Backstage oder Bühne: Warum schminkt ihr euch öffentlich?
Text: stefan-winter
Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manchens versteht man einfach nicht bei denen. Heute: Öffentlich schminken.
Die Jungsfrage:
Wir müssen über euer Aussehen sprechen, denn wir verstehen da was nicht. Dabei geht es ausnahmsweise mal nicht um das, was wir schön, gutaussehend oder bezaubernd finden. Es geht darum, was ihr schön findet und vor allem: Wie ihr dorthin kommt. Es geht ums Schönmachen. Dass ihr Wert legt auf diesen Vorgang der Veränderung, das wissen wir. Wir können euch dabei nämlich immer häufiger zuschauen. Was ihr dabei denkt, wissen wir nicht. Deshalb jetzt kurz und direkt: Das Frisieren, Ordnen und Schminken ist ein – so dachten wir bisher – zutiefst privater Prozess: ein Vorgang, den man gemeinsam mit sich selber vor dem Spiegel vollzieht. Dabei ist man allein, privat, fast ein wenig versteckt, quasi im Backstagebereich des Lebens. Sind die Wimpern getuscht, die Lippen gefärbt und die Nägel gefeilt, tritt man heraus auf die Bühne des Alltags. Dort wiederum ist man unter Leuten, stellt sich dar, ist öffentlich.
Diese Unterscheidung ist offenbar zu einfach, zu schematisch. Die Wahrheit des Schminkens ist komplizierter. Wir sehen Mädchen und Frauen, die sich in der S-Bahn die Wangen pudern, vor der reflektierenden Schaufensterscheibe die Haare richten oder sich im Zug die Lippen anmalen. Wir sehen also solche wie euch, die die Unterscheidung von Backstage und Bühne aufheben. Und das verstehen wir nicht: Wie kommt man auf die Idee, in aller Öffentlichkeit, seine Wimpern zu tuschen? Kein Junge würde in der U-Bahn den Rasierer herausholen und seinen Bart stutzen, für Mädchen aber scheint es normal zu sein, im öffentlichen Personen-Nahverkehr die Körperpflege zu vollziehen. Woran liegt das? Haltet ihr die letzte Reihe im Bus für eine legitime Verlängerung eures Badezimmers? Wollt ihr uns damit was sagen? Dann raus damit – ganz ungeschminkt und im Vertrauen.
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