Von Hasen und Cowboys.
Text: annapia
Rock’n’Roll: „Zunächst ein Slangausdruck für den Beischlaf wurde Rock ’n’ Roll Begriff für eine Musikrichtung und das damit verbundene Lebensgefühl einer Jugendkultur.“
Es war Ende Januar. Die Menschen bemalten ihre Gesichter bunt und tranken noch mehr Bier und Schnaps als sonst. Sie hüllten sich in eigenartige Gewänder um aus dem eigenen vertrocknet-grauen in ein anderes Leben zu fliehen. Als Krankenschwester, Häschen oder Cowboy. Zu dieser Zeit des Jahres war es akzeptiert, halbnackt und ohne Respekt vor sich selbst durch die Stadt zu laufen.
Die beiden verkleideten sich nicht. Sich entkleideten sich nur.
Für ein paar Stunden ist das ja auch so etwas wie ein anderes Leben.
Diese Wohnung, seine Wohnung: So leer. Irgendwie so aufgeräumt. Irgendwie so kühl. Wie er.
Sie dagegen verteilte ihre Kleidung in seinem Wohnzimmer. Und ihren Schmuck. Neun schmale Armreifen in allen Farben warf sie kreuz und quer über sein Sofa.
[Es waren zehn gewesen. Sie hatte einen, vollgestopft mit Sommer und von Leichtigkeit fast überlaufend, einem Mann übergestreift, der sie Traumfrau nannte.
Welch Idiotie, der Sommer war längst vorüber und die Armreifen wirkten unvollständig.]
„Du machst Chaos. Jetzt habe ich ein Rock’n’Roll - Wohnzimmer.“
Ein schiefes, vom Jägermeister trunkenes Lächeln. Dass sie sich selbst mit zu ihren anderen Sachen schmiss, das merkte er kaum.
Es wurde Februar - die Welt war wie zuvor.
Die Menschen betranken sich, irgendwie immer noch zu viel, und sie hüllten sich weiterhin in komische Gewänder. Wenn auch Hase und Freizügigkeit weggesperrt wurden.
In ihrem Badezimmer lagen die Armreifen, es waren acht. Den neunten konnte sie einfach nicht mehr wiederfinden.
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