Fotografieren und fertig machen: Wie der britische Tunichtgut bekämpft werden soll
Die Regierung von Großbritannien ist unbeliebt. Mit der so genannten Frame and Shame-Kampagne will sie ihr Image aufpolieren: Potentiell kriminelle Jugendliche sollen in den nächsten Tagen von der Polizei massiv bedrängt werden
Aus der Geschichte bekannt ist das Phänomen Stellvertreterkrieg: Um die verheerenden Konsequenzen einer direkten Konfrontation zwischen zwei Großmächten zu vermeiden, führt eine der beiden einen Kampf gegen eine strategisch vermeintlich bedeutungslose Ersatzmacht. Der Einsatz gegen Rüpelhaftigkeit und Mangel an Respekt unter der Jugend einer Nation ist des in Bedrängnis geratenen Politikers liebster Stellvertreterkrieg. Das wissen wir bereits seit Roland Koch und dem hessischen Wahlkampf. In Großbritannien aber reitet Innenministerin Jacqui Smith das Popularitätsvehikel Ruhe-und-Ordnung“ gerade im Formel-Eins-Tempo. Sie hat angekündigt, dass die Polizei in den nächsten Tagen großflächig „asoziale Jugendliche“ massiv „belästigen“ würde. So genannte „Frame and Shame“-Aktionen seien geplant. Dabei fotografiert und befragt die Polizei verdächtige junge Menschen über mehrere Tage lang regelmäßig und führt Hausdurchsuchungen und Personenkontrollen durch, teilweise mehrmals am Tag. Zudem werden Action Squads gebildet, also Gruppierungen von freiwilligen Asozialen-Überwachern. Tatsächlich hat Großbritannien ein Problem mit seinen wütenden jungen Männern, oder Yobs, wie sie auch genannt werden. Laut Umfragen trinken 42 Prozent der 13-Jährigen Kampf; die die Waffengewalt unter Jugendlichen hat beträchtliche Ausmaße angenommen – zumindest in der Wahrnehmung der Briten. Vor allem im letzten Jahr kamen einige Kinder durch Schießereien und Messerstechereien ums Leben, was von den Medien als Trend gewertet und von der Bevölkerung als massive Bedrohung empfunden wird. Statistisch gesehen ist die bewaffnete Gewalt zwar eher zurück gegangen. Doch das ändert nichts daran, dass sich der Bürger vom sozial benachteiligten jungen Mensch an sich bedroht fühlt. Auch deswegen ist die britische Labour-Regierung gerade ziemlich in der Krise. Außer einem unbeliebten Premierminister und einer schwachen Wirtschaft hat die Labour-Partei zuletzt extreme Verluste in den Kommunalwahlen hinnehmen müssen.
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10.05.2008 - 10:52 Uhr
fraeuleiningeborg