19.05.2008 - 10:00 Uhr

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15 Jahre jetzt-Journalismus - ein Rückblick

Text: tobias-kniebe

In dieser Woche ist es 15 Jahre her, dass erstmals ein jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung beilag. Aus diesem Grund gibt es online auf jetzt.de in dieser Woche einen Blick ins Archiv: 15 Jahre jetzt-Journalismus, als gedrucktes Heft, als Online-Magazin und als jetzt-Kosmos – einfach durchklicken unter jetzt.de/15Jahre
Zum Jubiläum haben wir Tobias Kniebe gebeten, über den Reiz dessen zu schreiben, was für ihn den jetzt-Journalismus ausmacht und ausgemacht hat: Er hat die wechselvolle Geschichte des Magazins (das im Sommer 2002 wegen der damaligen Zeitungskrise eingestellt wurde) miterlebt, kennt den jetzt-Kosmos und hat auch für das Magazin Neon gearbeitet. Heute leitet er die Filmredaktion der Süddeutschen Zeitung.



Schreiben für jetzt ging immer einfacher als für alle anderen. Schwer zu sagen warum. Man stellt sich vor dem leeren Computerbildschirm ja doch ein Gegenüber vor, einen Menschen, dem man den nächsten Artikel erzählen will. Bei jetzt war das jemand, der einen sofort verstand. Mit den üblichen journalistischen Floskeln, den festgelegten Formen zur Vermeidung des Wesentlichen durfte man ihm nicht kommen. Es half also nichts, man musste sich selbst in diesen Texten zeigen – und wenn das mal klar war, schrieben sie sich dann oft wie von selbst. Die jungen Leser, die ebenfalls in jetzt zu Wort kamen, in den Wortprotokollen, die „Warten auf“ hießen, besonders aber in der Lebenswert-Liste, zeigten auch immer etwas von sich selbst. Und es war faszinierend, wie einen aus einem „Lebenswert“-Halbsatz Schönheit, Poesie, Gefühl und Wahrheit geradezu anspringen konnten. Da musste man erstmal mithalten als Autor. Und deshalb blieb die Lebenswert-Liste in den ganzen jetzt-Jahren, in denen sich alles immer ändern sollte, auch unangetastet bis zum Schluß.

Chefredakteurs-Runde

Heute ist diese erste Runde von Leuten, die sich die Lebenswert-Liste und viele andere jetzt-Ideen ausgedacht haben, eine lustige Vorstellung. Da saßen die künftigen Chefredakteure von Zeit, Abendzeitung, Brigitte und Emotion zusammen. Sie haben eine schöne, vor allem aber offene Form geschaffen, die der Rahmen war, in dem sich junge Schreiber in Texten dann selbst zeigen konnten. Nicht mehr mit dieser großen Ego-Gonzo-Geste des Tempo-Journalismus davor, wo Subjektivität noch laut sein musste, um sich vor dem Zeitgeist zu rechtfertigen. Sondern mit einer gewissen Beiläufigkeit. Das war es letztendlich. Kaum vorstellbar in einer Welt mit Abermillionen Blogs, dass gerade die Beiläufigkeit einmal etwas Besonderes war – aber das Internet kannte 1993 noch kein Mensch, das war ein Geheimtipp für die wirklich Eingeweihten im Uni-Computerraum. Jedenfalls war schnell klar, dass es einen Kreis von jungen Lesern gab, die wirklich jedes Wort verstanden, und ein paar davon standen dann bald auch auf der Matte und wollten mitschreiben – im Grunde, kann man im Rückblick sagen, eine halbe deutsche Journalisten-Generation.

Wie groß der Kreis derjenige war, die verstanden, darüber gab es dann immer wieder heftige Debatten. Man trifft ja auch im richtigen Leben Menschen, zu denen man einfach keinen Draht hat. Die waren bei jetzt immer egal, die mussten nicht auch noch mitgenommen werden. Weshalb Verlagsleute und Zahlenmenschen und Marktforscher bald den Verdacht hatten, das Magazin reiche im Grund gar nicht über den Kreis der Fans hinaus, und dieser Kreis sei, in harten Zahlen ausgedrückt, erschreckend klein. Das Gegenteil ließ sich nie beweisen, bis der Verlag die Sache aufgab und es der Konkurrenz überließ, einen Teil die letzten jetzt-Mannschaft einzukaufen und diese Idee des Journalismus einem Wirklichkeits-Test am Kiosk zu unterziehen.

Zeichen der Liebe

Das Ergebnis heißt heute Neon und beweist jeden Monat unwiderlegbar, dass der Kreis der Verstehenden tatsächlich größer ist als je gedacht. Und dass man gerade nicht lauter oder anders reden darf, um zur (älter gewordenen) jetzt-Generation zu sprechen. Sie lässt sich, muss mal wohl sagen, mit gedrucktem Papier überhaupt nur noch so erreichen. Im Internet wiederum wurde die Idee, möglichst vielen jungen Schreibern eine Plattform zu geben, sich selbst zu zeigen, die Grundlage des Erfolgs von jetzt.de. Aber um Zielgruppe und Erfolg ging es am Ende gar nicht.

Es ging eher um Momente wie jenen Tag im Juli 1995, den Morgen nach dem Ende einer Beziehung, nach dem Verlust einer wunderbaren Frau. Da musste ich einen kurzen jetzt-Text schreiben, ausgerechnet über die „Zeichen der Liebe“ – über die geheimen Gesten und Rituale, mit denen Paare sich verständigen, die sie nur für sich selbst erfinden und für niemand sonst. Erst schien das Schreiben über dieses Thema unmöglich, nicht nur an diesem Tag, sondern möglicherweise für immer. Dann ging es doch, verblüffend schnell, der Text schrieb sich wieder einmal von selbst, und wichtig war dann eigentlich nur, dass er fertig war. Was die Mädchen darin gelesen haben, denen ich noch Jahre später irgendwo vorgestellt wurde, und die dann nur von diesem einen Artikel sprachen, mit einem gewissen Glanz in den Augen und einem in die Ferne schweifenden Sehnsuchtsblick, kann ich leider nicht sagen. Ich habe das angenommen wie ein Geschenk, das durch Nachfragen nur zerstört wird.

Aber eines ist klar: So etwas konnte es vor dem jetzt-Magazin nicht geben und auch danach eigentlich nicht mehr. Schwer zu sagen warum.


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__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

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19.05.2008 - 13:58 Uhr
__xxx__

Kann man eigentlich etwas aus der Anfangszeit irgendwo sehen/lesen?

jushi
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Mag ich Mag ich nicht

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19.05.2008 - 14:09 Uhr
jushi

Großartig, die alten Hefte. Ich erinner mich teilweise wirklich noch sehr gut.

Wenn wir jetzt aber schon beim großen Nostalgie-Rundumschlag sind: Wie wärs denn zur Feier des Tages mit ein bisschen alter jetzt.de-Webseite? Das müsste doch auch drin sein… hm?

getupkid
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19.05.2008 - 14:23 Uhr
getupkid

erinnere ich mich sehr gerne dran, das lag immer auf meinem essplatz, wenn ich morgens runtergekommen bin. für meine eltern war es natürlich eher uninteressant.

riennevaplus
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19.05.2008 - 14:27 Uhr
riennevaplus

buhu. mein vater hat es ganz früher immer vor mir versteckt oder es weggeschmissen, weil er meinte, das sei nichts für mich. aber irgendwann hatte ich gewonnen. und die kurze zeit, die ich und es dann physisch miteinander hatten, war einfach zu wenig. papier, bilder, erlebnis. jaja, früher.

voiceofregret
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19.05.2008 - 14:30 Uhr
voiceofregret

was war das früher für ein wochende-abo der sz! da war der montag noch enthalten und man hatte montags nicht nur die hervorragende bundesligaberichterstattung im sportteil, sondern das "jetzt" noch dazu.... hach ja.

arvid
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19.05.2008 - 14:33 Uhr
arvid

es wäre wirklich an der zeit das jetzt wieder printmedium wird.

man hat mir gesagt die alte jetzt mannschaft sei bei der faz am sonntag gelandet, was ich angesichtes der wunderbaren artikel glauben kann.

dine
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19.05.2008 - 14:44 Uhr
dine

arvid sagte:
es wäre wirklich an der zeit das jetzt wieder printmedium wird. man hat mir gesagt die alte jetzt mannschaft sei bei der faz am sonntag gelandet, was ich angesichtes der wunderbaren artikel glauben kann.

zum teil sind die leute auch bei neon.

lapute
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19.05.2008 - 14:45 Uhr
lapute

happy birthday!!

vom jarvis cover (22. oktober 2001) hab ich mir damals extra 5 hefte gekauft. so gut sah (bzw. sieht) er aus.
oh jarvis....

oh jetzt...
als meine eltern letztens meine sammlung (die ich aus platzgruenden noch bei ihnen lagere) ins altpapier wandern lassen wollten bekamen sie aber was von mir zu hoeren!

MisterJones
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19.05.2008 - 14:50 Uhr
MisterJones

@arvid: Die alte jetzt-Mannschaft ist überall. FAS, NEON, SZ-Magazin, SZ, Zitty, Emotion, ... Das waren viele.

Und ja, ein Jetzt-Heft wäre was tolles.

marquez
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Mag ich Mag ich nicht

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19.05.2008 - 14:52 Uhr
marquez

ich liebte das heft, jeden montag. im kollegstufenraum, im hoersaal, in der mensa, es war immer dabei.

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