„Renn um dein Leben“
Eine Morddrohung, Nazis im StudiVZ und ein Student, der nicht aufgeben will
Es ist nicht so, dass Fabian Weißbarth bislang keine Bedrohungen gekannt hätte. Wenn er auf Gegendemos gegen den rechten Rand der Bevölkerung mobilisiert, fixieren ihn einzelne Nazis aus den Gruppen heraus, sie rufen ihm dann seinen Namen zu. Die Botschaft ist klar: "Wir wissen, wer du bist. Wir kennen dich." Als der 20-jährige Politik- und Soziologie-Student vergangenes Wochenende einen Blick in seinen Account beim Studenten-Portal StudiVZ wirft, bekommt das diffuse Gefühl der Bedrohung eine neue Dimension. „...du fabian bist in pankow unerwünscht“, steht da. Und dann, ein paar Zeilen weiter: „renn um dein leben du hurensohn“ Unterschrieben mit „danzig88“ – ganz klar eine Nachricht von Faschisten. (Die 88 steht im Nazicode fast immer für Heil Hitler, weil das „H“ der achte Buchstabe des Alphabets ist.)
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hey wisst ihr eigentlich was ich hier vermisse? den respekt davor, dass jemand nicht auf den staat oder sonstwen wartet, sondern von sich aus selber etwas gegen rechtsradikale tut. und fabian hat diese arbeit bestimmt nicht so blauäugig begonnen, dass er nicht gesehen hat, dass das durchaus gefährlich sein kann - nein gewiss im gegenteil: er hat angefangen etwas dagegen zu tun weil er gesehen hat, dass die nazis gefährlich sind.
wie man damit umgeht drohungen zu erhalten, ob man sie übergeht oder zur polizei bringt, sollte denke ich etwas sein, was jedem der sich gegen rechts stark macht, selbst überlassen sein soll.
und hier zu jammern im süden von deutschland wird nicht genug getan gegen rechts die leute hätten kein bewusstsein dafür - mensch leute dann werdet aktiv! wenn die leute die intelligent sind und das problem erkannt haben, welche nicht rechts gesinnt sind - und sie sind die mehrheit- sich damit beschäftigen sich zu streiten wer dafür verantwortlich wäre sich darum zu kümmern und in wie weit man theoretisch man was tun könnte aber die hände in den schoß legen dann geben wir diesem kleinen teil in unserer gesellschaft der rechts eingestellt ist zeit und raum sich auszubreiten, unser freheitlich demokratisches system zu gefährden und unbehelligt straftaten zu begehen.
wo sind denn all die personen die sagen "hier muss etwas getan werden"? jedenfalls meistens nicht auf den gegendemonstrationen oder als helfer bei den aufklärungskampagnen. und warum? meistens weil sie angst haben.
es gibt aber ein paar menschen die gesagt haben sie können nicht die verantwortung für das was in unserer gesellschaft passiert auf andere abwälzen nur weil es vielleicht furchteinflößend ist und gelegentlich gefährlich den mund auf zu machen! was ich hier vermisse ist der respekt vor diesen menschen! die menschen die sagen "hey ich tu was!" bevor ihr euch hier den mund fusselig redet werdet doch selber aktiv!
die die sich schon offen gegen rechts bekennen und etwas dagegen tun und sei es auch eine noch so kleine geste, denne spreche ich an dieser stelle einmal offen meinen respekt aus!
27.04.2008 - 18:02 Uhr
deinegutenachtgeschic…
Deswegen Respekt an Fabian. Und zwar dafür, daß er sich nicht einschüchtern läßt. Und natürlich ist es sein gutes Recht sich an die Poizei zu wenden wenn er sich bedroht fühlt!
Trotzdem hat das Ganze eine parteipolitische Komponente die ich sehr befremdlich finde. Gegen ein inhumanes System wie den Faschismus zu kämpfen halte ich für eine menschliche Pflicht, nicht für eine parteipolitische. Deswegen finde ich es traurig, wenn eine Sache, die uns alle angeht, auf das Thema "Nazis greifen die SPD an" verkürzt werden muß, um bei den Parteigenossen Solidarität zu erzielen.
berlinoid sagte:
Vielleicht wäre es fruchtbarer, die Autorin/den Autor der huhu-Morddrohung erst mal zu einem Gespräch unter vier Augen einzuladen, als gleich mit der Polizeikeule draufzuschlagen.
Nun dass er diese Drohung mit einem Fakeaccount verschickt hat, zeigt dass er an einem Dialog nicht interessiert ist. Zumindest entnehme ich das so. Damit ist die Person zunächst nicht greifbar. Die einzige Möglichkeit über die IP herauszubekommen ist damit die Polizei.
Digital_Data
alcofribas sagte:
soll die polizei wie in hoyerswerda oder rostock daneben stehen und doof gucken, wenn nazis pöbeln und randalieren?
OK, anscheinend drücke ich mich wirklich zu oberflächlich aus. Nein, das meine ich damit nicht. Die Polizei hat bei Gesetzesverstößen angemessen im Rahmen der gesetzlichen Sanktionsmöglichkeiten einzuschreiten. Dazu ist sie da, und dazu hat sie bestimmte Möglichkeiten die dem gemeinen Pöbel vorenthalten sind.
Was ich meine: Bei emotional beladenen "Zielgruppen" wird vom gemeinen Pöbel gerne gefordert, die Polizei solle alle _möglichen_ Methoden anwenden, nicht nur alle _erlaubten_. Ich habe schon erlebt wie Kommunalpolitiker einen Polizeieinsatzleiter vor einer NPD-Demo bestürmten, er möge die Braunen doch bitte (Zitat) "aus der Stadt prügeln lassen". Das fällt für mich mal ganz grob flach. In Deutschland hat jeder das Recht, einer politischen Überzeugung seiner Wahl zu folgen, egal wie falsch sie sein mag. Und das ist auch gut so.
aber wieso soll ich jemandem die rechte einer freiheitlich-demokratischen grundordnung zugestehen, der ebendiese ordnung beseitigen will?
Weil du sonst keinen Deut besser bist als der Andere. Oder soll die Polizei in Zukunft Gesetzesverstöße pauschal mit einem Kopfschuss ahnden? Das ist genau die Argumentation die ich meinte. "Der hält sich nicht an unsere Regeln, also ist er vogelfrei." (Was bei genau dieser Argumentation herauskommt sieht man ja derzeit eindrucksvoll im Irak. Mal unterstellt, es geht dort nicht nur um politisches Kalkül.) Njet! Unser Staat hat mehr als genug rechtlichen Spielraum um jedem Nazi im Land das Leben zur Hölle zu machen. Dass nichts sinnvolles passiert liegt an der Politik, nicht an den Gesetzestexten.
Vor allem übersiehst du einen wichtigen Punkt abseits der ganzen brav-demokratischen Argumentationen: Auf der einen Seite regen sich alle über die Übergriffe der Staatsgewalt gegen linke Demonstranten und Aktivisten auf, auf der anderen Seite wird nach genau der selben Gewalt gegen Rechte geschrien. Schizo? Oder einfach nur gedankenlos? Jedenfalls sehr dumm. Man kann für sich immer nur so viele Rechte einfordern wie man seinem Gegner zugesteht. Insbesondere dann wenn zwischen Rechts und Links eine große breite Masse steht, der beide Seiten gleichermaßen suspekt sind.
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27.04.2008 - 17:19 Uhr
berlinoid
Die Aussage "wir ficken dein leben du spast" würde ich eher in die Kategorie "ich mach dich krankenhaus" oder "ich mach dich kaputt" stecken. Will sagen: ein diffuser verbalaggressiver Akt. Daraus direkt ne Morddrohung abzuleiten? Naja...
Meines Erachtens läßt sich aus "wir ficken dein leben" nicht mal unbedingt die androhung körperlicher Gewalt rauslesen. Wenn Fabian tatsächlich erst aufatmen kann, wenn er die Tür hinter sich zuzieht, dann ist sein Leben bereits jetzt ordentlich gefickt.
Den Dilletantismusvorwurf finde ich ehrlich gesagt bescheuert. Erst wird eine Straftat konstruiert und dann lamentiert man, daß der Täter dabei seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist. Pfff.
Insgesamt kann Fabian diese Droh-Mail zumindest als politischen Erfolg werten. Seine Tätigkeit im Arbeitskreis Anti-Faschismus wird offenbar von seiner Zielgruppe wahrgenommen, und diese versucht jetzt, auf ihre recht unbeholfene Art mit ihm in Kontakt zu treten.
Nun ist es natürlich an Fabian, zu entscheiden, ob er das parteipolitisch ausschlachtet und sich drüber ereifert als "Sozialdemokrat in der Schußlinie" zu stehen, und dann zusammen mit seinen Genossen ganz furchbar schockiert ist, daß diesmal nicht nur Bürger mit Migrationshintergrund und die Antifa betroffen sind, sondern auch die rechtschaffene Demokraten von der SPD, oder ob er die Gelegenheit nutzt, den Menschen mit Nationalsozialismushintergrund zu helfen (und damit meine ich alle Opfer faschistischen Gedankenguts, auch die sogenannten Täter)
Vielleicht wäre es fruchtbarer, die Autorin/den Autor der huhu-Morddrohung erst mal zu einem Gespräch unter vier Augen einzuladen, als gleich mit der Polizeikeule draufzuschlagen. Nur weil Nationalsozialismus scheiße ist, heißt das noch lange nicht, daß man den jungen vielleicht noch nicht mal volljährigen Autor der huhu-Morddrohung zu einem Neonazi-Märtyrer machen muß...