Die Hochzeitskolumne: Heute: Jeder, wie er mag
Theresa heiratet. Jede Woche ein bisschen mehr
Neulich habe ich mich beim Grillen mit jemandem unterhalten, der beinahe geschieden ist. Nicht allzu ungewöhnlich, aber er war sehr jung und beinahe geschieden, 31. Christian. Christians Scheidung ist in den nächsten Tagen nach sieben Jahren Ehe angesetzt. Voll super, sagte er, der Bruder seiner Frau, der zufällig Anwalt sei, würde die Scheidung übernehmen, 200 Euro für jeden, ein echtes Schnäppchen. Er sagte das ein bisschen zynisch, ein bisschen traurig. Aber nicht unglücklich oder resigniert. Eher nüchtern. Er habe mit Händen und Füßen gegen diese Scheidung gekämpft, sagte er, aber sie wollte es so.
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@DorothyJane: Keine Angst! Nach der Hochzeit ist vor der Hochzeit. Die nächste Hochzeit ist immer die schwerste. Die Torte ist rund.
Wochenendzyniker sagte:
Es ist ja nun mal so, dass jeder Mensch zuerst einmal ledig ist. Also bräuchte ich einen Grund, das ändern zu wollen, sonst könnte ich es ja auch lassen. Ich meine, irgendwas ganz Tolles muss da doch sein, wenn man da so einen Haufen Stress auf sich nimmt wie die Kolumnenschreiberin (deren Texte ich sehr interessant finde, aber eben auch nicht gerade zu ermutigend).
ok, dann will ich dir mal ein paar gründe nennen:
ich heirate, weil ich den mann, der mich gefragt hat, über alles liebe. ich heirate, weil alle ruhig sehen dürfen (sofern sie wollen), dass ich genau diesen mann so sehr liebe. ich heirate, weil ich es romantisch finde und ein teil von mir (das kleine mädchen, vermute ich) einen großen traum erfüllt kriegt. ich heirate, weil ich es schön finde ein großes fest zu feiern, auf dem die liebe zelebriert wird (ok, das klingt abgedroschen, aber ansonsten habe ich immer nur auf beerdigungen so große zusammenkünfte erlebt). ich heirate, weil ich es schön finde, seinen nachnamen anzunehmen (das ist altmodisch, aber ich finde es eben schön).
außerdem möchte ich - so wie bruce willis in DIE HARD (weiß nicht mehr welcher teil), als er am flughafen von einer frau, die für ihn ein fax verschickt hat, gefragt wird, ob er danach noch etwas trinken gehen möchte - auch mit meinem ehering spielen und sagen können "Just the fax, miss, just the fax ..." - oder halt so ähnlich.
aber auch ich finde, dass man um glücklich zu sein keinen trauschein BRAUCHT, aber es spricht auch nichts dagegen, wenn beide das so möchten. it's all quite simple.
@anna: Es spricht schon was dagegen. Kann sein, dass beide das so möchten, aber man redet viel, wenn der Tag lang und man verliebt ist. Das Problem an Ehen (Errare Humanum Est) tritt nämlich genau dann auf, wenn der ursprüngliche Grund, die "Liebe", nicht mehr gegeben ist. Dann sitzt man nämlich da und bleibt voneinander abhängig, obwohl man das nicht mehr will, bis man einen manchmal unwahrscheinlich hohen Geldbetrag für die sog. "Scheidung" hingeblättert hat und die Zwangsbeziehung endlich los ist. (Deswegen müssen Ehepaare auch weniger Steuern zahlen: damit sie sich die Scheidung leisten können!) Jetzt kommt natürlich wieder das Argument von Paaren, die kurz vor der Trauung stehen, von der ewigen Liebe und so: Natürlich kann das sein, dass ihr tatsächlich zusammenbleibt, "bis dass der Tod euch scheidet", so wie das eigentlich auch vorgesehen ist. Aber es kann genauso gut auch - nicht sein. Und dann steht ihr da. Eine Umfrage unter Jugendlichen hat ergeben, dass viele heiraten wollen, weil sie sich dann keine Sorgen um die Beziehung machen müssen. Ist das bei dir auch ein Grund? Toller Grund.
M. E. ist heiraten also kein Liebesbeweis, sondern eher das Gegenteil davon. Wer seinen Partner liebt, lässt ihm die Freiheit, selber zu entscheiden, ob er sich trennen will oder nicht. (Falls jetzt wieder das Liebesargument kommen sollte: Es gibt keinen Grund, sich zu trennen, solange man sich wirklich liebt. Aber eben auch nur dann. Siehe oben.) Paare kurz vor oder nach der Hochzeit tendieren dazu, ledige Paare als "wilde Ehen" oder gar "voreheliche Affairen" zu verunglimpfen. Auch wenn du und die Autorin euch das vielleicht garnicht eingestehen wollt, so ist es doch, oder? Ihr heiratet, weil ihr endlich ein bisschen "Ordnung" in eure Beziehung reinbringen wollt. Ist das der Partner fürs Leben? Hmmm....ja? Nein? Ja, er ist es. Ja, ich will. Schluss, aus, Ende, Unterschrift drunter, fertig, irgendwann muss es ja auch mal rum sein mit dieser ewigen Suche. Nicht wahr? So ist es doch.
Alles in allem hat die Ehe heute nur noch Symbolwert, und zwar als Erkennungsmerkmal zweier Spießer mit schlechtem Sex, die es ihrer Liebe nicht zutrauen, über die nächsten Jahre ohne Zwang zu halten. Nichteheliche Beziehungen und vorallem nichteheliche Kinder sind heute vollständig gesellschaftlich akzeptiert, also kann man heute auch ledig Familie haben, ohne dass man auf offener Straße verfolgt wird.
Wenn ihr feiern wollt, könnt ihr auch einfach ein paar Freunde einladen (sofern sie ob eurer Heiratswut nicht davon gelaufen sind, diese promisken Ledigen) und "die Liebe zelebrieren" (aber dann müsst ihr auch akzeptieren, dass nicht nur ihr eure Liebe feiern werdet!), oder einfach ein Haus bauen und Richtfest feiern (kommt sowieso alles noch, am besten vor der Ehe!). Wenn du unbedingt einen Ring tragen willst, dann trag halt einen (niemand hält dich davon ab, außer die Dicke deines Fingers!). Wenn ihr unbedingt Jungesellenabschied feiern wollt, dann macht es doch (werd ich wahrscheinlich jedes Wochenende machen, wenn ich von daheim weg bin!). Wenn ihr unbedingt in die Flitterwochen fahren wollt, dann geht doch. Usw... Heute ist kein Unterschied mehr zwischen ledigen und Ehepaaren, außer dass die Ledigen es leichter haben, wenn es nicht mehr so klappen sollte wie früher. Aber naja, ich will hier niemand vom Heiraten abhalten, jeder soll nach seiner Façon unglücklich werden, aber ich würde nie freiwillig ins Gefängnis gehen, weißt du. It's all quite simple.
PS: NIE IM LEBEN würde ich meinen schönen afrikanischen Nachnamen gegen ein Müller oder Kunz eintauschen. Ich bin stolz auf meine Wurzeln.
@Lydster: Nein, ich heirate nicht aus Prinzip nicht. Wenn mir ein guter Grund einfallen würde, dann würd' ich's machen. Zum Beispiel, wenn meine Freundin Ausländerin wäre, die sonst dauernd zittern müsste, ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängert zu bekommen oder so. Ich weiß, auch das würde wieder die typischen Eherisiken in sich bergen, aber da wäre es erstmal ein Mittel zum Zweck, nämlich um überhaupt mit der betreffenden Person zusammen sein zu können. Müsste man gegebenenfalls halt abwägen.
Aber sonst... Weder meine Freundin noch ich haben ein kleines Mädchen in uns, das darauf brennt, zu heiraten. Wir machen auch so romantische Sachen, verreisen tun wir auch usw., und wenn uns danach ist, große Partys zu feiern, dann lässt sich das auch irgendwie arrangieren. Und sehen... Nun, jeder, der sehen will, dass wir zusammen sind, der kann das auch. Meine Freundin und ich sind meistens bei den Familienfesten des jeweils anderen mit dabei, wir planen gerade, eine gemeinsame Wohnung zu mieten etc., und wer uns einigermaßen kennt, der müsste schon blind sein, um nichts davon mitbekommen zu haben, dass wir zusammen sind. Und selbst wenn: Ist es denn so wichtig, was "die Leute" denken?
Und die Sache mit dem Nachname, gut... ist wahrscheinlich Geschmacksache.
Was ich bei dir, Lydster, aber schade finde, ist, dass du ein bisschen übertreibst. Ich bin fast in allen Punkten deiner Meinung, außer wohl in einem: Genauso wie die Ehe keine Garantie zum Glücklichsein ist, ist sie auch keine Garantie zum Unglücklichsein. Es gibt ja durchaus Ehen, die funktionieren. Weniger als Beziehungen ohne Trauschein, möchte ich behaupten (ohne das mit Zahlen belegen zu können, leider), aber immerhin, es gibt sie.
Die spätere Arroganz, mit der verheiratete Paare auf ledige herabblicken, habe ich teilweise auch schon erlebt, aber gar nicht mal bei so vielen. Ist also gut möglich, dass das für manche mit eine Motivation ist. Ich glaube aber eher, dass die Leute das im Nachhinein annehmen, denn jetzt haben sie wieder was, womit sie sich abgrenzen und als "was Besseres" hochstilisieren können, dann tun sie das halt. (Aber wenn sie ein tolles Auto hätten und du hast keins, würden sie das vielleicht genauso tun.)
Und so überzogen und polemisch, wie du die Dinge teilweise formulierst, läufst du Gefahr, von den Heiratsfans hier in der Diskussion nicht ganz ernst genommen zu werden. Das finde ich erst recht schade, denn du hast da einige sehr, sehr kluge und richtige Sachen geschrieben, bei denen es schade wäre, wenn die jemand beim Lesen ausblendet, nur weil er sich so über deine Polemik aufregt. ;-)
Lustig finde ich aber auch die Paare, die heiraten, wenn sie im sechsten Monat schwanger ist, damit das Kind nicht unehelich geboren wird. Da bin ich mir selbst nicht sicher, ob die das nicht doch aus konservativem Denken o.ä. heraus tun, oder weil es sonst einen Haufen Papierkram nach sich zöge, um den Vater als Vater anerkennen zu lassen. (Aber den bringt das Heiraten ja anscheinend auch mit sich.)
Hab in der Schule Leute gefragt warum sie sich konfirmieren lassen...
Manche gaben frei heraus zu: "wegen des Geldes"... andere gaben zu: "weil man das halt so macht"... Die allermeisten wussten einfach nichts zu antworten.
Klar, Leute die immer sehr streng sind und meinen sie hätten ein Recht auf eine ausführliche Rechtfertigung nerven. "Solche" Fragen aber von vorneherein abkanzeln... macht doch wenig Sinn.
Große Feste kann man übrigens auch sehr gut ohne den Segen von Staat und oder Kirche feiern.
"aber auch ich finde, dass man um glücklich zu sein keinen trauschein BRAUCHT, aber es spricht auch nichts dagegen, wenn beide das so möchten."
Ja wenn beide es möchten, spricht nix dagegen. Das ist so "tautologisch" wie der Rest der Gründe irgendwie. "aber ich finde es eben schön".
Für mich steht dieses ganze Zeug einfach für Staat, Kirche, 50er Jahre, Besitz und nicht zuletzt den _Vertrag_ den man eingeht. Alles Sachen die für mich mit Liebe nichts zu tun haben.
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07.05.2008 - 22:53 Uhr
riesenherz