28.04.2008 - 19:00 Uhr

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Bahnfahren und trotzdem lachen: Der Erfolg von "Senk ju vor träwelling"

Text: andreas-ernst - Fotos: ddp; Verlag

Der Zug hat Verspätung, das Essen im Bord-Bistro ist aus, der Zugbegleiter dreht hohl - über die Bahn kann man Bücher schreiben. Mark Spörrle und Lutz Schumacher haben es getan und sind gerade mit "Senk ju vor träwelling" erfolgreich. Ein Interview

Das Buch ist eine herrliche Satire und eine wunderbare Lektüre für (zu) lange Bahnfahrten: Die Journalisten Mark Spörrle und Lutz Schumacher schildern in ihrem Bändchen "Senk ju vor träwelling" die Stationen einer Bahnfahrt. Sie schreiben über die Reisevorbereitungen, die eigentliche Fahrt und die vermeintlichen "geheimen Pläne der Bahn". Die beiden geben aber auch Tipps wie: Eine Sonnenbrille sollten Sie aber auch bei schlechtem Wetter tragen - damit ihre Platzkonkurrenten, wenn Sie das Abteil stürmen, nicht erkennen können, welchen freien Sitz Sie fixieren oder Haben Sie obendrein immer ein paar gut gefälschte Schmuckstücke dabei. Diese können Sie im Notfall bei Leuten, die die Notlage ihrer Mitmenschen schamlos ausnutzen (davon tummeln sich bei der Bahn genug), gegen Nahrung oder eine Mitfahrgelegenheit in einem Auto eintauschen. Herr Spörrle, ich bin am Wochenende auch wieder viel Bahn gefahren und hatte genug Zeit, Ihr Buch zu lesen. Mark Spörrle: Da hat wohl wieder mal nicht alles geklappt wie es sollte ... aber das ist ganz normal!
Der Zug ist da. Doch was jetzt? Wahrscheinlich ist es auf das ICE-Unglück zurückzuführen - auf der Rückfahrt vom Ruhrgebiet nach München hatte ich anderthalb Stunden Verspätung. Unglücke sind die eine – und eine furchtbare – Sache. Im Normalfall ist es aber ja so, dass ein Zug aus völlig unerfindlichen Gründen Verspätung hat. Wissen Sie, was ich für eine Erfahrung gemacht habe? Wenn man unser Buch dabei hat und offen auf den Tisch legt, dann lacht der Zugbegleiter und holt meist noch den zweiten Zugbegleiter. Der lacht dann auch. Der Zug kommt dann seltsamerweise fast immer pünktlich an. Aber das ist natürlich statistisch nicht belegbar ... Wie fahren Sie eigentlich jeden Tag zur Arbeit? Mit dem ÖPNV natürlich. Wenn es funktioniert, ist es toll. Ich wohne in Hamburg gar nicht weit weg von der Redaktion. Die U-Bahn kommt nicht mehr alle zehn, wie noch letztes Jahr, sondern alle vier Minuten. Auch in Hamburg hat man also mittlerweile langsam gemerkt, dass öffentliche Verkehrsmittel wichtig sind. Die Busse sind hier zwar immer noch grauenhaft überfüllt aber die ÖPNVler wollen es nicht wahrhaben. Wenn man sie darauf anspricht, zählen sie die Fahrgäste bevorzugterweise in den Semesterferien, wenn kein Student Bus fährt. Aber das ist ein anderes Thema. Was war zuerst da - das Buch oder der Titel? Ich stelle mir das so vor: Sie hören mal wieder einem Zugbegleiter bei dem Versuch zu, Englisch zu sprechen und denken: Prima, das ist ja mal ein Buchtitel. So hätte es sein können, aber zuerst war das Buch da. Mein Mit-Autor und ich sind beide viel mit der Bahn gefahren. Ich habe selber gar kein Auto und wenn es mit der Bahn klappt, ist es sehr entspannend. Manchmal sogar, wenn der Zug unvermittelt stundenlang auf der Strecke stehen bleibt und sich der Anschlusstermin absagen lässt. Dann hat man manchmal zwei bis drei Stunden Lebenszeit gewonnen und kann Dinge tun, zu denen man sonst nie kommt. Über sein Leben eben nachdenken. Ein Buch lesen. Oder eins schreiben.
Mark Spörrle (links) und Lutz Schumacher suchen Abfahrtszeiten. So ist das Buch entstanden? Die Entstehungsgeschichte war so: Am Anfang ärgert man sich über all die Verspätungen, den fehlenden Service, die schroffen Zugbegleiter, die unangenehmen Mitfahrer und die Tatsache, dass man im Bistro nie das bekommt, was man eigentlich will. Aber ärgern hilft nichts. Am besten, man nimmt es mit Humor und überlegt sich, wie man die schlimmsten Dinge vermeidet: Niemals umsteigen zum Beispiel, denn sonst ist man verloren. Immer ein paar Liter Wasser dabei haben und einen Notvorrat. Und im Bistro nicht das bestellen, was man möchte, sondern das, was der Servicemitarbeiter einem empfiehlt. Im Ernst? Natürlich, denn das ist das Einzige, was er in die Kasse einbuchen kann und mit dem es keine Probleme gibt; meist handelt es sich um drei, vier Standardgerichte. Wir haben diese Tipps zuerst im Freundeskreis verbreitet - die hatten große Freude. Dann haben wir beschlossen, daraus ein Buch zu machen. Wie reagiert man bei der Bahn auf das Buch? Die Bahn ist kürzlich erst gegen eine geplante Lesung mit uns vorgegangen. Die wollte ein Bahnhofsbuchhändler in einer bayerischen Stadt vor 300, 400 Leuten organisieren. Dann aber hat sich die Bahn gemeldet und dem Buchhändler gesagt: "Sie können mit jedem Buch eine Lesung veranstalten, aber nicht mit dem". Darauf hat der Buchhändler die Lesung abgesagt, weil er Repressionen der Bahn fürchtete. Und es gab auch keine offiziellen Reaktionen von der Bahn? Nein, was ich schade finde, denn wir helfen der Bahn ja, indem wir den Fahrgästen wertvolle Tipps geben, um wider Erwarten doch ans Ziel zu kommen. Aus diesem Grund müsste Herr Mehdorn zur Beruhigung und Erheiterung der Reisenden das Buch eigentlich in den Zügen kostenlos verteilen lassen. Statt dessen darf der Verlag aber auch in den Zügen nicht für das Buch werben. Er hat versucht, die Flächen gegenüber den ICE-Toiletten anzumieten, wo sonst immer nur Mittel gegen Harndrang angepriesen werden – umsonst. Sie haben ganz am Ende die Mail-Adresse für Leser-Anregungen angegeben. Hat sich schon jemand gemeldet? Das Postfach ist so voll, dass wir mit dem Antworten und Bedanken gar nicht nachkommen. Die Leser schreiben uns ihre Geschichten. Zum Beispiel hatte angeblich ein Zug fünf Stunden Verspätung, weil der Zugführer dachte, dass jemand auf den Gleisen liegt. Aber es war nur eine Sexpuppe, die jemand weggeworfen hatte. Viele setzen uns auch auf "cc", wenn sie Ärger mit der Bahn hatten und an Herrn Mehdorn persönlich schreiben. Ich weiß nicht, ob die Leute dann schneller Antwort bekommen. Wir hatten noch kein "cc" von Herrn Mehdorn. *** Senk ju vor träwelling, Verlag Herder, 192 Seiten, 12 Euro


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Fehlerteufel
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Mag ich Mag ich nicht

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28.04.2008 - 20:46 Uhr
Fehlerteufel

Sänk

Make_war
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29.04.2008 - 09:19 Uhr
Make_war

Mein Favorit: In a fju mineds we arraif Koloon....

synthie_und_roma
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29.04.2008 - 11:07 Uhr
synthie_und_roma

die englischen durchsagen im zug sind wirklich wunderbar.

erst am wochenende wieder mit der bahn gefahren. mit anschlusszug nicht bekommen und über eine stunde verspätung.

aber: ich bekam 10% des reisepreises als gutschein wieder zurück.

Shorebilly
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29.04.2008 - 11:30 Uhr
Shorebilly

synthie_und_roma sagte:
aber: ich bekam 10% des reisepreises als gutschein wieder zurück.


Ja Wahnsinn, 10%, herzlichen Glueckwunsch! Genau das ist einer der Gruende fuer meinen Hass auf die Deutsche Bahn... Das, und dieses Gefuehl der Scham wenn ich Auslaender darueber aufklaeren muss, dass weltweit unerhoert gute Ruf der Deutschen Bahn (puenktlich, zuverlaessig, etc.) vermutlich noch aus dem Kaiserreich stammt, mit der heutigen Realitaet aber absolut gar nichts zu tun hat.

Zum Vergleich: ich fahre hier in Spanien jede Woche mindestens zwei mal mit dem Zug. Fuer die Strecke von ca. 300 km brauche ich je nach Uhrzeit/Stopps zwischen 1,5 und 2 Stunden. In der Regel kommt der Zug 5 Minuten vor der geplanten Ankunftszeit an.

Sollte es tatsaechlich mal zu einer Verspaetung kommen, krieg ich ab 15 Minuten 50%, ab 30 Minuten 100% des Fahrpreises zurueck - in bar natuerlich, nicht als Gutschein.

Herr Hartmut M. aus B.: Bitte ein Beispiel daran nehmen! (und dann tritt endlich zurueck, Du inkompetenter politisch verfilzter Versager)

Englisch sprechen die Zugbegleiter hier allerdings noch schlechter als in D.

Make_war
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29.04.2008 - 12:12 Uhr
Make_war

@shorebilly: Habe zu wenig Erfahrung mit dem spanischen Zugsystem, um das vergleichen zu können - aber generell finde ich die deutsche Bahn verglichen mit Pünktlichkeit, Service etc. im internationalen Vergleich wirklich relativ gut.

Ich sehe das Hauptproblem bei den Menschen hier: Wenn an einem deutschen Bahnhof der Zug auch nur fünf Minuten Verspätung hat, stehen viele der Wartenden kurz vor dem Kollaps und schimpfen und reagieren vollkommen unangemessen. Einfach mal relaxen und bißchen entspanne, wäre mein Vorschlag.

Besonders interessant, dass auch viele Leute, die sich sonst für sehr entspannt und kein bißchen spießig halten, in Bezug auf die Bahn so extrem deutsch-preußisch korrekt werden. Meine, das auch schon desöfteren in diversen Jetzt-Foren beobachtet zu haben.

Wochenendzyniker
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29.04.2008 - 12:38 Uhr
Wochenendzyniker

@Shorebilly: Meinst du damit diesen spanischen Hochgeschwindigkeitszug, (dessen Name mir jetzt partout nicht einfallen will und) der ja auch nur zwischen einer Handvoll Städten verkehrt? Oder ist das bei allen so?

@Make_war: Eben. Also, ich bin schon in einigen Ländern Bahn gefahren (Deutschland, Schweiz, Frankreich, Spanien, Portugal, Großbritannien, Polen) und muss sagen, dass die Deutsche Bahn da nicht unbedingt unpünktlicher ist ihre Pendants im Ausland. Vielleicht ist das auch einfach ein Problem der Bahn an sich, über das man sich mal ganz unabhängig von der jeweiligen Firma Gedanken machen könnte. (Ich meine, die haben ja das ganze Schienennetz für sich und können das selber planen. LKW oder Reisbebusse stehen vielleicht mal im Stau, für den sie selbst nichts können, aber eine Eisenbahngesellschaft bestimmt ja selbst, wann wo welcher Zug fährt.)

Und das mit dem schlechten Englisch, OK... Aber selbst was Englischkenntnisse angeht, sind die Deutschen in Europa noch relativ gut dabei, meines Wissens sind nur Niederländer und Skandinavier besser. (Ach ja, und Briten und Iren natürlich; die hätte ich jetzt fast vergessen.)

milagro
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Mag ich Mag ich nicht

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29.04.2008 - 14:01 Uhr
milagro

also ich finde die deutsche bahn nicht so schlecht wie ihren ruf,
wobei das in deutschland glaub ich auch eine frage der zugart ist. ich fahre seit 5 jahren nur ice (weil lange strecke) und kann eigentlich keine einzige nennenswerte verspätung zum besten geben. ganz selten mal 20 minuten oder so. selbst als streik war, da bin ich eher noch besser gefahren. und auch mit dem umsteigen nie probleme gehabt. was mich wirklich nervt, sind die preise im ice und dass man dafür ggf. auch noch stehenderweise seine 7 stunden fahrt verbringen darf wenn man pech hat und für 4 euro keinen platz reserviert hat. noch offensichtlicher kann man seine fahrgäste niciht abzocken.

alcofribas
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29.04.2008 - 16:43 Uhr
alcofribas

die bahn hat nen knall, das sei allein damit umrissen, daß die zahl von laptops und anderen tragbaren geräten, die man mitführt, exponentiell steigt - und was macht die bahn? schraubt die steckdosen ab. da fällt einem nichts mehr ein.

vom rückbau der bordrestaurants in bistros ganz zu schweigen, als es noch "richtige" speisewagen gegeben hat, habe ich das angebot gern mal genutzt.

jetzt kaufe ich noch nen kaffee und das wars. daß das angebot im zug überteuert ist, nunja, das ist halt so, aber die auswahl als solche ist genauso unter aller kanone. außerdem scheint es ein ungeschriebenes gesetz zu sein, daß speisewagenschaffner mehr schmuck tragen müssen als ein zuhälter.

Shorebilly
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29.04.2008 - 17:46 Uhr
Shorebilly

alcofribas sagte:
die bahn hat nen knall, das sei allein damit umrissen, daß die zahl von laptops und anderen tragbaren geräten, die man mitführt, exponentiell steigt - und was macht die bahn? schraubt die steckdosen ab. da fällt einem nichts mehr ein.


Na genau deswegen werden die's ja wohl machen - zu viele Nutzer, zuviel Verbrauch...


@WE-Zyniker: die Zuege heissen AVE, die aktuelle Generation ist von Siemens und mit dem ICE 3 ziemlich identisch. Und ja, das ist der mit dem ich fahre.

Die Geld-zurueck-Garantie gilt aber fuer das gesamte Hochgeschwidigkeitsnetz, was nicht nur das ICE-Aequivalent, sondern so ziemlich den gesamten Fernverkehr (also nicht nur die Handvoll AVE-Strecken) umfasst. Im Nahverkehr wird das wohl nicht ganz so grosszuegig geregelt sein.

@make_war: ich bin sowieso unentspannt, es geht mir auch immer auf den Sack wenn mein Flieger ein paar Minuten Verspaetung hat...

getupkid
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Mag ich Mag ich nicht

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29.04.2008 - 17:54 Uhr
getupkid

am schlimmsten: zug fahren in den usa. amtrak ist halt langsamer als jeder regionalzug.

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