20.05.2008 - 19:35 Uhr

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Giftige Frösche, stinkende Sümpfe: Warum Biodiversität so wichtig ist

Text: johannes-graupner - Bilder: BMU / naturallianz.de

Gestern hat die 9. Naturschutzkonferenz der Vereinten Nationen in Bonn begonnen. Über 5000 Politiker, Wissenschaftler und NGO-Vertreter diskutieren bis zum 30. Mai darüber, wie die biologische Vielfalt bewahrt werden kann. Doch wozu brauchen wir eigentlich giftige Frösche, stinkende Sümpfe und bizarre Urwaldgewächse? jetzt.de hat bei Jochen Flasbarth, Abteilungsleiter Naturschutz im Bundesumweltministerium und deutscher Verhandlungsführer auf der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn, nachgefragt.

Herr Flasbarth, „UN-Konvention über die biologische Vielfalt“ ist zunächst ein sperriger Begriff. Was verbirgt sich eigentlich dahinter? Geht es nur um Tierschutz? Das wäre ja nichts wirklich Neues. Die „UN-Konvention über die biologische Vielfalt“ gehört wie das Klimarahmenabkommen und die Wüstenkonvention zu den drei völkerrechtlichen Abkommen, die bei der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 zur Unterzeichnung auslagen. Deutschland ist seit ihrem In-Kraft-Treten am 29. Dezember 1993 Vertragspartei der Konvention. Im Strategischen Plan des Übereinkommens wurde das Ziel festgelegt, den Verlust der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 entscheidend zu verringern. Dieses so genannte „2010-Biodiversitätsziel“ wurde beim Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg durch die Staats- und Regierungschefs bestätigt. Doch trotz dieses weltweiten Bekenntnisses nimmt die Biodiversität weiterhin weltweit dramatisch ab.
weltweit sind 15.000 Arten vom Aussterben bedroht Wozu brauchen wir denn eigentlich Nacktmulle, giftige Raupen, mückenverseuchte Sümpfe und exotische Süßkartoffelsorten? Mit der Zerstörung der biologischen Vielfalt graben wir Menschen letztlich uns selbst das Wasser ab. Wir vernichten Baupläne für Arten, für Technologien, für Stoffe, die wir heute oft noch nicht einmal kennen geschweige denn verstehen. Ein Beispiel: Mitte der siebziger Jahre wurde in Australien eine Froschart entdeckt, die keine Eier legt, die sich dann irgendwo im Tümpel zu Kaulquappen entwickeln, sondern die Weibchen dieser Art nahmen die Eier auf, verdauten sie nicht etwa, sondern brüteten die jungen Frösche im eigenen Magen aus. Wissenschaftler; die die Tiere untersucht haben, versprachen sich von der weiteren Untersuchung dieser besonderen Art neue Einblicke und Behandlungsmöglichkeiten für schwere Magenerkrankung beim Menschen. Und dann konnten die Untersuchungen nicht fortgesetzt werden, weil die Frösche zwischenzeitlich ausstarben.
Jochen Flasbarth Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat gerade gesagt, wir müssten uns „der unbequemen Frage stellen, ob wir weiterhin nur Berge von Papier mit wenig Inhalt produzieren oder ob wir unserer Verantwortung gerecht werden wollen.“ Was sind denn die konkreten und greifbaren Ziele der Bonner Konferenz? Die aus unserer Sicht wichtigsten Themen der Konferenz sind der Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich, die Finanzierung des globalen Biodiversitätsschutzes, ein globales Schutzgebietsnetz, Der Schutz der Wälder und der Weltmeere sowie der Zusammenhang von Biodiversität und Klimawandel. Der Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern und Meeresökosystemen stehen ganz oben auf der Dringlichkeitsliste. Wie soll man Menschen in Entwicklungsländern davon abbringen, Urwälder zu zerstören, wenn diese die einzige Nahrungsgrundlage darstellen? Muss man nicht an ganz anderer Stelle ansetzen? So wie es in Deutschland eine äußerst schwierige Aufgabe ist, unsere gewachsene Chemie-, Energie- und Autoindustrie so zu organisieren, dass die ökologischen Grenzen insbesondere im Klimaschutz eingehalten werden, so fällt es anderen Ländern nicht leicht, ein Entwicklungsmodell zu verändern, dass seit Jahrzehnten auf der Umwandlung von Wald oder anderen Ökosystemen in Agrarflächen beruht. Wir wissen, was getan werden müsste, um die Vielfalt der Natur zu erhalten. Und wir wissen, was getan werden müsste, um regional die Wirtschaft zu entwickeln. Die Schwierigkeit ist, diese beiden Ziele miteinander in Einklang zu bringen. Auf der nächsten Seite: Jochen Flasbarth über Bio-Piraterie, europäischen Meeres-Raubbau und die Frage, wer den Naturschutz eigentlich bezahlen soll
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johannes-graupner

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.