15.04.2008 - 19:00 Uhr

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Kann denn Bio billig sein?

Text: anne-henneken

In der Grün&Gut testet Anne Henneken, Produktredakteurin bei
utopia.de, einmal in der Woche ökologische Produkte und Dienstleistungen. Heute: Billig-Bio

Als ich aus Urlaub zurückkam, war der Kühlschrank extrem übersichtlich und mein Portemonnaie auch. Also bin ich zum Aldi und habe mich dort mit Obst und Gemüse eingedeckt, das mit dem sechseckigen Bio-Siegel gekennzeichnet ist. Beim Kochen beiße ich gewohnheitsmäßig in die erste Karotte, die ich schäle und denke mir: Schmeckt aber nicht so süß wie die vom Markt. Da blinkte es wieder, das Pop-up-Feld im Hirn: Kann denn Bio billig sein? Gibt’s überhaupt gutes und schlechtes Bio, erste und zweite Klasse? Ist Discounter-Bio besser als gar keins zu kaufen? Ehrlich gesagt habe ich darauf noch keine endgültige Antwort gefunden.
Laut Greenpeace verkauft Aldi mittlerweile jede zweite Bio-Möhre und fünfmal soviel Bio-Kartoffeln wie der gesamte Naturkosthandel zusammen. Immerhin 46.154 Produkte tragen im März 2008 das sechseckige Siegel nach EG-Öko-Verordnung, also dem Mindeststandard in Sachen Bio. Ob ich eines davon jetzt im Bioladen kaufe oder im Discounter zu den meist günstigeren Bio-Handelsmarken von Plus, Aldi, Lidl, Plus, Rewe, Tengelmann, Edeka greife – wo ist der Unterschied, wenn Bioladen und Supermarkt das gleiche Siegel anbieten? Da die Waren ja die gleichen Standards erfüllen, ist das vielleicht der „gefühlte“ Unterschied. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Bio-Pioniere und Ur-Ökos ein gespaltenes Verhältnis zum Thema „Discounter und Bio“ haben, eine kleine Portion Neid inklusive. Denn die Discounter haben in kurzer Zeit geschafft, was sich die Biobranche seit Jahrzehnten wünscht: Biowaren basisdemokratischer zu machen. „Bio fürs Volk“ ist breit verfügbar, erschwinglich und darf auch ohne Gesinnungsbekenntnis erstanden werden. Viele können sich Bio als „Studentenfutter“ nur leisten, weil es auch preiswert im Supermarkt angeboten wird. Und Discounter sind auch ein prima Einstieg. Da der Preisunterschied zum „normalen“ Produkt hier am niedrigsten ist, probieren die meisten Leute eher mal ein Bio-Produkt aus und packen mit der Zeit immer mehr davon in den Einkaufskorb. Und das ist gut so. Nicht mehr gut ist nur das Extrem, wenn Leute dabei zwanghaft werden. Vor einiger Zeit wurde tatsächlich das erste Bio-Krankheitsbild entdeckt, die Orthorexia. Der Name ist von Magersucht (Anorexia nervosa) abgeleitet und beschreibt Menschen, die nur zu sich nehmen können, was gesund und bio ist. Hinter dem „billigen Bio“ lauert aber auch das „Zauberlehrling“-Syndrom: die Angst, der Geister, die man gerufen hat, nicht mehr Herr zu werden. Preisdumping und der Verlust der Glaubwürdigkeit, zum Beispiel wenn Qualitätsstandards aufgeweicht werden. Oder durch schwarze Schafe und längere Transportwege, weil nicht genug Bioware lokal verfügbar ist und mit steigenden Lebensmittelkilometern auch die Ökobilanz immer mehr versaut wird. Schon heute ist es beispielsweise so, dass Bio-Eier nicht gleich Bio-Eier sind. Bei Eiern mit dem sechseckigen Bio-Siegel muss das Futter für die Hühner nicht zu 100 Prozent bio sein, bei einem Ei mit Demeter-Siegel schon. Genau hier sitzen die Bioläden am Premium-Hebel, wenn sie Produkte verkaufen, die höhere Standards als das Biosiegel erfüllen.
Dass immer mehr Biogemüse aus dem Ausland herangekarrt werden muss, ist vor allem einigen kurzsichtigen Politikern zu verdanken (haben vielleicht zu wenig Bio-Möhren abgekriegt?). Wegen ihrer Politik stellen weniger Bauern auf Bio um, weil die Subventionen für die zirka vier Jahre dauernde Umstellung gestrichen wurde. Da die Ernten von Biobauern aber kleiner als die von konventionellen ausfallen und sie in der Umstellungsphase ihre Produkte nicht als 100 Prozent bio verkaufen dürfen, kann sich das kaum einer leisten. Extrem schade, denn deutsche Bioprodukte werden so noch weniger. Und spätestens wenn ab 1. Januar 2009 das deutsche sechseckige Biosiegel den europäischen Standards angepasst ist, die deutlich niedriger als die bisher geltenden sind, wird auch Zwei-Klassen-Bio nicht mehr nur gefühlt, sondern ziemlich echt da sein. Irgendwann gibt’s vielleicht nur noch teures Elite-Bio oder gar keins – ein Horror! Darum: Bioprodukte zu kaufen ist immer die richtige Entscheidung. Besser bio als konventionell. Besser regional vom Markt oder Bioladen. Und besser vom Discounter als gar nicht.


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chocolatecat
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Mag ich Mag ich nicht

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15.04.2008 - 20:47 Uhr
chocolatecat

ich finds natürlich total super, dass es im plus die billigen biobio paprika gibt, im bioladen kann ich mir einfach den normalen wocheneinkauf gar nicht leisten.

aber manchnmal fragt man sich da schon ... wie kriegen die das so billig.

bei fleisch ist mir ehrlich gesagt wichtiger, wie die tiere gehalten werden ("artgerecht") und wie die schlachtmethoden sind, als ob die kuh 100%biofutter gefuttert hat...


ich hab vor nicht allzulanger zeit mal einen bericht im weltspiegel (? ... glaub ich zumindest) gesehen, wo es darum ging, dass immer mehr riesige farmen in china auf bio umstellen (für den import) und die eu kontrolleure ihre liebe müh haben, festzustellen, ob das zeug auch alles nach den richtlinien angebaut wird.

so gesehn ... fies wenn man für die billigen biosachen immerhin nur wenig mehr zahlt, aber dann die biokatze im sack kauft und vielleicht doch konventionelles kriegt, das sich das biosiegel nur erschlichen hat...


schwierig.

urmelaufdemeis
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16.04.2008 - 09:05 Uhr
urmelaufdemeis

Ein Hoch auf Biopestizide wie Rotenol, Phyrethum, Öl, Schwefel und Kupfer. Diese dürfen auch in einer zehnmal höheren Menge als übliche Schädlingsbekämpfungsmittel pro Hektar eingesetzt werden. Was nützt das schönste Rauchverbot wenn Nikotinsulfat ins Spiel kommt. Pyrethum wird von Kundern in Afrika von Hand gepfückt. BT, in der Gentechnik abgelehnt, wird als Bacillus Thurengiensis im Bio-Landbau verwendet.

Vielleicht sollte sich die Autorin mal vor Ort, in der Landwirtschaft, statt vom Schreibtisch informieren.

giini
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16.04.2008 - 09:18 Uhr
giini

"aber manchnmal fragt man sich da schon ... wie kriegen die das so billig"

druck auf die hersteller - spaetstens nach dem letzten olivenoelskandal sollte das doch ueberall angekommen sein, oder? und die frage "kann denn bio billig sein" kann man nur beantworten mit: auf dauer leider nicht.

das problem ist nicht bio im diskounter oder nicht bio - das problem ist der diskounter an sich (zumindest die marktbestimmenden wie aldi). das kann sich auf dauer kein kleinerer produzent leisten..und wenn es die nicht mehr gibt - pech fuer uns..

nordzucker
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16.04.2008 - 10:30 Uhr
nordzucker

weniger essen?

milagro
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16.04.2008 - 13:42 Uhr
milagro

hm auf irgend etwas muss man ja vertrauen... und immerhin kann man sich so bio leisten auch als nicht so betuchter mensch. wie die autorin erwähnt, gibt es bei den verschiedenen siegeln ja durchaus unterschiede. mindeststandards und extras. wie beim auto halt, da kauft man ja auch den eigenen möglichkeiten entsprechend.

synthie_und_roma
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16.04.2008 - 13:46 Uhr
synthie_und_roma

billig ist doch selbst beim discounter eine frage des geldbeutels.

für hartz 4 empfänger sind 6 bioeier bei lidl für 1,69 jenseits aller möglichkeiten. nur mal so. trotzdem finde ich es gut, dass es bioprodukte beim discounter gibt. das biosiegel ist nicht demeter, die haben aber auch die allerhöchsten standards. ich glaube die stopfen auch kuhdung in abgefallene kuhhörner vergraben die und machen irgend einen sud draus...spooky.

was nie vergessen werden darf: bio ist nicht gleich gesünder. in normal hergestellten gemüse sind genau so viele vitamine drin oder nicht drin wie in bioprodukten. einzig der einsatz von pestiziden ist bedenklich.

und wer biogemüse aus spanien im discounter kauft, sorgt für die weitere verwüstung südspaniens...nicht gerade sehr öko.

und:

wenn bauern die nichtbio arbeiten für alle umweltkosten (z.b. grundwasserverschmutzung) ihres gülle und pestizid einsatzes aufkommen müssten (was sie nicht tun, das machen wir steuerzahler) dann wären auch nichtbio produkte viel teurer.

MorbusBahlsen
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16.04.2008 - 16:22 Uhr
MorbusBahlsen

Gab mir letzthin zu denken: Das Kilorgramm zwiebeln bei Edeka.
Spanische Zwiebeln - 0,99 Euro, deutsche Zwiebeln - 0,99 - Biozwiebeln - 1,99. Leistbar, ja, aber da wird die Hemmschwelle schon größer, wenn man dann nicht 100%ig sicher ist, dass auch Bio drin ist wenn Bio draufsteht.

nordzucker
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17.04.2008 - 11:14 Uhr
nordzucker

auch wenn es viel konsumenten und noch viel mehr produzenten nicht glauben wollen:
gesundheitsgefaerdene stoffe, ruckstaende von verbotenen dingen gehoeren NICHT in lebensmittel. ob mit oder ohne siegel.
ich hoere immer haeufiger, dass es bei billigen lebensmittel ja klar ist, das sie "schaedlich" sind. doch ein billiges auto ohne bremsen hat genauso wenig auf der strasse zu suchen, wie lebensmittel mit schaedlichen rueckstaende im supermarkt. "bio" sollte nicht dafuer sorgen, dass diese grenzwerte nach unten verschoben werden. "bio" muss dort anfangen wo der gesetzgeber keinen noetigen handlungsbedarf sieht.

tyrannenmoerderin
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Mag ich Mag ich nicht

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18.04.2008 - 13:44 Uhr
tyrannenmoerderin

bioland und demeter gut
den rest könnt ihr knicken

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Mag ich Mag ich nicht

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18.04.2008 - 13:48 Uhr
tyrannenmoerderin

ich arbeite in einem kleinen bioladen und die milch bspw. kaufen wir für 1,09 EIN!!!!!
wir verkaufen sie für 1,29 udn das ist schon echt billig

im bio massenladen, gibt es die gleiche milch für 99 cent
er kann eben mehr einkaufen, weil bessere lagermöglichkeit, merh absatz, mehr filialen etc.
so verhält es sich auch mit den absoluten bio anbauern

der konsument von heute will billig und bio

das geht nicht weil die standards hoch sind

die Mischung machts! und regional und im winter keine erdbeeren


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