13.04.2008 - 19:00 Uhr

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Wir sind Viele

Text: jetzt-Redaktion - Illustration: Katharina Bitzl

Es gibt keineswegs nur einen Typus Computerspieler – eine Klarstellung, ein Gastbeitrag für jetzt.de von Thorsten Quandt und Jeffrey Wimmer*

Aber: Nur weil das eine oder andere Vorurteil als solches entlarvt werden konnte, bedeutet das noch lange nicht, dass nun alle Debatten über Gewaltwirkungen oder Abhängigkeit vom Tisch sind. Denn wir haben auch die andere Seite des (Online-)Spielens kennengelernt: Bei der Frage nach den Lieblingsspielen zeigte sich in unserer Repräsentativstudie zu Online-Gamern, dass gerade unter männlichen Jugendlichen die Shooter besonders beliebt sind. Größtenteils handelte es sich um Titel, die nach USK-Einstufung nicht in die Hände von Jugendlichen gehören. Das zeigt auch, dass Einschränkungen und Verbote nur begrenzten Nutzen haben. Denn das Spielen findet oft komplett außerhalb der Aufmerksamkeit der Eltern statt – mangelndes Interesse, aber auch fehlende Medienkompetenz spielen hier sicherlich eine Rolle. Und um auf die Frage des älteren Herrn in der dritten Reihe zurückzukommen: Ja, es gibt Formen exzessiven Spielens. Wir fanden in unseren Studien Onliner, die rund um die Uhr zocken, die außerhalb des Virtuellen kaum noch etwas tun. Solche Dauer-Gamer machen nach unseren Untersuchungen etwa fünf Prozent der Online-Spieler aus. Wenn in solchen Fällen pro Tag fünfzehn Stunden gespielt wird – und das dauerhaft, über Wochen und Monate – , dann hat sich die Frage nach Abhängigkeit und negativen Wirkungen wohl von alleine beantwortet. Man sieht: Die Welt der Computerspieler ist äußerst vielgestaltig, und es wäre wichtig, eine offene Diskussion über das Thema zu führen, fernab von medienwirksamen Vereinfachungen. Weder kann es darum gehen, sich Computerspiele weg zu wünschen, noch sie von jeder Kritik frei zu sprechen. Ein klarer, unvoreingenommener Blick ist notwendig, denn nur so kann Verständnis für die Spieler und deren Hobby entstehen – und zwar sowohl für den legitimen Spaß an einer inzwischen alltäglichen Freizeitbeschäftigung als auch für die Probleme, die mitunter aus dieser Beschäftigung entstehen. * Thorsten Quandt ist Junior-Professor für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Journalismus am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin. Gemeinsam mit dem Sozialwissenschaftler Jeffrey Wimmer vom Institut für Medien, Kommunikation und Information an der Universität Bremen veröffentlichte er die Studie „Online-Spieler in Deutschland 2007“, für die gut 700 Online-Spieler befragt wurden.
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