23.04.2008 - 19:00 Uhr

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Best-of Wiki: Warum Bertelsmann die Online-Enzyklopädie drucken will

Text: christina-waechter

Erst teilte der Brockhaus Verlag im Februar mit, dass sie in Zukunft keine neue Ausgabe des großen 30-bändigen Lexikon mehr drucken würden und statt dessen das versammelte Wissen online zur Verfügung stellen. Und jetzt will Bertelsmann aus der Online-Enzyklopädie ein gedrucktes Lexikon machen. Wie das gehen soll? jetzt.de sprach mit Frau Dr. Beate Varnhorn, Verlagsleiterin des Bertelsmann Lexikon Instituts über das neue Projekt

Warum haben Sie sich entschieden, aus Wikipedia ein Lexikon zu machen? Wikipedia ist nicht nur eine sehr bekannte Marke, sondern auch ein sehr interessantes Projekt. Daher gibt es schon seit Längerem Überlegungen dazu, wie man als Lexikon-Verlag daraus interessante Produktideen für den Buchhandel generieren und gleichzeitig neue Zielgruppen für das Produkt Lexikon gewinnen kann. Wer ist denn Ihre Zielgruppe? Ich denke zunächst mal, alle, die die Wikipedia interessant finden, und das sind 15 Millionen User im Monat. Viele zählen zur Online-affinen Gruppe der jüngeren Generation, aber es gibt auch viele Menschen jenseits der 30, die die Wikipedia wertschätzen. Darüber hinaus ist das geplante einbändige Lexikon auch für all die interessant, die am Tagesgeschehen interessiert sind und ein Werk schätzen, das den Zeitgeist dokumentiert. Wie funktioniert das gedruckte Wikipedia? Das Lexikon fasst die meistgesuchten Stichwörter zusammen. Es ist also keine Kopie der Wikpedia, sondern eine Art „Best Of“ - im Gegensatz zum klassischen Lexikon, das nur solche Stichwörter enthält, die für die verschiedene Wissensbereiche nachweislich relevant sind. Diese Best-of-Auswahl korreliert mit dem, was die Menschen derzeit interessiert. Das Wikipedia-Lexikon ist eher ein „Lexikalisches Jahrbuch“, weil es das abdruckt, was in diesem Jahr besonders interessiert hat. Es wundert daher nicht, dass sich im Wikipedia-Lexikon viele Stichwörter finden, die in einem klassischen Lexikon nicht vorkommen. Was für Stichwörter sind das? Das sind zum Beispiel aktuelle Buchbestseller mit Kurzbeschreibungen, erfolgreiche Fernsehformate wie „Dr. House“ oder zahlreiche Musikgruppen, die in klassischen Lexika nicht auftauchen. Man findet auch Fußballstadien wie die Allianz-Arena mit den entscheidenden Daten. Oder den Namen von Carla Bruni, die als Frau eines Präsidenten in einem normalen Lexikon nicht vorkommen würde. Wie dick soll das Lexikon werden? Wir haben die 50.000 meistgesuchten Begriffe ausgewählt, das werden dann in etwa 1.000 gedruckte Lexikon-Seiten. Eine Besonderheit von Wikipedia ist ja die dynamische Struktur. Jeder kann jederzeit einen Eintrag verändern, es wird diskutiert, gelöscht und neu geschrieben. Wie kann man diese dynamische Natur in gedruckter Form nachvollziehen? Sollte dieses „Lexikalische Jahrbuch“ tatsächlich seine Zielgruppe finden und in jährlichen Rhythmen erscheinen, würden die verschiedenen Ausgaben Entwicklung und Wandel der Wikipedia nachvollziehbar machen. Die Dynamik ist einerseits die Stärke von Wikipedia, sie ist aber auch ein Makel, weil sich die Text ständig ändern und man nicht auf sie referieren kann. Und insofern ist die Wikipedia in gedruckter Form auch die Dokumentation des jeweils aktuellen Wissensstandes. Wie versuchen Sie, Fehler zu umgehen bzw. nicht abzudrucken? Wir redigieren behutsam, verbessern und überprüfen und wir achten ganz besonders auf sensible Stichworte und Einträge, von denen man weiß, dass die Wikipedia hier Schwachstellen hat. Das sind vor allem Einträge mit politischem Hintergrund. Falsche Angaben finden sich v.a. dort, wo externe User ein ideologisches Interesse haben. Wer bekommt das Geld, das mit dem Buch verdient wird? Wikimedia Deutschland erhält für jedes verkaufte einen Euro. Wenn Sie sich informieren wollen, schlagen Sie eher im Lexikon oder bei wiki nach? Ich schaue in traditionellen Lexika nach, weiß aber, dass ich dort bestimmte Informationen nicht finde. Und für die nutze ich dann unter anderem Wikipedia. Das "Wikipedia-Lexikon ist ab September 2008 im Buchhandel erhältlich und wird voraussichtlich 19,95 Euro kosten


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12 Kommentare

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dem_osten_so_nah
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Mag ich Mag ich nicht

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23.04.2008 - 19:30 Uhr
dem_osten_so_nah

Die wichtigste Information fehlt: Es werden, so habe ich das woanders gelesen, nur die Einleitungstexte übernommen. Ganze Artikel wird man nicht finden.

euphorius
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23.04.2008 - 19:38 Uhr
euphorius

klar. ich kauf auch immer gern, was ich auch umsonst haben kann.

jules__
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23.04.2008 - 20:02 Uhr
jules__

kompletter schwachsinn, im internet gibt's das mit komfortabler suchfunktion umsonst, umfangreicher und up-to-date.

Fehlerteufel
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Mag ich Mag ich nicht

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23.04.2008 - 22:17 Uhr
Fehlerteufel

die Text

Reimpirat
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24.04.2008 - 00:36 Uhr
Reimpirat

hm eine Euro für Wikipedia? und die anderen 18.99?
Teilweise Produktionskosten ja aber der große Verdiener ist Bertlesmann? also 1 Euro ist doch relativ wenig oder täusche ich mich da?

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24.04.2008 - 00:42 Uhr
Reimpirat

hm und ja insgesamt ist ja ein festhalten von Wikipedia ganz gut (so als Vorratsdatenspeicherung? oder wie immer man das nennen mag ) als Konservendose oder Photoalbum der Wikipedia
So sah Wikipedia anno 2000 aus und so anno 2010
als Chronik
allerdings dann so wie sie ist und nicht irgendwie bearbeitet von aussen
die wikipedia ist ja gerade selbstkorektiv und sie hat auch ihre Methodik Vandalismus oder Idiologisches fern zu halten. Es klingt doch eher als ob Bertelsmann seine Ideologie an Wikipedia anpassen will und die Wiki Bertlesmannisieren. Ist ja gut das nicht Springer auf diesen Trichter kam.

Taugenichtse
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24.04.2008 - 07:21 Uhr
Taugenichtse

überflüssig.

ich_schlampe_bin_muede
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24.04.2008 - 12:31 Uhr
ich_schlampe_bin_muede

Besonders geil ist natürlich für Bertelsmann, dass sie die Rechte nicht kaufen müssen und deshalb nur in die Bearbeitung investieren müssen.

Ansonsten schließe ich mich meinen Vorrednern an - wozu das Ganze?

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

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24.04.2008 - 18:47 Uhr
MorbusBahlsen

Um dem massenmedialen Konsument einen Einblick in die Onlineenzyklopädiewelt zu geben. All die Leute die zwar von Wikipedia gehört haben, aber für die das Internet ein Aufenthaltsort für konspirative Weltbürger ist. Und weil Bücher nach wie vor wie verrückt gekauft werden, weil der Bildschirm für viele ein unangenehmer Zeitgenosse ist.

moskaliuk
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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2008 - 21:01 Uhr
moskaliuk

... ich wünsche mir, dass sich die Community gegen das Projekt wehrt und Bertelsmann dann, um die Massen zu besänftigen, für jedes verkaufte Exemplar ein Weiteres an eine Schule spenden muss: Damit Wissen wirklich frei wird. ...

berlinoid
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Mag ich Mag ich nicht

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28.04.2008 - 21:33 Uhr
berlinoid

@moskaliuk
Wikipedia steht unter einer *freien* Lizenz. Das schließt die kommerzielle Verwertung ein. Und das ist gut so.

Jaques_Norris
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Mag ich Mag ich nicht

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29.04.2008 - 10:50 Uhr
Jaques_Norris

Gleich zu Beginn des Interviews wird ja betont, daß Bertelsmann hauptsächlich an der Anziehungskraft der Marke und den damit verbundenen Käuferscharen interessiert ist und weniger am Inhalt.


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