17.04.2008 - 10:58 Uhr

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sechsundsiebzigstufen III

Text: KleinOrangenmaedchen

. . . Sie hat ihrem Körper langsame Bewegungen angewöhnt, damit sie ihn vor ihren Gedanken bewahrt, vor einem plötzlich schützt. Langsam sind ihre Schritte und ganz leise das Knarren des alten Holzfußbodens in den kleinen Räumen. Die Decken sind hoch, das Weiß der Wände schwindet allmählich in ein dreckiges Gelbgrau. Mit ihrer blassen Handrückseite zieht sie oft die Wölbungen der Raufaser nach, den leichten Schmerz merkt sie kaum mehr. Vielleicht genießt sie ihn, seitdem er nicht mehr dort wohnt, mit ihr lebt. Sie trägt keine Schuhe, berührt den Holzboden stets mit ihren nackten Füßen, fühlt jeden Schritt ganz deutlich. Kleine braune Splitter suchen den Weg in das fahle Fleisch, durch die dünne Schicht Hornhaut und er hatte ihr damals Hausschuhe gekauft, ein Jahr später, vielleicht auch Monate, dicke Socken in dunkelgrün. Sie liegen im Schrank, hinter den schweren, leise quietschenden dunkelbraunen Türen, rechts oder links in der Ecke. Dort liegen Pullover, die schon lange nicht mehr nach Waschmittel riechen, längst nicht mehr nach ihm. Würde sie diese anziehen, blassgelb, haselnussbraun, grün, blutrot, könnte sie darin versinken, verschwinden, würde der Wollstoff ihren Körper umschließen, verschließen, unsichtbar machen. Manchmal hat er ihr solch einen Pullover über die zarten, damals noch nicht hängenden Schultern gelegt und sein kleiner Mund hatte sich zu einem Lächeln geöffnet, seine Fingerspitzen waren erst über die weiche Wolle, die an ihrer empfindlichen Haut kratzte, gefahren und hatten dann den Weg über ihre Arme über den kleinen kindlichen Körper gesucht. Seine Hände waren immer sehr warm gewesen, ihre Haut schon immer blass, die Kälte leitend. Heute führen ihre Schritte sie ins Schlafzimmer, die Morgensonne scheint schon längst in die Fenster der anderen Straßen, es fällt ein grauer Schatten in den rechteckigen Raum, erfüllt ihn. Die Schranktür quietscht etwas lauter heute. Es sind acht Pullover, darunter wenige Hemden, grellweiße T-Shirts, verwaschene Boxershorts, keine Jeans. Der Stoff des Hemdes ist hart, trocken, wie die flachen Steine, die so akkurat auf die Wasseroberfläche auftrafen, wenn er sie unermüdlich in den See warf. Sie zieht ein hellblaues Hemd an, es riecht nach altem Holz, vielleicht Mottenkugeln, nicht mehr frisch gewaschen. Es hängt kraftlos an ihren schmalen Schultern, an denen die Schulterblätter stets hinausstehen, hinab. Als es heute klingelt, hockt sie auf dem kalten Holzboden, ohne dass er knarrt, hat ihre rauen Knie an den kleinen Körper angezogen, sie berühren den kalten Stoff, der an ihr nicht warm wird. Langsam steht sie auf, hebt ihren Blick ab von dem großen, viel zu großen Bett, und schleicht zu der grellweißen sperrigen Tür. Der Teekessel steht auf dem Herd, kalt, leise. Es riecht heute anders in den vier Räumen, deren Türen sie immer offen stehen lässt, einen großen Spalt breit. Vielleicht riecht es nach dem Stoff an ihrer Haut, vielleicht riecht es etwas nach ihm. . . .


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2 Kommentare

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DerHerrAlbert
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.04.2008 - 12:50 Uhr
DerHerrAlbert

schöne melancholische stimmung.
intensiv eingefangen.
punkt

shampoo
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.04.2008 - 22:41 Uhr
shampoo

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KleinOrangenmae…

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.

//her mind, was a very big house, we got lost there for hours until august fell//