Ein trockener Sommer.
Seit Tagen erblinde ich.Fahre durch die Stadt. Geblendet von euch. Von euch und den Geschicken der internationalen Bekleidungsindustrie. Oder besser und genauer: Ent-kleidungsindustrie. Schmale Stoffbänder, Stoffstückchen, die kunstvoll eure makellosen Körper umschlingen und umknoten. Es sind die Tage, an denen Männer auf dem Fahrrad Straßenschildern und Betonpfosten ausweichen müssen. Eigentlich statische Gebilde, die scheinbar plötzlich und heimtückisch in den Weg springen. Wir sind Gefangene eures Anblickes und ihr lächelt wissend hinter den dunklen Gläsern eurer riesigen Sonnenbrillen. Es sind die Tage, an denen ich am Wasser liegen werde. Meine Augen werden geschlossen sein und die brennende Sonne wird auf meinem Rücken stehen. Dein Schatten wird auf mich fallen, ich werde blinzeln und aufschauen. Dann werde ich diese kleine, schwarzhaarige Mädchenfrau mit den großen Augen sehen, diese braune Haut und die Sonne wird durch dein Haar fallen, während du es mit der Hand auswringst und die Tropfen deinen Hals herablaufen. Ob ich Feuer habe, wirst du fragen, die Zigarette in der nassen Hand. "Nein", werde ich antworten, blinzeln, geblendet, erblindet. "Ich rauche nicht". Und nichts Anderes wolltest du, als Feuer. Du wirst keine Miene verziehen und dich drehen und beim Waschbrettbauch links neben mir fündig und glücklich werden. Plötzlich war der Sommer da, bevor man den Sommer als, auf dem und im Körper haben konnte. Er ist da und er macht euch schön. Zu schön, um euch zu lange anzuschauen, euch anzulächeln oder anzusprechen. Eure Schönheit tut weh. Ihr zieht vorbei wie eine einzelne Wolke am Himmel, die keinen Schatten spenden will, während die Sonne mein Herz vertrocknet. Die wichtigsten Frauen in meinem Leben haben mich am meisten verletzt. Fällt mir auf, während ich in der Ferne Menschen ins Wasser springen höre. Mit diesem Wissen verlasse ich dieses Land. Deutschland. Richtung Süden. Noch mehr Trockenheit? "Französinnen sind kalt", sagt eine Französin zu mir. Auf einer deutschen Party. Doch das Blatt wird neu sein, das ich beschreibe. Lass es regnen, in mein Herz.
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19.07.2005 - 22:18 Uhr
emillymilch