostet wird – der wird nie ganz verschwinden.- Der Panda in mir 25.05.2012
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