Zum Davonlaufen: Coffee to go
In der Grün&Gut testet Anne Henneken, Produktredakteurin bei
utopia.de, einmal in der Woche ökologische Produkte und Dienstleistungen. Heute: Kaffee zum Davonlaufen
Allein die Tatsache, dass ich mindestens fünf Fragen auf Kleinkindniveau beantworten muss, um ein Cappuccino ähnliches Kochendheißgetränk zu bekommen, fällt für mich in die Rubrik "Verbalemissionen" – gerade am frühen Morgen. Nach meinen Erfahrungen wird der Bestelldialog umso komplizierter, je kleiner der Sirup und je größer der Kaffeeanteil des gewünschten Getränks sein soll. Auch das Fließbandgefühl, wenn man an zwei oder manchmal sogar drei Leuten vorbeigeschleust wird, bis man zum Endprodukt kommt, ist nicht so meins.
Schräg wird es dann, wenn sich Leute mit diesen Plastiknuckelbechern vor den Laden hocken und aus ihrem Coffee-to-Go einen Coffee-am-Blumenkübel machen. Da bevorzuge ich doch ganz klar ein nettes Cafe oder eine italienische Espressobar. Ein Caffè machiato aus der vorgewärmten Porzellantasse schmeckt einfach besser. Tassen sind auch viel umweltfreundlicher als die aufgeschäumten Polystyrol-Becher. Allein diese Becher erinnern mich daran, dass Coffee-to-go aus einem Land kommt, das seit Jahrzehnten dafür berüchtigt ist, braun gefärbtes Wasser als „home-made coffee“ gratis auszuschenken.

Echte Tassen haben nicht nur mehr Stil, sie lassen sich nach Gebrauch einfach spülen und halten bei halbwegs fähigen Kellnern und Gästen ewig. Kunststoffbecher aus Polystyrol dagegen werden mit relativ viel Energie erzeugt, sind nicht recycelbar und landen bereits nach einmaligem Gebrauch im Müll. Mein Kollege Jan bei Utopia hat mal für eine Artikel-Serie „Die Rechnung, bitte!“ recherchiert, wie viele Kaffeebecher alleine in New York jeden Tag im Müll landen und das auf ein Jahr hochgerechnet. Die Zahl so absurd hoch, dass man sie gleich wieder vergessen kann – glaubt einem sowieso keiner.
Ähnlich absurd finde ich es, wenn Leute richtig viel Geld für Espressomaschinen und Blue-Mountain-Kaffee hinlegen, um sich als Kaffeekenner auszugeben – und dann trifft man sie auf der Strasse mit Mitnahme-Kaffee in der Hand. In meinem Bekanntenkreis sind das meist die gleichen, die auch gerne über den Niedergang der Kulturen und die zunehmenden Einschränkungen des Individuums lamentieren. „Ist doch heute total egal, in welche Stadt du fährst, in den Einkaufszonen gibt’s doch überall das gleiche. Die schönen alten Läden und tollen Cafes, die noch was Besonderes, Individuelles hatten, die sterben doch aus. Alles wird doch immer gleicher.“
Diese Homogenität im Stadtbild gehört genau zu den Punkten, die auch Naomi Klein an den großen Coffee-to-go-Ketten bemängelt. Auch die aggressive Expansionsstrategie dieser Ketten, durch die kleinen lokalen Cafes immer mehr verdrängt werden, weil sie bei den Mieten nicht mithalten können, ist der wohl berühmtesten Globalisierungskritikerin der Welt ein Dorn im Auge.
Wenn es überall das gleiche gibt, finden das viele aber auch beruhigend, weil es (vermeintliche) Sicherheit schenkt. Ein psychologischer Aspekt mit dem alle bekannten Marken dieser Welt eine Menge Geld verdienen. Aber Authentisches, Natürliches, unverfälscht Echtes hat eben nicht die „Jederzeit-alles-100-Prozent-gleich-Garantie“ und ist immer für Überraschungen gut. Wie die Launen des Kellners in meinem Lieblings-Cafe: Je nach Tagesform gibt’s zum hauseigenen Fair-trade Kaffee manchmal ein Minicroissant, ein Lächeln oder ein Grummeln dazu. Sicher weiß man das nie. Ich wünsche mir nur, dass im Laden gegenüber niemals eine Coffee-to-go-Kette einzieht.
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a) die becher sind aus papier (ok, die deckel nicht)
b) dank starbucks haben die meisten erst einmal anderen kaffee als filterkaffee kennen gelernt - besonders die nicht klassischen "gemütliches italienisches café gänger" und haben damit überhaupt erst den weg für die individuellen unabhängigen läden geebnet.
und die beste chance eine echten schlechten kaffee zu bekommen ist immer noch das ach so tolle oma cafe in einer kleinstadt.
23.04.2008 - 15:45 Uhr
diedrossel
da ist alles geregelt. norm nennt sich das, alles genormt. auch der automatisiserte gesprächsleitfaden fürs kundengespräch.
das beste an dem job war, dass die wirklich tolle sachen jeden abend wegschmeissen (kuchen, sandwiches etc.). die dürfen dann die mitarbeiter aber wahlweise mitnehmen. hmmm. das war immer ein fest.
natürlich nerven ketten. andererseits war deutschland vor 10 jahren noch eine kaffeewüste. da war der o.g. oma filterprött das mass aller dinge. das sollte man bei aller berechtigten kritik nicht vergessen.
Aber keines davon ist in der Lage, mir vor 9 Uhr morgens einen Kaffee auszuschenken. Nur Starbucks hat offen.
Ist das jetzt acuh schon eine STrategie im Verdrängungswettbewerb?
der ganze trick besteht doch darin stück für stück all diese kaffeeverkäufer abzuklappern und sich die guten zu merken. ich für meinen teil hab in so ziemlich jeder ecke berlins einen kaffeestand, wo ich weiß, dass der kaffee gut und der preis akzeptabel ist.
tjaja.
alles eine frage der organisation.
dass ich mir zuhause dennoch begeistert die hände reibe, wenn der filterkaffee mal etwas teurer aber dafür auch richtig gut ist, tut meiner leidenschaft für coffee-to-go-becher in meinen augen keinen abbruch....
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23.04.2008 - 14:34 Uhr
dine
Ich persönlich trinke sowieso nie Kaffee, schon gar nicht Togo. Wenn was Togo, dann Bier.