BKA-Gesetz: SPD-Politiker bricht Radio-Interview ab
Angestrichen:
Moderator: Guten Morgen, Herr Edathy! Wenn Sie sich morgens die Zähne putzen: Sind Sie eigentlich nackt oder haben Sie Unterwäsche an?
Edathy: Ich äh, wieso ...?
Moderator: Die Frage ist Ihnen unangenehm oder warum?
Edathy: Ich weiß nicht, was das mit der Sache zu tun hat. Also, was soll denn der Scheiß ... Entschuldigung, auf Wiederhören!

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Es macht Mut, wenn die Politiker doch nicht so ganz hinter ihren Überwachungsgesetzen stehen können, vielleicht müssen wir das Wort der "Unschuldsvermutung" noch nicht ganz aus unserem Wortschatz streichen.
22.04.2008 - 19:42 Uhr
MorbusBahlsen
Wer ahnt denn, dass das irgendwie eine Metapher werden soll, mit der man den Bogen zur Innenpolitik spannen will?
Ein bisschen cooler hätte er allerdings schon reagieren können, auch wenn's ihm zu boulevardesk ist. Er will ja auch wiedergewählt werden.
Aber unvermittelt von einem Radiomoderator sowas am Telefon gefragt zu werden... Das Sat.1-Frühstücksfernsehen hätte an der Stelle das Interview auch beendet und die Frage, ob Zähneputzen nackt oder in Unterwäsche, zum Topthema gemacht, inklusive Zuschauerabstimmung ;-)
22.04.2008 - 20:24 Uhr
MorbusBahlsen
"Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), bezeichnete die Vorgänge in Hessen, wo sich Ypsilanti von der Linken zur Ministerpräsidentin mitwählen lassen wollte und dann mangels Unterstützung einen Rückzieher machen musste, als „ausgesprochen irritierend“. „Einen solchen erkennbaren Mangel an Professionalität sollte man sich kein zweites Mal leisten“, sagte Edathy der „tageszeitung“."
http://www.focus.de/politik/deutschland/...
Jetzt darf er vor der eigenen Haustür kehren...
Richtig. Wer sich in die Öfentlichkeit begibt, muss mit ihr umgehen können, das ist der Beruf.
Auf der anderen Seite: Andere Prominente weichen keinen Millimeter von vorgefertigten Interviewleitfäden ab und brechen sofort ab, wenn sich spontan was Unbequemes anbahnt. Viele Schauspieler zum Beispiel, und die sind sich auch für sonst nichts zu schade.
Und man muss sich überlegen: Was hätte ein Dr. Helmut Kohl geantwortet? Ein Willy Brandt? Eine Angela Merkel?
Ob man den Politiker hier nun mag oder nicht (ich mag ihn auch nicht), aber das Recht, sich diesen Einstieg in ein seriöses Interview zu verbitten, muss man ihm lassen.
Man hat ihm sicher auch nicht vorher gesagt, dass man zur plastischen Verdeutlichung so beginnen werde.
Man hat den Überrumpelungseffekt gesucht, und beinahe hätte es ja auch geklappt, wenn man genau hinhört ;-)
Was wählen wir doch für Politiker, wenn sie hinter ihren Versprechungen nicht selbst stehen können und deshalb jederzeit Maßreden parat haben. Bei Schauspielern, deren Beruf das nachplappern von anderer Leute Gedankengut ist, erscheint mir das schon viel einleuchtender.
Auch Überwachungen kommen unerwartet, insofern kann er sich ja schon mal etwas in die Situation einleben. Bei mir selbst wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt aufgrund eines anonymen Hinweises. Der Hausdurchsuchung war nicht richterlich bestätigt. sondern mit "Gefahr in Verzug" lediglich vom Staatsanwalt bestätigt. Ein Polizist, dem die Sache selbst unangenehm war bestätigte mir hinter vorgehaltender Hand, dass der anonyme Hinweis 4 Wochen alt war. So viel zu unserem Rechtsstaat.
Digital_Data
Das denke ich mir schon, seit ich das Wahlalter erreicht habe.
22.04.2008 - 21:57 Uhr
eisengrau
Digital_Data sagte:
Auch Überwachungen kommen unerwartet, insofern kann er sich ja schon mal etwas in die Situation einleben. Digital_Data
Der muss sich nicht einleben, der wird nicht überwacht. Politische Immunität. Es sei denn, er hat Terrorverdächtige zum Kaffee da.
Hausdurchsuchungen mit der Begründung Gefahr im Verzug gab es übrigens vor 20 Jahren auch schon. Neu ist nur die Bespitzelung in Bild und Ton. Und selbst da bin ich mir nicht sicher.
Das war vor 20 Jahren ;-).
Und mehr, wer glaubt bei uns gäbe es sowas wie "In dubio pro reo", der sollte sich auch mal näher mit unseren gerichten beschäftigen.
Digital_Data
als politiker muß man sich vieles, aber nicht alles gefallen lassen.
und die werden sicher wieder bei ihm anrufen, so wie er sicher wieder zusagen wird, für ein interview. so läuft die nummer.
Als Bürger muss man sich leider auch vieles, aber nicht alles gefallen lassen.
Und die werden sicher wieder bei einem nachforschen, so wie derjenige sicher wieder nicht zustimmen würde, für ein intransparentes interview. So läuft die Nummer.
:) :) :)
politiker sind auch bürger. woher die annahme kommt, sie sollten beherrschter, abstinenter, monogamer oder weniger korrupt sein, als das volk, das sie vertreten, ist mir schleierhaft.
Ich räume ein, dass man diese Szene als Schuldeingeständnis eines Politikers mit zweifelhaften Absichten sehen kann, das durch raffinierten Journalismus erzwungen wurde, was ich aber für eher unwahrscheinlich halte, da ich weder diese Radiosendung für raffiniert, noch den Politiker für so schuldbewusst halte.
Ich sehe es daher eher so, dass sich ein etwas spießiger Karrieretyp durch die Frage nach seiner Nacktheit kompromittiert sah, keine schlagfertige Antwort parat hatte, die ihn aus der Nummer als lässigen Sieger hätte rausgehen lassen, und daher einfach aufgelegt hat.
Wer's genau wissen will, wird Mäuschen spielen müssen ;-)
Sind seine Erklärungsversuche verständlich? - Diskutabel zumindest.
Die Privatsphäre erspitzeln wollen? - Indiskutabel, auch für ihn.
Die Radiosendung, welcher Qualität sie auch sein mag, sehe ich hier eher als Stein des Anstoßes für eine größere Sache. Diese welche an vielen Bürgern leider ohne solche Wachrüttler fast ungesehen vorübergehen würde.
23.04.2008 - 00:47 Uhr
MorbusBahlsen
„Es wird keine staatliche Peepshow geben, der gespeicherte Liebesbrief bleibt für die Ermittler tabu.“
http://www.focus.de/politik/deutschland/...
Ein Richter müsse die Daten erst freigeben und nichtzutreffendes streichen. Die Ermittler sich so lange taub stellen. Bis sie alle merken, dass Bombe Kind heißt, vielleicht sogar Gerd oder Gerda, und die Terroristen alle Eheprobleme haben. Für wie dumm lassen wir uns denn verkaufen?!
eisengrau sagte:
Sagen wir mal so: in Kenntnis des morgendlichen TV- und Radioprogramms hätte ich auch geglaubt, dass das schon das ganze Interview sein sollte.
Wer ahnt denn, dass das irgendwie eine Metapher werden soll, mit der man den Bogen zur Innenpolitik spannen will?
ich nehme an, du kennst radio1 nicht?
das ist defintiv kein "hallo wach hier die charts der 80er, 90er und das beste von heute" (auch wenn alco es im gegensatz zu mir morgens nervig findet ;) - leider hab ich das verpasst).
ich find den einstieg okay und wenn der interviewte damit ein problem hat, dann kann er ja auch einfach zurückfragen, was der scheiß soll (natürlich im politikersprech) und darüber auch gleich seinen punkt klar machen.
es soll schon mal vorkommen, dass interviews abgebrochen werden...
Moderator: Guten Morgen, Herr Edathy! Wenn Sie sich morgens die Zähne putzen: Sind Sie eigentlich nackt oder haben Sie Unterwäsche an?
Edathy: Ich äh, wieso ...?
Moderator: Die Frage ist Ihnen unangenehm oder warum?
Edathy: Ich weiß nicht, was das mit der Sache zu tun hat. Also, was soll denn der Scheiß ... Entschuldigung, auf Wiederhören!
Also wer auf die Frage "Die Frage ist Ihnen unangenehm oder warum?" - "Also was soll denn der Scheiß" anwortet, der hat sie wohl nicht alle, sorry. Demokratie heißt ja auch unterschiedliche Meinungen zu haben. "Ich weiß nicht was das mit der Sache zu tun hat" scheint ein wenig ausgeprägtes Verständnis für unterschiedlcihe Meinungen zu zeigen, denn auch hier haben durchaus einige verstanden, was gemeint war. Aber das ist typische Politiker-Gusto, nach dem Motto ich beantworte meine eigenen Fragen.
Digital_Data
demokratie heißt offenbar, dass jeder immer und überall alles sagen kann, jeder journalist, jeder blogger, jeder blog-kommentator - nur jeder politiker nicht.
hätte edathy eine geschliffene antwort parat gehabt, die dem moderator den wind aus den segeln nimmt, hätte alles aufgeschrien: "tüüüüpisch aalglatter politiker" - so hat er halt "scheiße" gesagt. das gestehe ich jedem politiker zu.
aber so ist das eben, wir haben 80 mio bundestrainer, 80 mio tagesthemensprecher und auch 80 mio politiker, die natürlich immer alles besser wissen, nie "scheiße" sagen und das ding "auf jeden fall rein gemacht hätten"
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/277...
und
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/272...
Edathy hat nämlich auch die Zeit unter Druck gesetzt.
Schönen Gruß,
Thomas
eisengrau sagte:
Das sind zwar interessante Links, aber eben nicht zum Thema. Das Thema hier ist ein Politiker, der ein Radiointerview abgebrochen hat, und damit verletzt er erstmal keinerlei Rechte.
ach eisen, wir wissen doch, einem politiker, der im radio(!) "scheiß" sagt, ist alles zuzutrauen, von falschparken bis pädophlie.
eisengrau sagte:
Der nächste Bundespräsident heißt sowieso Dieter Bohlen, so wie ich den Geschmack meiner Landsleute einschätze. Mal sehen, wie die Politik sich dann so artikuliert ;-)
haha... bohlen als "bundes-dieter"
wir freuen uns auf sprüche wie: „wenn der kuchen redet, müssen die krümel die schnauze halten.“
im kern wäre das schon mal ein ansatz...
Cheers!
Der Commodore
gez.
der checker
;-
Selbstverstaendlich kann man ein Interview abbrechen. Aber doch nicht mit "was soll der Scheiss". Die Vorstellung dass so jemand Ausschuesse leitet laesst mich schauern.








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22.04.2008 - 19:03 Uhr
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