29.04.2008 - 19:30 Uhr

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Weniger Fleisch

Text: anne-henneken - Illustration: Katharina Bitzl

In der Grün&Gut testet Anne Henneken, Produktredakteurin bei
utopia.de, einmal in der Woche ökologische Produkte und Dienstleistungen. Heute geht es um die Wurst

Ausgerechnet ein Film über Fisch bringt mich dazu, meine Fleischgelüste ernsthaft zu überdenken. Auf Arte wurde der preisgekrönte Film „Darwins Alptraum“ wiederholt. Darin geht es um den Viktoriabarsch – einen so genannten Edelfisch, der in Europa und Japan sehr beliebt ist. Dieser Raubfisch lebt in einem See, in den er nicht hineingehört, und wird von Menschen gefischt, die ihn sich selbst nicht leisten können. Weil er ihnen alle Fische aus See, also ihre Nahrung wegfrisst, müssen sie hungern, sich prostituieren und übrig gebliebene, mit Maden durchsetzten Fischskelette aus den Fabriken essen. Jeder Mensch mit einem Hauch von Gewissen wird nach diesem Film nie mehr Viktoriabarsch essen. Mir hat der Film vor allem vor Augen geführt, dass Tiere für sehr viele Menschen vom Nahrungslieferanten zum bedrohlichen Nahrungskonkurrenten geworden sind. Jetzt, wo wieder weltweite Hungerkrisen drohen, kann ich nicht länger ignorieren, dass mein Appetit auf Fleisch schuld daran ist, dass andere Menschen hungern müssen.
Rein rational betrachtet sollte man natürlich sofort aufhören, Fleisch zu essen: Allein das Hungerproblem und Morden von Tieren, das Elend der Massentierhaltung, die Rückstände von Arzneimitteln und Wachstumshormonen, die ekelhaften Gammelfleischskandale, BSE (kein Rind), Vogelgrippe (kein Hühnchen), Separatorenfleisch, das riesige Angebot an Appetitverderber-Literatur. Trotzdem fällt es den meisten Menschen ziemlich schwer, mit ihren im wahrsten Sinne eingefleischten Gewohnheiten zu brechen und die Finger von saftigen Filetsteaks, schnellen Burgern, Wurst und Schinken zu lassen. Gegen das Verlangen hat der Verstand manchmal verdammt wenig Chancen. Neben der lieben Moral gibt’s aber auch ökologische Probleme. Fleisch frisst nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch jede Menge Land und Energie. Denn der größte Teil der Fleischproduktion ist enorm ineffektiv: man bekommt viel weniger raus, als man reingefüttert hat. Trotzdem ist die globale Fleischproduktion seit 1950 um 500 Prozent gestiegen! Gerade für die Entwicklungsländer ist das kein Spaß. Immer mehr Getreide wandert in die Mägen der Tiere und fehlt auf den Tellern der Bauern, die es anbauen. Über ein Drittel der Weltgetreideernte wird heute an Tiere verfüttert, um Fleisch, Milch und Eier zu produzieren. Pro Kilo Rindfleisch müssen 10 Kilo Getreide verfüttert werden und 100.000 Liter Wasser (zum Vergleich: um ein Kilo Kartoffeln zu produzieren braucht man 500 Liter Wasser, für ein Kilo Sojabohnen 2000 Liter.). Wie schneidet eigentlich Biofleisch bei so einer Rechnung ab? Für die Umwelt ist die Produktion zwar weniger belastend als Massentierhaltung und man braucht auch weniger als die Hälfte an Energie zur Produktion. Allerdings stellt sich die Frage, ob Biofleisch in Sachen „Nahrungsmittelkonkurrenz“ nicht sogar schlechter wegkommt, da die Tiere viel hochwertigeres Futter als die aus der Massentierhaltung bekommen. Sicher dagegen ist, dass trotz des angeblich schädlingsresistenten Wundersaatguts vom amerikanischen „Biotechnologie“-Konzern Monsanto weltweit 10 Billionen Tonnen synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Stoffe, die irgendwann im Grundwasser und in den Flüssen landen und Ammoniak freisetzen und der Welt reichlich sauren Regen bescheren.
Was man den ganzen Sonntagsbraten und knusprigen Grillwürstchen leider auch nicht ansieht: Die Fleischproduktion ist für mindestens 10% der Treibhausgase verantwortlich – nicht nur weil die Rinder Methan pupsen, sondern weil jede Menge Erdöl nötig ist, bis man ein Stück Fleisch zwischen den Zähnen hat: für die Trecker und Landwirtschaftsmaschinen, für die Herstellung der künstlichen Dünger und auch für die ganzen Transporte von Futter und Vieh. Alles in allem muss man zugeben, dass Vegetarier wohl das grünere Gewissen haben dürfen. Weniger Fleisch auf dem Teller heißt jetzt der erste wichtige Schritt – auch um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Morgen probiere ich Tofuwürstchen, versprochen.


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MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

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01.05.2008 - 21:46 Uhr
MorbusBahlsen

Achja, ich vergaß noch das a + b / n = x zu erwähnen, auch das soll einer Euler's Beweise sein.

der_ingenieur
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Mag ich Mag ich nicht

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02.05.2008 - 00:09 Uhr
der_ingenieur

Die Definition der komplexen exponentialfunktion war klar. Mir fehlte nur der Zusammenhang mit dem Vorschlag Eulers als Gottesbeweis. Ich sah es eher als menschengemachte Definition an, als goettliches hmm.. Geschenk?

Danke fuer die Erleuchtung (ha ha).

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

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02.05.2008 - 01:13 Uhr
MorbusBahlsen

heinz_aus_b sagte:
Wenn man sich mehr mit dieser Formel beschaeftigt kommt man (bzw. kam ich) darauf, dass sie nicht so artifizial ist, wie sie scheint. Was ich damit sagen moechte: eine ausserirdische Lebensform, die aehnlich beschraenkt ist wie der Mensch sollte ebenfalls diese Formal gefunden haben. Vermutlich stimmen die Symbole nicht ueberein ;-).

Und das fängt dann mit dem Symbol "1" an glaube ich, der Rest wird unter anderem Namen dann auch bekannt sein, sollte es diese außerirdische Form geben und sie uns zuerst finden oder schon längst gefunden haben :)

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

1

05.05.2008 - 03:17 Uhr
Digital_Data

Na da lese ich ja wieder viele Argumente. Die Antwortenden werfen dem Artikel Polemik vor und strotzen selbst nur so vor Polemik. Also fangen wir mal an:

1. Tiere sind notwendig für Dünger. Welch ein Quatsch. Es gibt Inseln ohne nennenswerte Tierwelt, die über eine reiche Pflanzenwelt verfügen. Im Gegenteil Pflanzen bringen ihren eigenen Dünger mit, z.B. Bäume das Laub oder eben Korn das Stroh. Nur weil wir diese Dinge (Stroh) weiterverwenden müssen wir mit anderen Düngern nachhelfen. Und natürlich wegen der Monokultur. Eine gesunde Mischkultur braucht keine Pestizide und keinen Dünger. Aber in dem man Bauern Lieferverträge aufdrängt, zwingt mna sie in die Monokultur.

2. Menschen sind Fleischfresser. Es ist bewiesen, dass Menschen ohne tierische Produkte überleben können. Veganer beweisen das jeden Tag, ob es die best mögliche Ernährung ist, sei danhin gestellt. Von rein fleischlicher Nahrung hingegen kann man sich nicht vernünftig ernähren, es kommt über kurz oder lang zu massiven Mangelerscheinungen. Fleisch sollte also wenn überhaupt ein Zu"brot" sein.

3. Füher war Fleisch nicht die regelmäßige Ernährung sondern es war etwas besonderes. Auch deshalb gibt es so Ausdrücke wie Sonntagsbraten.

4. Fische mit Mercedes zu vergleichen ist schon heftig. Das ein Fisch, der in einem Land gefangen wird und dort von Einheimischen verarbeitet wird, nicht von diesen bezahlt werden kann ist der Gipfel der Ausbeutung durch den westlichen Kapitalismus. Ich habe auch damals den Film auf arte gesehen, es mag sein, dass man manches sicher einer genaueren Betrachtung unterziehen müßte. Aber der angegeben Link, der alles widerlegen soll, zeigt nichts anderes als Vermutungen. Lieber puster, ich lese da:

"hält ... für nicht sehr zutreffend"

"Tatsächlich ist sich Seehausen nicht einmal sicher, ob ... "

"wahrscheinlich"

"Der Evolutionsbiologe Walter Salzburger von der Uni Konstanz, der die Artenentwicklung am Viktoriasee mit molekulargenetischen Methoden untersucht, hält es für möglich ... "

Also vernünftige Beweise oder gute Argumente hören sich anders an.

Was ich hier in den meisten Contra-Kommentaren lese ist der verzweifelte Versuch ein ausbeuterisches Leben, dass auf Kosten anderer geführt wird, weiterhin zu legitimieren. Ich will nicht Wirtschaftssysteme abschaffen oder unseren Wohlstand abbauen, aber es sollte möglich sein unseren Wohlstand und unsere Systeme zu halten und trotzdem dem Rest der Welt zumindest das Überleben zu ermöglichen. Alles andere erfüllt in meinen Augen mindestens den Straftatbestand des grob fahrlässigen Totschlags.

Digital_Data

salzkind
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Mag ich Mag ich nicht

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06.05.2008 - 12:55 Uhr
salzkind

Meiner Meinung nach ist der Artikel, auch wenn sich einige über "Recherchefehler" mokieren, gut und wichtig, da er im Grunde nochmal daran erinnern will, dass es den meisten Leuten sch*egal ist, was sie essen. Hauptsache, es ist billig und schmeckt gut. Aber wie heisst es noch: "Man ist, was man isst" Nichts anderes. Deshalb finde ich reflektiertes Essverhalten nicht "erhobenes-Zeigefinger-Getue" oder rechthaberisch. Dieses ewige Lamentieren über die "Ökos" (Schublade auf), geht mir gehörig auf den Zeiger, es wird ja keiner gezwungen, sich gesund und nachhaltig zu ernähren. Wir leben ja zum Glück in einer Demokratie. Aber nachher darf sich keiner beschweren und sagen, man habe ja nichts gewusst.

fuerTiere
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Mag ich Mag ich nicht

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30.05.2008 - 14:35 Uhr
fuerTiere

Ohne die massiven Futtermittelimporte aus der sog. "3. Welt" könnten die immensen Fleischberge nicht "produziert" werden. Gleichzeitig hungern die Menschen in den ärmeren Regionen der Welt. 40.000 Kinder sterben täglich, weil ihnen diese Pflanzennahrung fehlt, denn auf den landwirtschaftlichen Flächen dieser Regionen wird Getreide, Soja, Maniok u.a. angebaut, als Futtermittel in Industrieländer gebracht und zur "Veredelung" als Mastfutter verwendet.

Außerdem kann aus 10kg Getreide z.B. nur 1kg Rindfleisch "hergestellt" werden. Der Rest wird für die Lebenserhaltung des Tieres verbraucht. Direkt verwendet bieten Getreide und andere Feld- und Waldfrüchte also die 10-fache Menge an Lebensmitteln. Wer sich von Fleisch ernährt, verbraucht also viel mehr an Pflanzen als VegetarierInnen.

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